Elb-Havel-Land l Die künftigen Baustellen befinden sich zwischen Hohengöhren bis hoch zur Landesgrenze bei Quitzöbel, informierte Tobias Koch, der Projektverantwortliche beim Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) beim Gespräch in der Havelberger Außenstelle. Alle gelten als Flutschadensbeseitigungen, werden also komplett vom Staat bezahlt.

Gebaut wird in vier Bereichen ab dem Grundstück Prigge bei Hohengöhren bis zum Klietzer Elbweg. Für die Arbeiten sind allerhand Massentransporte nötig, dies wird im Ringverkehr erfolgen: Die Einfahrt erfolgt im Gewerbegebiet Hohengöhren, die Ausfahrt über den Klietzer Elbweg. In Absprache mit den Landwirten wurden zusätzliche Ausweichstellen angelegt.

Radfahrer sollen Bereich meiden

Radfahrer sollten diesen Bereich von Mai bis voraussichtlich August 2021 meiden, wies Tobias Koch auf mögliche Gefahren durch die Laster hin. In Absprache mit der Verbandsgemeinde wurde eine Umleitung am Klietzer See entlang und weiter über den Hohengöhrener Damm ausgeschildert.

Die Planung für diese Gesamtmaßnahme wurde europaweit ausgeschrieben, wie bei anderen Arbeiten auch waren im Vorfeld Archäologen und Munitionsberger tätig. Während die Archäologen nichts fanden, mussten die Kampfmittelräumer sogar schon diverse Sprengungen vor Ort durchführen. Die verrottete Munition war nicht mehr transportfähig, zumeist wurden Panzergranaten gefunden.

Munition vor Ort gesprengt

Nicht überall konnten die Bäume im Baufeld einfach so gefällt werden. In einer Reihe von fünf alten Weiden wurde der Eremit nachgewiesen, ein seltener Rosenkäfer mit einem beschränkten Aktionsradius, der zur Fortpflanzung auf den Mulch der Bäume angewiesen ist. Die gesamte Baumreihe musste umgesetzt werden.

Der Wall wird erhöht und erhält wasserseitig eine Tondichtung, an der Scharlage bei Neuermark-Lübars wird aus Platzgründen eine Spundwand eingebracht. Laut Norm erhält die Krone eine Asphaltschicht, die landseitige Berme wird mit Betonspuren befestigt. Auch die Fährüberfahrt Neuermark-Lübars wird erhöht. Zwischen dieser und dem Klietzer Elbweg muss die Asphaltstraße weichen, statt dessen kann dann auf der Berme gefahren werden. Die 700 Meter langen Fahrspuren werden so hergerichtet, dass hier Landtechnik entlang fahren kann. Auch hier wird eine Spundwand eingebaut, denn die auf der Elbseite stehenden erhaltenswerten Gehölze lassen den Einbau einer Dichtung nicht zu. Der parallel zum Weg verlaufende Graben wird umgesetzt, er würde sich sonst im Schutzstreifen befinden. Für Anlieger ist die Zuwegung stets gewährleistet.

Ab August Arbeiten bei Schönfeld

Ab August bis zum Sommer 2021 wird dann auch bei Schönfeld am Deich gebaut. Und zwar vom Elbweg auf etwa 2,5 Kilometern Länge bis zum Anschluss ans Hohe Gelände. Im kommenden Jahr soll der komplette Erdkörper stehen, 2021 sollen noch Wege- und Landschaftsbau folgen. Auch hier fanden die Archäologen nichts, auch hier wurde Kriegsmunition vor Ort gesprengt.

Teils ist im Wall bereits eine Tondichtung vorhanden, diese wird dann auf die neue Kronenhöhe verlängert. Landseitig wird eine Berme angebaut. Der Wall war in dem Bereich 2013 geschlitzt und danach auf 300 Metern saniert worden, jetzt wird überall die Höhe ans neue Bemessungshochwasser angepasst, was nach dem Extrem von 2013 errechnet wurde.

Weiter nördlich wird seit geraumer Zeit emsig an der Deichrückverlegung Sandau-Süd gearbeitet, diese Maßnahme liegt im Zeitplan. Dieses Jahr wird der Erdbau fertig, der Wegebau folgt 2020, ein Jahr später ist die Schlitzung des Altdeiches geplant.

Fährüberfahrt mit Scharte

Ab dem Sommer wird dann auch in der Ortslage Sandau der Deich erhöht, wobei die Überfahrt zur Fähre mit einer Scharte auf der Wasserseite des Walles ausgestattet wird. Hier wird die Dichtung ebenfalls der neuen Höhe angepasst. Die Archäologen sind ab Mai im Gange. Weil neben der Überfahrt Häuser stehen, kann dort keine Berme hin. Nördlich schließt sich die alte Deponie an, würde hier eine Berme angelegt, hätte man das Erdreich teuer entsorgen müssen. Also wird zwischen Fährstraße und Panzerüberfahrt keine Berme errichtet. Von letzterer bis zum Anschluss an die Nord-Rückverlegung werden Krone und Berme befestigt sowie die Anschlüsse hergestellt. Der Durchlass am Weg wird ertüchtigt. Dieser Abschnitt soll zum Jahresende fertig werden.

Gebaut wird ab dem Frühjahr auch im Bereich zwischen der Rückverlegung Sandau-Nord und Havelberg. Weil auch die Fährüberfahrt in Havelberg davon betroffen ist, werden die Arbeiten vom LHW so koordiniert, dass immer eine der beiden Fähren erreichbar ist.

Im Juni startet eine weitere Baumaßnahme nördlich von Havelberg: Und zwar zwischen der Schutzhütte und der Kolonie Neuwerben. Die Berme ist bereits vorhanden, weshalb der Wall zur Erhöhung wasserseitig verbreitert wird, die Dichtung wird auch hier an die neue Höhe angepasst. Die Baustelle soll im September 2020 übergeben werden. Dann ist die gesamte Deichlinie zwischen der Schleuse Havelberg und der Landesgrenze normgerecht.

Das bedeutet für die Radtouristen, dass der Elberadweg hier weiterhin gesperrt ist, zumal ja auch am Wehr Neuwerben gebaut wird. Die Umfahrung erfolgt über Nitzow.

„Auch an der Havel wird es eine Baustelle geben“, informierte Tobias Koch. Zum Schutz der Ortschaft Vehlgast vor einer künftigen Polderflutung wird der Haveldeich um 200 Meter verlängert. Baustart ist wegen des Naturschutzgebietes erst im Juli, im November soll die Abnahme erfolgen.

Aktuell wird neben der Rückverlegung bei Sandau auch nördlich der ICE-Brücke bei Schönhausen gebaut, dort stehen die Arbeiten kurz vorm Abschluss. In der nächsten Woche können sich die Zuständigen ein genaueres Bild von den Schutzwällen machen – am Dienstag startet in Schönhausen die diesjährige Deichschau an Elbe und Havel.