Havelberg l Was das Hospiz leisten kann, darüber haben Mitarbeiterinnen und Ehrenamtliche am Freitag in Havelberg berichtet. Vor dem Edeka-Markt hatten sie ihren Stand aufgebaut und zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Dabei gab es viele Gespräche mit den Vorbeikommenden. Manche kamen gezielt, manche legten vor oder nach dem Einkauf einen Stopp ein, um sich über die Hospizarbeit zu informieren. Gundis Gebauer, Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes, ist seit fast 20 Jahren dabei. So lange gibt es die stationäre Einrichtung in Stendal. Mit vier Plätzen wurde die Station eröffnet, aktuell sind es acht. Schon ein Jahr länger gibt es die ehrenamtliche Hospizarbeit – 1998 hatte der erste Kurs begonnen.

Inzwischen sind es um die 60 Ehrenamtliche, die sich Zeit nehmen, um schwerstkranken Menschen in ihren letzten Wochen und Monaten und deren Angehörigen zur Seite zu stehen. Derzeit läuft ein Kurs mit zwölf Teilnehmern, die sich dieser Aufgabe annehmen möchten. Zu ihnen gehört Karina Würz. Die Havelbergerin, die über viele Jahre Hochzeiten organisiert hat, sagt zu ihren Beweggründen: „Ich denke schon seit vielen Jahren darüber nach und wusste, dass ich das irgendwann machen möchte. Durch Sterbebegleitung, die ich miterlebt habe, habe ich immer gespürt, dass ich die Kraft dazu habe, Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten zu können und ihnen möglichst einen letzten Wunsch erfüllen zu können. Das Thema Tod wird oft totgeschwiegen. Dabei ist es doch so wichtig, würdevoll und in Frieden gehen zu können. Die Ausbildung ist toll und sehr tiefgründig. Ich fühle mich sehr gut auf diese ehrenamtliche Arbeit vorbereitet.“

Noch bis März geht dieser Kurs. Wer sich vorstellen kann, dieses Ehrenamt auch ausüben zu können, kann sich im Hospiz in Stendal melden.

Schon längere Zeit als ehrenamtliche Hospizmitarbeiterin tätig ist Hella Ueberschaer aus Ferchels. Sie kennt beide Seiten. Ihren krebskranken Mann hatte sie zunächst alleine begleitet, bis sie von der Möglichkeit hörte, vom Hospiz begleitet zu werden.

Sie nahm diese Hilfe für ihren Mann und auch für sich an. Auf einmal war jemand da, der zuhörte, der Rat gab, der bei all dem Leid einfach zur Seite stand und Nähe gab. Als es nicht mehr anders ging, wurde ihr Mann stationär im Hospiz aufgenommen. Dort ist er nach neun Wochen friedlich gestorben. Bald wuchs in Hella Ueberschaer der Wunsch, etwas zurückzugeben. Sie begann die Ausbildung zur ehrenamtlichen Mitarbeiterin und begleitet nun selbst im Sterben liegende Menschen und deren Angehörige. „Man kann die Not und das Leid nicht von den Menschen nehmen, aber man kann ihnen zuhören und Nähe geben.“

Zeit schenken und zuhören

Zeit zu schenken, das ist das Hauptanliegen des ambulanten Hospizdienstes. Die Ehrenamtlichen begleiten die sterbenden Menschen zu Hause, im Pflegeheim oder im Krankenhaus. Sie sprechen mit den Angehörigen. Können Verbindungen herstellen zu professionellen Partnern der Palliativmedizin und zu Pflegediensten. „Ehrenamtliche schenken vor allem Zeit und bleiben so lange, wie es die Betroffenen brauchen“, sagt Gundis Gebauer.

Der Ambulante Hospizdienst, der von der Altmark bis ins Jerichower Land und nach Havelberg reicht, beteiligt sich seit Jahren schon an dem bundesweiten Projekt „Hospiz macht Schule“. Dritt- und Viertklässler befassen sich eine Woche lang mit dem Thema. „Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht. Kinder sind neugierig und sachlich interessiert. Von den Lehrern gibt es im Nachhinein positive Resonanz und auch von Eltern, von denen sich manche anfangs skeptisch zeigen. Für weiterführende Schulen gibt es ebenfalls Projekte. Die Havelbergerin Kathrin Städler hat ein solches bereits in der Sekundarschule angeboten.

Auch sie hat sich zur ehrenamtlichen Hospizmitarbeiterin ausbilden lassen. „Ich bin von Hause aus Krankenschwester. Mein Anliegen ist es, das Thema Tod wieder in die Gesellschaft zu holen“, erklärt sie ihre Motivation. „Das Hospiz in Stendal ist weit weg. Der Wunsch, zu Hause zu sterben, steht ganz oben. Da ist es gut, diese Menschen begleiten zu können“, erklärt Kathrin Städler, die seit einigen Jahren das Projekt „Spiritualität am Dom“ anbietet.

„Hut ab vor allen, die sich dieser Aufgabe stellen, die sterbende Menschen begleiten und dabei professionell bleiben und nicht in Mitleid zerfließen. Ich könnte das nicht“, sagte Margit Riek. Sie gehörte zu den vielen, die sich gestern mit den Hospizmitarbeiterinnen unterhielten.

Wer Kontakt mit dem Hospizdienst aufnehmen möchte, erreicht Gundis Gebauer unter 03931/21 83 38. Im Internet gibt es weitere Informationen unter www.hospiz-stendal.de