Havelberg lMontagmorgen traf sich ein Teil der 12. Klasse mit Jahrgangsstufenleiterin Ina Wischnewski, um die Zeugnisse für das vierte Kurshalbjahr entgegen zu nehmen. Gelegenheit auch, um über sechs Wochen „Homeschooling“ wegen Corona zu sprechen. „Das war schon eine krasse Umstellung, als ich auf einmal zu Hause lernen sollte. Ich brauche für meine Motivation zum Lernen die Lehrer. Deshalb war es zunächst teilweise schwierig für mich. Aber dann habe ich meinen Rhythmus gefunden. Ich kann aber nicht sagen, dass ich sehr gut auf die Prüfungen vorbereitet bin“, schätzt Lisa Schutzbach ein. „Aber wir sind jetzt hier und können Fragen stellen. Wir werden das Beste daraus machen“, sagt die Havelbergerin, die zunächst Physiotherapeutin werden und später studieren möchte. Schwierig findet sie, keinen Sport als Ausgleich machen zu können. Für die Kanutin ist an Vereinssport derzeit nicht zu denken.

Für Yannick Zimmermann war es in der ersten Zeit gut, zu Hause den ganzen Stoff durchnehmen zu können. Das fand er relativ einfach. Zumal die Schüler mit den Lehrern per WhatsApp und E-Mail verbunden sind und innerhalb kurzer Zeit Antworten auf ihre Fragen bekommen haben. „Auf die Dauer wird man aber blöd, wenn man immer nur allein lernt“, macht er deutlich, dass er sich freut, nun mit den Lehrern direkt Prüfungsfragen klären zu können. Die Freizeit hat der Sandauer genutzt, um mit seinen Eltern per Fahrrad die Region zu erkunden. Als Sportler vermisst er das Training in den Vereinen. Wie das mit seinem Lehramtsstudium wird, das er in Sport und Geografie in Potsdam aufnehmen will, steht noch nicht fest. Die dafür erforderliche Sportprüfung am 9. Mai ist abgesagt.

Aus Sicht von Thorben Arndt aus Warnau lief die Schule zu Hause „denkbar entspannt. Ich habe viel recherchiert und mir Informationen zusammengestellt“, berichtet er. Allerdings kann das Selbststudium Schule doch nicht wettmachen, findet der junge Mann.

Die Kommunikation mit den Lehrern hat sehr gut funktioniert, berichtet auch Maite Menze aus Schollene. Auf Fragen gab es schnell Antworten. Mit Blick auf die Zeit nach dem Abitur ist es für Luzie Dittel aufgrund der Corona-Pandemie noch nicht sicher, ob sich ihr Wunsch, Kindheitspädagogik in Berlin zu studieren, erfüllen kann. Die Kitas sind für noch unbestimmte Zeit geschlossen. Eine Alternative wäre ein Studium in Sozialer Arbeit.

Hausaufgabenkontrolle per WhatsApp

Ihren letzten Schultag, den sie ursprünglich unter das Motto „Die goldenen Zwanziger“ stellen wollten und dann in „Mit uns die Krise, nach uns der Aufschwung“ umgewandelt hatten, konnten die Gymnasiasten am vergangenen Freitag nicht feiern. Ob der Abi-Ball im Juli in Klietz stattfinden kann, ist ebenso unklar wie die große Zeugnisausgabe gemeinsam mit den Gymnasiasten in Tangermünde. Vorstellen kann sich das der Schulfachliche Koordinator Volker Woltersdorf des Gymnasiums in Havelberg momentan nicht. Abwarten ist auch dafür die Devise.

Dass die Schule wie auch die Region internetmäßig noch aufzuholen hat, zeigt sich jetzt in der Krise. Die Moodle-Lernplattform wäre vor allem für die jüngeren Schüler ein Vorteil, sagt Ina Wischnewski. „Es muss daran gearbeitet werden, das auszubauen“, findet sie. Allerdings funktionieren auch WhatsApp-Gruppen gut, wie Volker Woltersdorf berichtet. Er unterrichtet Mathematik und Physik und verschickt Sprachnachrichten an die Schüler und auch Fotos. Einmal hat er auch mit dem Handy ein Video gedreht, um an der Tafel etwas zu erklären. Die Schüler schicken ihre Hausaufgaben als Foto zurück. „Darauf kann ich schnell und von überall reagieren.“ Dennoch ist es etwas ganz anderes, als Lehrer vor der Klasse zielgerichtet neuen Stoff zu erklären oder eben aus der Ferne, sagt er und wünscht sich, dass bald wieder mehr und vor dem Schuljahresende alle Schüler wieder in die Schule kommen dürfen. Gestaffelt sicherlich, eine Woche die eine Klassenhälfte, in der nächsten die andere. Was allerdings bei der 10. Klasse mit 28 Schülern nicht so einfach ist. Die meisten der 28 Lehrer, von denen einige nur stundenweise in Havelberg unterrichten, sind zu Hause und kommunizieren von dort mit den insgesamt 185 Schülern.

„Aber erstmal wollen wir die Abiturprüfungen ordentlich absolvieren. Die Voraussetzungen sind geschaffen“, sagt Volker Woltersdorf. Alle Zwölft­klässler haben sich für den ersten Durchgang entschieden. Würde wirklich einer krank oder müsste in Quarantäne, bliebe der zweite Durchgang ab 2. Juni. Am Montag ist Start der schriftlichen Prüfungen mit Physik, am 14. Mai wird zuletzt Geschichte geschrieben. Jeder Schüler muss vier schriftliche und eine mündliche Prüfung absolvieren.