Klietz l Das geschah nicht ohne Grund – die Jägerschaft besteht seit genau 30 Jahren. Das Thema Jagd wird denn auch anlässlich des runden Jubiläums am 13. Juni am Landguthotel in Klietz im Mittelpunkt stehen, informierte Kreisjägermeister Günter Scheffler aus Scharlibbe auf der Jahresversammlung im Klietzer Landguthotel. Der Vorstand der Jägerschaft hat dazu erste Vorschläge zusammengetragen: Hundeführer, Falkner, Holzschnitzer und Jagdhornbläser sollen dabei sein, ebenso Vertreter vom Wolfskompetenzzentrum und dem Biosphärenreservat, auch ein Schießkino wäre eine Option.

Am 8. April 1990 wurde im Havelberger Hotel „Weltfrieden“ die Jägerschaft Havelberg gegründet, erinnerte der Jägermeister zu Beginn seines Berichtes. An der Gründungsversammlung hatten 216 Jäger aus allen damals noch existierenden Jagdgesellschaften des Kreises Havelberg teilgenommen.

Seit 30 Jahren an der Spitze

Nach langer Diskussion gelangte man zu der Einsicht, dass die Zeit der Jagdgesellschaften zu Ende sei und man sich wohl oder übel mit dem neuen Jagdsystem anfreunden müsse. Darum wurde die Jägerschaft des Kreises Havelberg gebildet und deren erster Vorstand gewählt. Erster Vorsitzender wurde Günter Scheffler und sein Stellvertreter der Havelberger Rolf Paproth. Kurze Zeit später wurde auch der Landesjagdverband begründet.

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Der damals gewählte Vorstand blieb lange Zeit im Amt – Günter Scheffler ist immerhin seit jener Zeit Vorsitzender. Er erinnerte an den langjährigen Schatzmeister Heinz Carben aus Kamern sowie die engagierten Waidmänner Joachim Steinborn aus Klietz, welcher sich trotz seiner Krankheit immer noch für den Naturschutz einsetzt, und den Ausbilder Hans van den Brand, welcher zwischen 1990 und 1994 mit seinem Team insgesamt 123 Jagdscheinanwärter zur Prüfung geführt hatte.

Fünf Hegeringe gebildet

1991 wurden in der Jägerschaft fünf Hegeringe gebildet, deren erste Leiter Edgar Bölt (Havelberg), Gerd Becker (Elb-Havel-Winkel), Manfred Joachim (Mahlitzer Heide), Rolf Hubert (Elbaue Schönhausen) und Waldemar Glowik vom Hegering Wuster Heide waren. Als einziger fungiert der Klietzer Manfred Joachim noch immer in dem Ehrenamt.

Das Jahr 2019 war für die aktuell 195 Mitglieder der Jägerschaft recht ereignisreich, denn auf Landes- und Bundesebene standen Änderungen von jagdlich relevanten Gesetzen an. Wie die Novellierung des Landesjagdgesetzes, welche am 28. August durch den Landtag beschlossen wurde.

Neu sind darin unter anderem die Mitwirkungspflicht der Landwirte bei Wildschäden, die Aufhebung des Schalldämpferverbotes, die Aufnahme der Nilgans ins Jagdrecht, Erntejagden von mobilen Ansitzen aus sowie Erleichterung für Jagdgenossenschaften bei der Beschaffung von Katasterdaten sowie bei Vollmachten zur Vertretung.

Bestimmungen fehlen noch immer

Allerdings fehlt es derzeit immer noch an den nötigen Durchführungsbestimmungen, kritisierte der Jägermeister. So müssen für die Nilgans noch Jagdzeiten festgelegt werden – ansonsten darf diese nicht bejagt werden. Diese Verordnung soll laut Auskunft aus dem Ministerium bis Ende des Monats vorliegen.

Für rege Diskussionen unter den Waidmännern sorgte zudem die Änderung des Waffengesetzes, welche hier weit über die Vorgaben der EU hinausgeht. Verbunden ist damit ein hoher bürokratischer Aufwand. Über Näheres informierte im Verlauf der Versammlung ein Staatsanwalt aus Magdeburg.

