Coronavirus

Havelberger Sporthalle wird zu einem Großimpfzentrum

Von Dieter Haase

Havelberg

Für alle infrage kommenden Frauen und Männer waren Termine vergeben worden. So, dass es in der Sporthalle „Am Eichenwald“, in der sich sechs Impfstrecken befanden, zu keinem Zeitpunkt zu einer Staubildung kam. Nur zum Beginn um 8 Uhr hatte sich vor der Sporthalle eine kleinere Warteschlange gebildet, die dann aber zügig abgebaut werden konnte, wie Sebastian Stoll, Erster Beigeordneter des Landkreises Stendal, der alle Großimpftermine im Landkreis begleitet, berichtete. Anschließend vollzog sich der Ablauf dann bis hin zum Ende gegen 18 Uhr in einem recht zügigen Tempo.

Alles prima durchorganisiert

„Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier so schnell wieder heraus komme“, zeigte sich Erika Pochert (87) aus Havelberg vom Impftempo angenehm überrascht. Nicht mal eine halbe Stunde dauerte das ganze Prozedere, von der Anmeldung angefangen, bei ihr. „Alles hier ist wirklich ganz prima durchorganisiert. Die Spritze selbst ist so, wie jede andere. Ich habe so gut wie nichts davon gespürt.“ „Mir fällt echt ein Stein vom Herzen“, brachte Bärbel Westphal aus Nitzow ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass das lange Warten und Bangen um eine Impfung nun endlich zu Ende ist. „Ich habe mir mit meiner Tochter Maike wochenlang jeden Tag die Finger wund telefoniert. Doch sind wir bei der Rufnummer 116117 entweder nicht durchgekommen oder wir wurden immer wieder vertröstet, wenn das dann doch einmal geklappt hat. Immer am nächsten Tag sollte ich wieder nach einem Termin im Stendaler Impfzentrum fragen“, erzählt die 80-Jährige. „Mit dem Impftag hier in Havelberg hätte es für mich aus dem Grund gar nicht besser kommen können. Und vor allem erspare ich mir lange Wege.“

Dank an den Bürgermeister

„Wie ein Mückenstich“, kommentierte Waltraud Weber die ihr verabreichte Spritze gegen das Corona-Virus. Die 80-Jährige hat lange als Friseurin in Havelberg gearbeitet. „Dafür, dass das hier passieren konnte, bin ich dem Bürgermeister sehr dankbar, der sich für diese Impfaktion besonders eingesetzt hat. Hätte ich dafür einen langen Weg zurücklegen müssen, dann hätte ich das schon recht doof gefunden. Jetzt sehe ich auch mit viel Freude dem Termin für die zweite Impfung entgegen.“

Ein schönes Geburtstagsgeschenk

Es wurden in der Sporthalle am Freitag aber auch Gratulationen ausgesprochen. Nämlich für die Geburtstagskinder dieses Tages: Adalbert Reinfandt, der sein 83. Lebensjahr vollendete, Bernd Gleditzsch, der 79 Jahre alt geworden ist, und Herta Nagel, die ihr 95. Wiegenfest beging. Vor vielen Jahren war sie einmal Bürgermeisterin in Rehberg, heute lebt sie in Kuhlhausen. „Die Spritze betrachte ich als ein schönes Geburtstagsgeschenk für mich“, sagte sie. Darauf habe sie schon sehnsüchtig gewartet. „Und ich habe heute auch schon eine ganze Menge Glückwünsche und viele, viele Blumen bekommen. Das hat mich sehr glücklich gemacht.“ Ein bisschen sei ihr Ehrentag am Vormittag schon im kleinen Familienrahmen gefeiert worden. „Mehr geht ja wegen Corona jetzt nicht“, bedauerte sie. „Ich hätte mir gewünscht, dass auch meine Schwester aus Dresden hätte dabei sein können.“

