Auch wenn die Taschen leer sind, so bemühen sich die Gemeinden im Elbe-Havel-Land dennoch um Projekte, die das Leben im Dorf lebenswert machen. Welche Pläne sie haben und worauf sie zurückblicken, möchte Anke Schleusner-Reinfeldt wissen – heute vom Klietzer Bürgermeister Hermann Paschke.

Volksstimme: In Klietz hat sich 2018 ziemlich viel getan – überwiegend mit Wiederaufbaumitteln nach der Flut. Die Badestelle gehört wohl zu den wertvollsten Errungenschaften ...

Hermann Paschke: Ja, es ist richtig, dass die Gemeinde Klietz seit zwei Jahren Flutschadensbeseitigungsmaßnahmen durchführt. Darunter auch eine besondere Errungenschaft: die Neugestaltung der Badestelle. Auch vor dem Hochwasser war die in die Jahre gekommene Badestelle schon wirklich nicht mehr einladend. Das hatte insbesondere für das Schullandheim einschneidende Folgen: Das Wasser vor der Tür und trotzdem auf dem Trockenen sitzen bleiben müssen! Deshalb war Pfingstmontag 2018 mit der Wiedereinweihungsfeier kombiniert mit dem Mühlentag ein ganz besonderer Tag. Viele Menschen feierten das Ereignis. Der heiße Sommer sorgte für viele Badegäste auch lange nach der Einweihung.

Es ist schon jetzt zu erkennen, dass die Wasserpflanzen langsam aber sicher dem Ufer näher kommen. Muss man sich Sorgen machen, dass alles umsonst war?

Es kamen 2018 nicht nur Badegäste, sondern auch die Wasserpflanzen wieder. Die Bundeswehr hatte durch das Abmähen der wuchernden Pflanzen zumindest in der Fahrrinne versucht, die Ausbreitung zu bekämpfen. Wir müssen schauen, wie wir die Badestelle nachhaltig erhalten können. Die Besucher haben das verdient, denn die allermeisten gingen sehr sorgfältig mit unserem Glanzstück um.

Die Sanierung der gesamten Seesiedlung, die sich die Gemeinde aus eigenen Kräfte wohl hätte nie leisten können, ist sicher auch ein Meilenstein.

Die Flut war ein Schock für alle betroffenen Gemeinden, auch für Klietz und insbesondere für die Bewohner der Seesiedlung. So etwas bitte nie wieder! Einziger Trost: Es gab neue Straßen, ein neues Abwassersystem – und das alles ohne finanzielle Belastungen für die Anwohner. Noch vorhandene Mängel sollen im Frühjahr durch die Baufirma beseitigt werden.

Fehlt noch der Spielplatz...

Richtig. Er hatte ja im Juni 2013 als Lagerplatz gedient und sehr darunter gelitten. Der neue Spielplatz wird noch in diesem Jahr zum Spielen einladen und für Begleitpersonen Platz zur Entspannung bieten. Kein Vergleich mehr zu den maroden Überbleibseln der alten Anlage.

Auch die Erneuerung der Damm- und der Trübenstraße sind Wiederaufbauprojekte. Ist denn schon eine Lösung für die zusätzlichen Arbeiten in der Dammstraße, die bisher nur halbfertig ist, gefunden?

Das war ein „schöne Bescherung“ nach dem Abfräsen der Straßendecke! Bei der letzten Sanierung Anfang der 90-er Jahre erfolgte gar kein grundhafter Ausbau. Nun muss die machbarste Lösung alsbald gefunden werden. Sie muss finanzierbar, aber auch keine Notlösung für wenige Jahre sein. Ein Havelberger Planungsbüro ist damit beauftragt.

Der Trübenweg wird wohl wegen der deutlichen Preissteigerung auch teurer als bei der Schadensschätzung angenommen. Sind die zusätzlichen Mittel schon beantragt?

Die Planungen sind noch nicht abgeschlossen, damit wurde ein Stendaler Planungsbüro beauftragt. Die Anwohner werden, sobald belastbare Ergebnisse vorliegen, angemessen einbezogen und informiert.

Mit eigenen Mitteln und Fördermitteln wird gerade die Turnhalle saniert – das Projekt steht kurz vor der Fertigstellung. Ist alles zur Zufriedenheit gelaufen?

Die Sanierung der zweiten Hälfte läuft seit etwa einem halben Jahr. Wir haben dafür Fördermittel beantragt und über das Leader-Programm bei hohem Eigenmitteleinsatz auch erhalten. Mit sechs beteiligten Gewerken, die teilweise gleichzeitig arbeiteten, musste man sich gut abstimmen. Es funktionierte super. Allen Beteiligten dafür ein großes Dankeschön. Unsere Sportler im Schul-, Vereins- oder Familiensport haben eine so moderne Trainingstätte auch verdient. Mitte Februar soll die Einweihung erfolgen. Natürlich wird diese Übergabe mit einem schönen sportlichen Höhepunkt zum feierlichen Ereignis.

Dieses Jahr soll noch ein Anbau für die Judokas und Kraftsportler erfolgen?

Das ist beantragt, jedoch noch nicht bestätigt. Wir drücken nicht nur die Daumen, sondern haken auch nach.