Ein weitereres brisantes Thema, was schon seit Jahren nicht nur bei Jägern für Unruhe sorgt, ist die Afrikanische Schweinepest (ASP), welche über Russland und Polen inzwischen bis dicht an die deutsche Grenze vorgedrungen ist. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie auch in Deutschland ist“, meinte Günter Scheffler. Im Vorjahr trat die ASP plötzlich in Belgien auf – Wildschweine waren hierbei nicht die Verursacher, sondern vielmehr Menschen.

„Trotz wachsender Wolfszahlen bewegt sich in der Politik wenig.“

Kreisjägermeister Günter Scheffler

Das könnte bald erneut passieren, denn tausende Nato-Soldaten üben derzeit in Polen – auch in verseuchten Gebieten. Irgendwann müssen sie alle wieder zurück...

Erst vor kurzem hatte dazu im Landkreis eine Übung stattgefunden. Hauptsächlich ging es darum, was zu tun sei, wenn tote Wildschweine aufgefunden werden – unter anderem deren Verpackung, Abtransport und die Desinfektion der Fundstelle. Zuständig sein wird erst einmal die Straßenmeisterei.

Um einer möglichen Epidemie schon im Vorfeld etwas entgegenzuwirken, werden seit längerem verstärkt Schwarzkittel bejagt. Bis zum Ende des Vorjahres wurden in der Jägerschaft 1322 Tiere gestreckt – wobei noch nicht alle Hegeringe gemeldet hatten. Das Jagdjahr endet am 31. März.

Der aus dem Osten eingewanderte Wolf sorgt ebenfalls seit Jahren für Gesprächsstoff unter den Waidgenossen. „Trotz jährlich steigender Bestandszahlen, die nach Auffassung der Wissenschaft nicht den realen Bestand wiedergeben, bewegt sich in der Politik wenig“, kritisierte Günter Scheffler. Naturschützer seien nach wie vor der Auffassung dass der Wolf weiterhin streng geschützt werden muss. „Hier muss man sich fragen wo soll diese Zahl liegen?“, fragte der Jägermeister. In Deutschland sei die Zahl der Wölfe bereits höher als in vielen skandinavischen Ländern. In Schweden, Frankreich, Spanien und anderen Ländern kann der Wolf dort, wo er Schäden anrichtet, bejagt werden. „Und das ist auch richtig so!“

Zum Glück gebe es jetzt endlich auch in Deutschland Bewegung. So wurde kürzlich das Naturschutzgesetz dahingehend geändert, dass die Entnahme der Tiere erleichtert wurde. Allerdings kamen aus dem Magdeburger Ministerium gleich Proteste.

„Vielleicht müssen die Weidetierhalter und andere Betroffene wie Hobyschäfer oder Pferdezüchter erst die Tierhaltung aufgeben, um bei diesen Leuten Gehör zu finden“, meinte der Redner. Der Landesjagdverband müsse an dem Thema dran bleiben.

Relativ neu sind auch die Vorschriften zum an der Elbe seit Dezember 2018 ausgewiesenen Natura-2000-Schutzgebiet. Im Vorjahr galt im Landkreis noch eine Übergangsfrist, während dieser Verstöße noch nicht geahndet wurden. Das ist in diesem Jahr nicht mehr der Fall, die Schonfrist ist vorbei. Jeder Jäger sollte sich mit den Vorschriften, welche sein Jagdgebiet betreffen, vertraut machen. Diese und die entsprechenden Karten können im Internet eingesehen werden.

Lobend erwähnt wurde die Bläsergruppe, welche auch beim Landes-Erntedankfest in Magdeburg aufgetreten war. Der Antrag auf Förderung des Kaufs von zwei Oktavhörnern konnte leider noch nicht umgesetzt werden.

Kritik kam hingegen an der mangelhaften Teilnahme beim Pokalschießen für alle Jägerschaften des Kreises in Kabelitz, was Schießobmann Hagen Trauter organisiert hatte. Bemängelt wurde zudem, dass die Listen mit den Jagdhunden nicht mehr aktuell sind – einige der aufgeführten Hundeführer sind schon verstorben. Hier sollte Obmann Florian Czinzoll mehr unterstützt werden.

Bei einer Beratung mit dem Landrat wurde zugesagt, das die Trichinen-Untersuchung im kommenden Jagdjahr für die Jäger erneut kostenfrei bleiben wird. Die Kosten in Höhe von etwa 28 000 Euro übernimmt der Landkreis.