Am Jubiläumstag zur Impfung

Auf ein Jubiläum ganz anderer Art blickten in der Sporthalle Rosel und Helmut Dedeas (82) zurück. „Das hätten wir uns auch nicht träumen lassen, dass wir ausgerechnet am Tag unserer diamantenen Hochzeit den Impftermin bekommen haben. Aber wir wollten die Impfung auch nicht groß verschieben, weil sie doch so wichtig ist und wir ruhiger leben, wenn wir wissen, dass wir sie bekommen haben“, so Rosel Dedeas (79). Die große Feier, für die sie bereits im Vorjahr eine Gaststätte bestellt hatten, mussten sie schweren Herzens canceln. „Das Gasthaus allein darf ja schon nicht öffnen.“ Das Ehepaar dürfte vielen Havelbergern noch aus der früheren beruflichen Tätigkeit in der Domstadt bekannt sein. Rosel Dedeas war über 30 Jahre in der Kinderkrippe beschäftigt, und Ehemann Helmut saß 35 Jahre lang am Steuer von Bussen. „Aber das ist nun auch schon 20 Jahre her“, sagt er. „Wie schnell doch die Zeit ins Land zieht.“ Vor 60 Jahren fand ihre Eheschließung übrigens in der Aula des früheren Gymnasiums in Havelberg statt.

An jedem Tag an einem anderen Ort

Dass in der Sporthalle organisatorisch alles so reibungslos vonstatten ging, lag an der mittlerweile eingespielten Professionalität des mobilen Helferteams aus Stendal mit dafür abgestellten Soldaten, Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuzes und der Johanniter Unfall-Hilfe sowie der Kreisverwaltung Stendal. „Wir sind insgesamt 25 Frauen und Männer, die an jedem Tag an einem anderen Ort im Landkreis einen Großimpftag auf die Beine stellen“, informierte Sebastian Stoll.

Zwölf Helfer aus der Einheitsgemeinde

Hinzu kamen zwölf ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus der Einheitsgemeinde Havelberg, die den Senioren als Begleitung zu den Stationen in der Sporthalle zur Verfügung standen. Einer von ihnen war der Jederitzer Ortsbürgermeister René Gebhardt. „Ich habe auch in Jederitz schon immer gesagt, dass ich die älteren Bewohner dort mit allen Kräften unterstützen werde, wenn es um deren Impftermine geht. Dass das heute nun sogar in Havelberg möglich ist, ist für mich eine sehr gute, wenn nicht sogar die beste Lösung.“ Mit einigen Jederitzern hat René Gebhardt, als Betreuer in der Sporthalle eingesetzt, „auch ein Schwätzchen halten können, worüber sich die Leute recht erfreut zeigten. Wenn es in fünf Wochen wieder klappt, bin ich auch gerne wieder als Helfer hier in der Sporthalle“, kündigte er an. „Aus dem geplanten Familienurlaub zu Pfingsten - wir wollten alle wegfahren - wird ja wohl wegen des Lockdowns nichts werden.“ Die Zweitimpfung findet am Freitag, 21. Mai, an gleicher Stelle und für alle Senioren zur gleichen Zeit wie am Freitag statt.

Ausschließlich Impfstoff von Biontech/Pfizer

Drei Wochen lang, so Sebastian Stoll, werde in verschiedenen Orten die Erstimpfung durchgezogen - nächste Woche noch in Goldbeck und zweimal in Stendal -, „ab der letzten Aprilwoche hat das Team dann erst mal zwei Wochen Pause, bevor es mit den Zweitimpfungen wieder von vorne los geht“. Übrigens wird an den Großimpftagen ausschließlich nur der Impfstoff von Biontech/Pfizer verwendet, im Impfzentrum Stendal soll das auch bald der Fall sein.

Alle Havelberger Hausärzte mit dabei

Ärztlicherseits sicherten die drei Havelberger Hausärzte den Großimpftag ab: der Facharzt für Innere Medizin Gregor Thiele, die Allgemeinmedizinerin Alexandra Schäfer und Dipl.-Med. Heidemarie Thiele, die mit den Seniorinnen und Senioren die wichtigen Aufklärungsgespräche vor der Impfung führten.