Aktuell profitiert Klietz noch von zusätzlichen Zuweisungen, die das Land entsprechend der höheren Einwohnerzahl durch die Flüchtlinge erhält. Diese Entlastung des Haushaltes war ja nur ein Strohfeuer...

Leider. Wir erhielten im ersten Jahr über eine Million, jetzt ist die Summe halbiert. Gleichzeitig erhöht sich die Umlage an die Verbandsgemeinde und den Kreis. Mehr als 1,5 Millionen Euro muss die Gemeinde zahlen. Wir rutschen also von 600 000 Euro Haben in 2017 auf 250 000 Euro Soll 2018 und auf 450 000 Euro Soll noch weiter finanziell bergab in diesem Jahr. Angesichts dieser Tatsache verstehe ich die Initiativen von Kommunen, diese finanzielle Misere gerichtlich zu beklagen.

Die Umlage an die Verbandsgemeinde steigt. Sehen Sie Einsparpotentiale?

Augenmaß ist bei den Beschlüssen zum Haushalt der Verbandsgemeinde einzufordern. Was können wir uns tatsächlich leisten? Diese Frage muss hinter jeder Position stehen!

Der Klietzer Rat beharrt auf den Nutzungsentgelten von der Verbandsgemeinde für Kindergarten, Schule und Gerätehäuser...

Eine Gemeinde ist juristisch selbstständig. Der Klietzer Gemeinderat hat sich entschlossen, nicht auf das Nutzungsentgelt für gemeindeeigene, von der Verbandgemeinde genutzte Immobilien zu verzichten. Die 30 000 Euro sind für eine Kommune, die sich in Konsolidierung befindet, unverzichtbar. Wir warten ab, was passiert.

Dieses Jahr wird eine Entscheidung zur Zukunft der Grundschule getroffen. Immer mal wieder wird auch von einer zentralen Schule in Klietz gesprochen. Welche Meinung haben Sie dazu?

Welcher Bürgermeister würde sich nicht über eine solche Entscheidung zu einem zentralen Schulstandort freuen? Zumal ein großes Schulgebäude zur Verfügung steht. Die Landesregierung hat mit ihrer Verordnung zur Schulentwicklung der Grundschulen die Bedingungen noch einmal deutlich verschärft – da entpuppt sich ein Schulverbund als Mogelpackung. Wenn man die bisherige Diskussion verfolgt, so ist das im Verbandsgemeinderat politisch nicht um- und durchsetzbar. Derzeit wäre es schon gut, deutlich kleinere Brötchen zu backen. Alles fast so zu lassen, wie es ist, nutzt am Ende weder den Schülern noch den Lehrern zur Sicherung einer guten Qualität von Schule.

Was tut sich denn so in den beiden Ortsteilen Scharlibbe und Neuermark-Lübars?

In unseren Ortsteilen ist das Leben besonders geprägt durch die Arbeit der Vereine. Fast jeden Monat gibt es kleinere oder größere Events, die von vielen Dorfbewohnern dankend angenommen werden. In den letzten zwei Jahren wurde die Sicherheit des Deiches sichtbar erhöht und setzt sich 2019 fort.

Wie sieht es mit der Auslastung des Schullandheimes aus?

Gut. Nur haben wir leider zu wenige Möglichkeiten, in der dunklen Jahreszeit von November bis März genügend interessante Angebote zu unterbreiten. Im Sommer sind wir nahezu völlig ausgebucht. Wir würden uns freuen, aus dem eigenen Landkreis noch mehr Schüler begrüßen zu können. Gäste aus dem Berliner Raum sind treue und zahlreiche Nutzer schon über Jahre. Wir beabsichtigen, mit dem Landkreis noch einmal in Kontakt zu treten, um die Konditionen der Bezuschussung zu prüfen.

Mit dem 95. Geburtstag der Feuerwehr steht dieses Jahr neben den zahlreichen kleinen Festen ja in Klietz eine große Party an ...

Ja, das wird wirklich ein Höhepunkt für das Dorf! Das Fischerstechen wird zum größten Event, sozusagen ein Dorffest mit vielen Gästen. Neben den vielen „Fischerstechern“ wird das Fest vor allem vom MDR mitgestaltet. Details werden noch bekannt gegeben.

Aktuell lebt mit Kseniia aus Russland ja wieder eine Austauschschülerin bei Paschkes. Da stehen sicher noch ein paar Ausflüge im ersten Halbjahr 2019 an...

Ja das stimmt. Es ist immer wieder schön, zu sehen, wie sich junge Menschen einleben und entwickeln. Als Kseniia im September kam, konnte sie kaum ein Wort Deutsch. Jetzt führen wir schon lange Gespräche. Sie hat Freunde am Tangermünder Gymnasium. In den Winterferien fahren wir ein paar Tage in den Harz, zu Ostern ein paar Tage in den Spreewald. Im März wird sie 17 und hat eine Wochenend-Wunschreise frei. Bis zum Mai ist sie voll eingespannt in einer Theatergruppe am Stendaler Theater. Danach folgen noch Fahrten nach Dresden, an die Ostsee und kurz vor der Abreise in den Raum München zum jährlichen großen Familietreffen. Darauf freuen wir uns alle sehr.