Sandau l In der „gottverlassensten und ungläubigsten Region Deutschlands“ begrüßte der Pfarrer die Anwesenden humorvoll – laut neuesten Statistiken gibt es im Ursprungsland der Reformation besonders wenige Christen. Doch wolle man deshalb keine Wagenburg-Mentalität aufkommen lassen.

Durch die von Martin Luther in Wittenberg ausgehende Reformation der christlichen Kirche erfuhren die Menschen, dass man Gottes Gunst nicht erkaufen muss, sondern dass sie jedem geschenkt ist, blickte der Pfarrer auf das Jubiläum zurück.

Lied wurde missbraucht

Als Rückblick auf den vor 500 Jahren erfolgten Beginn der Reformation wählte Pfarrer Hartwig Janus das Lied „Eine feste Burg ist unser Gott“. Martin Luther hatte es einst als „Hupflied“ mit lebhaftem Rhythmus geschrieben. Im Laufe der Zeit – hierbei wütetete auch der Dreißigjährige Krieg in Europa – wurde das Lied fast zum Marschgesang. Deutsch-national aufgeladen wurde es mit Beginn der Befreiungskriege gegen Napoleon im 19. Jahrhundert.

Besonders erfolgte dies in der Zeit des Ersten Weltkrieges, wo der Titeltext auf Feldpostkarten und auf den Zügen, in denen die Soldaten an die Front rollten, prangte. Allerdings hatte Luther mit dem Feind in seinem Lied einzig und allein den Teufel gemeint – und nicht andere Völker. Die Nazis missbrauchten das Werk ebenfalls, um Hitler als von Gott auserwählt darzustellen. Das Luthersche Lied wurde aber auch von Widerstandskämpfern gesungen.

Im Anschluss an den Gottesdienst ging es eine Etage höher auf die Empore der Doppeletage, wo die Kaffeetafel eingedeckt war. Gastgeber ist immer die örtliche Kirchgemeinde. Hier oben bot sich ein toller Ausblick auf die herbstliche Elbaue, es gab noch allerhand Zeit für Gespräche.

Tagesstätte führt das Martinsspiel

Die nächste Aktion in der Elbestadt folgt bereits am 10. November, dann wird um 16.30 Uhr zum Martinsfest in das Marienheim gebeten. Diesmal wird die Kindertagesstätte das Martinsspiel aufführen. Im Anschluss geht es im Lampionumzug zur Kirche, wo die Hörnchen geteilt werden.