Havelberg l Tai ist in der Ausbildung zum Koch. „In der Küche mache ich am liebsten Schnitzel mit Bratkartoffeln“, sagt der 20-Jährige. Natürlich gehören zu seiner Arbeit aber auch alle anderen Speisen, die auf der Karte des Restaurants stehen. Und das sind nicht wenige.

Hat er sich als Vietnamese inzwischen auch selbst mit dem deutschen Essen angefreundet? „Ich probiere noch nicht viele deutsche Gerichte“, antwortet der junge Mann. „Aber Pferderoulade und Schnitzel schmecken mir, Tu, Anh und Linh, das sind meine drei anderen Landsleute hier, sehr gut.“ Außerdem steht Bratwurst bei den vier Vietnamesen – im Alter von 20 bis 23 Jahren – ganz hoch im Kurs. Aber meistens kochen sie für sich noch vietnamesisch. Vor allem zu Geburtstagen. So am Silvestertag zum 23. Geburtstag von Anh. Katrin Gläß, eine Freundin des Hauses, spendierte dazu eine große Geburtstagstorte. „Dieses Geschenk mache ich jedem der jungen Vietnamesen zum Geburtstag“, erzählt sie. Im November konnte sich Tai sehr darüber freuen.

Tai ist zusammen mit Tu Ende Mai 2019 zu Manfred Hippeli gekommen. Beide jungen Männer arbeiten seitdem in der Küche. Anh und Linh, die beiden jungen Frauen, stießen etwas später, am 3. August, dazu. Ihnen ist in der „Güldenen Pfanne“ der Servicebereich übertragen worden.

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Manfred Hippeli berichtet, was es mit der Ausbildung der jungen vietnamesischen Kräfte – derzeit sind es 90 im Bundesland – auf sich hat. „Es ist ein Projekt des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Dehoga, in Sachsen-Anhalt, das in Zusammenarbeit mit dem Außenministerium ins Leben gerufen wurde.“ Das Projekt, jungen Vietnamesen eine Berufsausbildung zu geben, soll unter anderem dazu beitragen, die derzeit alles andere als gute Fachkräftesituation im Land zu verbessern.

Die Ausbildung in der Gastronomie dauert insgesamt drei Jahre. Bevor sie beginnt, muss noch eine halbjährige Sprachschule in Deutsch absolviert werden. Linh, Anh, Tai und Tu haben das getan. „Aber Deutsch ist schwer“, gibt Tai zu. „Schwierigkeiten habe ich bei manchem Wort noch mit der richtigen Aussprache. Doch mit der Zeit wird das schon werden.“ Tu, Anh und Linh stimmen ihm zu. Sie sind alle vier jetzt ein gutes Jahr in Deutschland. „Aber nach dem Abschluss ihrer Ausbildung wird es sie wohl von hier weg und in die Großstädte ziehen“, glaubt Manfred Hippeli, der in Dehoga-Projekten auch schon junge Türken, Italiener und Spanier in seinem Gasthaus in der Lehre hatte. Was er aber von den Vietnamesen nicht erwartet hätte: „Sie haben immer ein Lächeln im Gesicht, selbst wenn man ihnen gegenüber mal etwas lauter werden muss.“

Die Corona-Pandemie macht die Ausbildung nicht einfacher. „Vor allem ist es die Tatsache, dass wir im Lockdown nicht öffnen dürfen“, so der Gastwirt. Aus dem Grund seien auch alle vier Azubis auf Kurzarbeit gesetzt. Um die Weihnachtszeit und zum Jahreswechsel wurde für Außer-Haus-Bestellungen stundenweise gekocht, auch weiterhin ist das der Fall. „Das bringt mir finanziell nicht viel ein, aber es ist immer noch besser als gar nichts“, gibt Manfred Hippeli zu bedenken.

Corona macht Tu, Anh, Tai und Linh auch jetzt im Januar einen Strich durch die Rechnung. Denn eigentlich würde in diesem Monat ein Heimaturlaub auf dem Plan stehen. Doch die Urlaubstage wären bereits mit der fälligen Quarantäne nach der Einreise in Vietnam und mit der nächsten Quarantäne bei der Rückkehr in Deutschland verbraucht. Heißt: Der Urlaub in Vietnam muss verschoben werden.

Wie die vier jungen Vietnamesen Weihnachten und Neujahr gefeiert haben? „Weihnachten spielt bei uns keine große Rolle“, erklärt Tai. „Und Neujahr am 1. Januar eigentlich auch nicht. In Vietnam wird dafür dann aber das Vietnamesische Neujahrsfest groß gefeiert.“ Groß heißt, gleich an fünf aufeinanderfolgenden Tagen, in diesem Jahr von 12. bis zum 16. Februar. Andere Länder, andere Traditionen. In der „Güldenen Pfanne“ wird der 12. Februar ein Festtag sein.