Wulkau l Zwölf Jahre lang hatte Wulkau im Dreißigjährigen Krieg – er begann vor genau 400 Jahren – wüst gelegen. Zwar war der Ort nicht direkt in Kampfhandlungen verwickelt, doch der nahe Elb- übergang bei Sandau war umkämpft, weshalb die Armeen auch durch Wulkau marschierten. Zudem wurden zum Schanzen – wie in Havelberg – auch Leute aus den umliegenden Orten rekrutiert.

Nach dem Krieg entstand 1680 das Herzogtum Magdeburg, die Regenten wollten die alten Zustände wieder herstellen, förderten Handwerk und Gewerbe. Dennoch dauerte es 58 Jahre, bis der letzte Wulkauer Hof wieder hergestellt war. Der Krieg hatte die Bevölkerung durcheinandergewürfelt, anzunehmen ist, dass sich wohl auch ehemalige Landsknechte im Ort niederließen.

Zwei Häuser künden vom Reichtum

Im 18. Jahrhundert profitierten die Wulkauer von der Politik der Preußenkönige. Es waren zwar hohe Steuern zu entrichten, doch besaßen die Bauern das Land in Erbpacht. Kolonisten wurden angesiedelt, damit Arbeitskräfte seßhaft wurden. Zwei giebelständige Fachwerkhäuser künden in Wulkau davon. Im Müllerweg siedelten sich Landarbeiter an und Im Sande Handwerker. Die Ackerleute und Kossäten wohnten an der Dorfstraße, zudem standen dort Schule, Küsterei und Pfarrhaus – das Pastorat existierte in Wulkau bis 1730, dann fiel der Ort auch kirchlich an Sandau.

Ein zweistöckiges Haus des Großkossaten Wille entstand um 1800 – und kündete vom Wohlstand der Wulkauer. Der Frieden endete 1806 mit dem Einzug Napoleons, zwei geschlagene Preußen-Kolonnen zogen die Elbe entlang gen Norden. Bei Altenzaun wurde am 26. Oktober heiß gekämpft, Oberst von York sollte den Übergang bei Sandau absichern – und besiegte die zahlenmäßig überlegenen Franzosen. In Sandau konnten sich so die Kolonnen vereinigen. Nach dem Frieden von Tilsit wurde die Elbe Staatsgrenze, die Altmark gehörte mit zum französischen Königreich Westphalen.

Reformen beendeten ab 1807 die Beschränkungen für die preußischen Bauern, sie konnten nun Land und Höfe kaufen, selbst einen Beruf sowie einen Wohnsitz wählen.

1813 folgte der Befreiungskrieg, die Lützower Jäger marschierten die Elbe entlang, Theodor Körner nächtigte im Sandauer Fährhaus. Wulkau litt danach unter hohen Abgaben, Gewerke und Handel lagen darnieder. Um so erstaunlicher ist es, dass 1819 die Wulkauer dem Amt Sandau Ländereien im Wert von 150 000 Talern abkauften. Oberhaupt im 300-Seelen-Ort war damals der Dorfschulze, er wurde vom Amt ernannt. Ihm zur Seite standen zwei Gerichtsschöffen, sie bildeten zugleich den Vorstand der Kirchgemeinde. Auch die Dienste und Abgaben fürs Amt fielen weg. Die Wulkauer erstritten vor Gericht zudem die Befreiung von den Abgaben an den Gutsherren von Möllendorff.

Flurbereinigung für eigene Zufahrten

Weil mit der Dreifelderwirtschaft die Äcker nur abgestimmt bewirtschaftet werden konnten, wurden die Ländereien im Zuge einer Flurbereinigung unter den Ackerleuten und Kossäten neu aufgeteilt. Auch ein neues Wegenetz entstand, so dass jeder Bauer einen eigenen Zugang bekam.

Die Revolution von 1848 hatte in Wulkau keine Auswirkungen, hier gab es keine Armut. Anders als in Sandau bewirtschafteten die Wulkau große Ländereien, wozu entsprechend Arbeitskräfte aus dem Ort benötigt wurden. Zudem war die ostelbische Region recht königstreu.

Deichbrüche ließen Felder versanden

Durch mehrere Elbdeichbrüche erleiden die Wulkauer in den Jahren 1845 und 1850 erhebliche Schäden, die Felder versandeten und die Saaten wurden vernichtet.

Übel spielte das Schicksal den Wulkauern auch am 27. April 1858 mit: Am westlichen Dorfende hatte Bauer Dohrmann seinen Knecht angewiesen, ein altes ungenutztes Gebäude auf dem Hof abzubrennen. Dabei kam ein Gewitter auf, der scharfe Westwind trug die Flammen auf die anderen, noch mit Stroh bedeckten Häuser. Nur die Höfe, welche sich hinter der Kurve befanden, sowie die beiden Krüge blieben vom Dorfbrand verschont.

Die preußische Verwaltung schickte Fachleute, vier Wochen später stand der Wiederaufbauplan, der Sandauer Bürgermeister segnete ihn ab. Dieser Plan enthielt einige Vorschriften zum Brandschutz: Zwischen den Höfen mussten Abstände bleiben, Strohdächer waren verboten sowie Wohn- und Wirtschaftsbereiche zu trennen. Etliche Höfe wurden beim Wiederaufbau verlegt oder neu geschnitten, viele entstanden in Fachwerkbauweise als Dreiseithof – ein zur Straße offenes U.

1863 wurde die Kirche umgebaut und erweitert, was ebenfalls vom Reichtum des Dorfes zeugte. Dabei wurden auch die Sitzreihen eingeteilt: Die Ackerleute und Kossäten saßen beisammen, die Frauen in den Querreihen, die Knechte und die unverheirateten Söhne auf der Empore. In jener Zeit hatte sich die Einwohnerzahl des Ortes nahezu verdoppelt, Wulkau hatte 1875 bei der Volkszählung immerhin 535 Einwohner.