Wulkau l Von der Empore der Wulkauer Kirche, deren älteste Teile in der Zeit der Romanik errichtet wurden, fällt der Blick zuerst auf das beeindruckende Goldmosaik in der halbrunden Apsis. Es stellt Jesus dar, ihm zur Seite stehen – etwas kleiner, aber in Lebensgröße – die evangelischen Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon.

Sie alle schauen wiederum auf die Empore, wo sich die 1865 von Friedrich Hermann Lütkemüller in Wittstock erbaute Orgel befindet. Rein äußerlich sieht die „Königin der Instrumente“ sehr sauber und gepflegt aus. Leider ist im Inneren der „Wurm“ drin, besser gesagt die Trockenheit. Zwei trockene Dürresommer in Folge sorgten im Vorjahr dafür, dass auch diese Orgel nicht mehr bespielbar war. Womit sie das Schicksal vieler weiterer Orgeln teilte.

Trockenheit ließ Holz reißen

Windlade und Windkanal teilen sich in der einmanualigen Orgel eine Wand, wegen der Dürre riss das Holz dieser Trennwand wahrscheinlich ein. Das hat zur Folge, dass bereits Töne zu hören sind, wenn das elektrische Gebläse angeschaltet wird – wie Marita Schulz von der Kirchgemeinde demonstriert. Je nach Luftfeuchtigkeit in der Kirche ist das Problem mehr oder weniger stark zu hören – somit ist das Instrument unbespielbar.

Seit 2012 führten die Organisten – wozu mit Ulrike Bosse und Sebastian Schulz auch zwei Kinder der Vorsitzenden des Wulkauer Gemeindekirchenrats gehören – ein Orgeltagebuch. Im Sommer 2018 traten laut diesem die ersten Probleme auf. Zu einer Hochzeit im Juni des Vorjahres wurden feuchte Handtücher in der Kirche aufgehängt, damit die Luftfeuchtigkeit die Risse in der Orgel verschließt. Das gelang nur zum Teil. Im August 2019 attestierte der Havelberger Ex-Domkantor Gottfried Förster dem Instrument dessen Unbespielbarkeit. „Die Orgel gab Töne wie ein Schwarm Hornissen von sich“, berichtete Marita Schulz. Die Organisten greifen seitdem als Alternative auf ein Keyboard zurück.

1998 komplett gereinigt

Die Firma Dutschke aus Salzwedel hatte das Instrument 1998 komplett auseinander genommen, gereinigt und gegen Holzwurmbefall behandelt. Um die 28 000 D-Mark hatte dies damals gekostet. Zudem hatte die Firma die Orgel in den letzten Jahren regelmäßig gewartet.

Im November des Vorjahres war der Orgelsachverständige des Kirchenkreises vor Ort und erstellte ein Gutachten. Dieses ist Voraussetzung für das Einholen von Kostenvoranschlägen, mit welchen wiederum Fördermittel beantragt werden können. Denn allein kann die Wulkauer Kirchgemeinde mit ihren knapp 100 Mitgliedern das Vorhaben nicht finanzieren: Insgesamt 8000 Euro werden für die Sanierung benötigt. Da die Windlade ausgebaut werden muss, ist eine fast völlige Demontage der Orgel nötig.

Für den Eigenanteil bat der Kirchgemeinderat in seinem Jahresbrief alle Kirchenglieder um Spenden für die Orgelsanierung: „Wir würden uns freuen, wenn Sie die notwendige Reparatur mit einer Spende unterstützen, damit die Orgel bald wieder unsere Gottesdienste und andere feierliche Anlässe bereichern kann.“ Auch Fördermittel wurden beantragt, berichtete Marita Schulz.

Dielen auf Empore saniert

Dank der Spenden aus den Vorjahren konnten die gröbsten Mängel in der Kirche beseitigt werden, zuletzt waren marode Fußbodendielen auf der Empore ausgewechselt worden. Dank der Gemeindebeiträge konnte auch die Rate in Höhe von 1500 Euro zur Tilgung eines zinslosen Darlehens für die Reparatur des Daches und der Fenster auf der Südseite zurückgezahlt werden.

So könnte denn auch die Orgel im kommenden Jahr wieder in alter Schönheit erklingen, hofft Marita Schulz. So denn die Finanzierung wie erhofft zustande kommt.

Spendenkonto: Bank für Kirche und Diakonie, IBAN: DE75 3506 0190 1558 2460 37, Zweck: Kirche Wulkau Orgel