Hohengöhren l  Richard ist 90, Mieke einige Tage alt. Drei Generationen zusammen fühlen sich wohl und ergänzen sich bestens.

Viele Fotos hängen an den Wänden und stehen auf den Regalen in Richard Bollmanns Haus. Sie erzählen von seinem Leben mit der inzwischen verstorbenen Ingeborg, mit der er zwei Töchter und einen Sohn großgezogen hat. Sechs Enkel lachen den Betrachter an. Und sieben Urenkel kommen auch schon dazu. Das jüngste Urenkelchen ist die am 30. April geborene Mieke. Und die wohnt mit Mama, Papa und Schwester Minna (19 Monate) mit ihrem Uropa unter einem Dach. „Das ist das Beste, was mir passieren konnte“, freut sich Richard Bollmann, dass er nicht allein im Haus ist.

Zurück in die Heimat

Vor sechs Jahren ist sein Enkel Sascha mit seiner Freundin Julia Schliefke in die obenere Etage gezogen. Julia ist in Schönhausen aufgewachsen, ging für die Ausbildung zur Krankenschwester ins niedersächsische Winsen/Luhe. Aber genau wie ihr Sascha, gelernter Wasserbauer, wollte sie zurück nach Hause. „Wohin? Wir können ja Opa mal fragen...“ Und der sagte natürlich „Ja!“ In dem 1884 gebauten Haus samt großen Hof direkt an der B 107 ist Platz genug. 1962 waren Bollmanns hier eingezogen. Richard, ein Ur-Hohengöhrener, war Leiter der Rinderzucht der LPG „Roter Stern“, seine Frau arbeitete auf dem Feld. Gesellig waren die beiden immer.

Das hat sich bei Richard Bollmann nicht geändert, auch mit 90 nicht. Mit seiner Partnerin Erika aus Tangermünde ist er viel unterwegs.Beim Tanztee in Klietz fehlen sie nie, trotz der nicht mehr so gut wollenden Knie lässt er sich das Tanzen nicht nehmen. Er spielt Skat und macht dabei noch so manchem Youngster etwas vor. Beim wöchentlichen Kegeln auf der Hohengöhrener Bahn fehlt Richard nur selten. Und Christa Schleusner freut sich, wenn der Nachbar von gegenüber an der Tür klingelt, um ein bisschen auch über alte Zeiten zu plaudern. Zum Einkaufen geht es nach Schönhausen. „Und wenn ich irgendetwas brauche, sage ich Sascha oder Julia Bescheid, sie helfen mir immer!“

Auch das ist ein Vorteil, wenn Alt und Jung zusammen wohnen. Und Richard Bollmann geht das Herz auf, wenn Minna zu ihm in die Stube kommt, nach einem Keks fragt und ihm am Abend vor dem ins-Bett-Gehen eine Kusshand zuwirft.

Freude über viele junge Leute

Mit Klein Mieke kommt nun noch mehr Leben ins Haus. Richard stört es nicht – Trubel hält fit. Er will auch genau wissen, was um ihn herum passiert. Morgens studiert er ausgiebig die Volksstimme. Er freut sich, dass in Hohengöhren so viele junge Leute bleiben oder zurückkommen, „es gibt keine leerstehenden Häuser. Und die Jugend stellt auch was auf die Beine“, nennt er die Aktivitäten der Sportler, der Feuerwehr und der Fördervereins als Beispiele. Ein Segen sei, dass die Ortsdurchfahrt so schön erneuert wurde, vorher sei es an der poltrigen Straße kaum auszuhalten gewesen. Risse in den Hauswänden zeugen von der Belastung, denen das Gemäuer ausgesetzt war.

Und natürlich ist auch eins klar: Am 26. Mai fährt der 90-Jährige nach Schönhausen ins Wahllokal, um seine Stimmen abzugeben. „Jemand aus dem Ort muss im großen Schönhauser Rat vertreten sein, dazu will ich mit meinen Stimmen beitragen!“

Aufwachsen auf dem Dorf

Die jungen Eltern sind froh, so ein zu Hause zu haben. „Unsere Kinder wachsen auf dem Dorf auf. Sie können draußen auf dem Hof spielen, Minna ist immer dabei, wenn Opa draußen ist“, erzählt die 26-jährige Julia, die froh ist, dass es im Ort etliche Kinder gibt – Spielgefährten für Minna und irgendwann auch für Mieke. Auf der Terrasse blühen die Blumen in schönsten Farben, man blickt Richtung Elbe ins Grüne. Wenn hier alle zusammen sitzen, ist es nie langweilig. Denn Opa hat viel zu erzählen aus seinem langen Leben. Und Minna mit ihren anderthalb Jahren fängt auch an zu plappern. Oft ist auch jemand zu Besuch – Bollmanns Familie ist groß. Und sie haben es auch nicht weit: Richards Sohn Claus samt Familie wohnt nur ein paar Häuser weiter, die Töchter Renate und Monika in Tangermünde.