Lieferschwierigkeiten führen zu Hamsterkäufen

Klietzer Firma muss lange auf Holz für den Möbelbau warten

Lieferschwierigkeiten und Preissteigerungen plagen wie alle holzverarbeitenden Betriebe auch Holz-Bolle aus Klietz. Mit Hamsterkäufen wird Stllstand vermieden.

Von Anke Schleusner-Reinfeldt
Die neue Maschine nimmt in der Halle in Klietz  fast den gesamten Platz ein. Sie steht ?hinter Gittern?, zudem schützen Lichtschranken die Arbeiter, sollten sie zu dicht an die Maschine kommen. Möbelbauer Manuel Graf (links)  hat einen dreiwöchigen Lehrgang zum Umgang mit der Maschine hinter sich. Tilo Bolle (rechts) freut sich, wenn die Produktion damit demnächst starten kann.
Die neue Maschine nimmt in der Halle in Klietz fast den gesamten Platz ein. Sie steht ?hinter Gittern?, zudem schützen Lichtschranken die Arbeiter, sollten sie zu dicht an die Maschine kommen. Möbelbauer Manuel Graf (links) hat einen dreiwöchigen Lehrgang zum Umgang mit der Maschine hinter sich. Tilo Bolle (rechts) freut sich, wenn die Produktion damit demnächst starten kann. Foto: Anke Schleusner-Reinfeldt

Klietz - Als wenn ein Westpaket geliefert wird. Es ist aber „nur“ ein Laster voller Holz. Aber die Freude ist fast genauso groß bei den Firmeninhabern Susanne und Tilo Bolle von Holz-Bolle am Klietzer Ortsrand. „Man fühlt sich, was die Bestellung betrifft, wirklich in DDR-Zeiten zurückversetzt. Dinge, die man gern haben möchte, gibt es nicht, oder man muss lange drauf warten.“ Tilo Bolle nimmt kein Blatt vor den Mund, spricht auch von „Hamsterkäufen“, um ja immer genug Material auf Lager zu haben, damit die Maschinen nicht stillstehen müssen. Und doch müssen Kunden derzeit auch mal länger warten. „Nicht nur, dass manches Holz Mangelware ist, auch Zubehör. Schubkastenschienen haben wir sonst bestellt und drei Tage später waren sie da, jetzt gerade warten wir schon acht Wochen“, nennt Tilo Bolle ein weiteres Beispiel für Lieferschwierigkeiten. Ähnlich sieht es bei manchen Lacken aus, die für die Möbelproduktion gebraucht werden.

Im Februar gibt es los

Die Lieferschwierigkeiten hatten sich im Februar angebahnt. Bolles bestellten Frischholz direkt beim Sägewerk. Erst gab es gar keine Antwort, auf nochmalige Nachfrage hieß es dann, dass derzeit gar nichts geliefert wird. Bei anderen Sägewerken lief es ähnlich. „Also telefonierten wir den Großhandel ab und konnten hier und da kleine Mengen ordern – zu teilweise deutlich höheren Preisen. Das Tischlerholz für Treppen geht gerade noch so, aber OSB-Platten beispielsweise gab es beim Großhandel nirgends. Weil wir gerade eine Baustellen hatten, auf der wir diese Grobspanplatten dringend brauchten, haben wir sie überall zusammengekratzt – wir sind sogar in den Baumarkt gefahren.“

Mit Preissteigerungen um teilweise bis um das Dreifache müssen Bolles klarkommen. „Wir sind zum Glück ein holzveredelndes Unternehmen, so dass wir unterm Strich beim Endprodukt nicht ganz so viel draufschlagen müssen. Aber schön ist es für den Verbraucher natürlich nicht.“

Investitionen Dank guter Auftragslage

Tilo Bolle ist erleichtert, dass die Auftragslage sehr gut ist. Deshalb konnte der Betrieb auch investieren: Im vergangenen Jahr wurden die Dächer der drei großen Hallen mit Solarplatten bestückt. Sämtlicher Strom, den die Maschinen brauchen, liefert also bei schönem Wetter die Sonne – an sonnigen Tagen kann sogar noch ins Netz eingespeist werden. Und in der Halle, in der einst das zuletzt nicht mehr genutzte Sägegatter stand, ist gerade eine hochmoderne Maschine für den Möbelbau aufgebaut worden, die kurz vor der Inbetriebnahme steht. Computergesteuert, wie viele andere Maschinen im Betrieb auch, aber sogar das Heranholen des Holzes übernimmt die Maschine. Die zugerechtgesägten und -gefrästen Platten müssen nur noch entnommen und mit einem Code versehen werden, dann kann zusammengebaut werden.

Suche nach Auszubildenden

Mit dieser neuen Maschine geht der seit 1993 in Klietz ansässige Betrieb nicht nur mit der Zeit, sondern reagiert auch auf den Personalmangel, weil die Technik viel Handarbeit abnimmt. Eigentlich bilden Bolles jedes Jahr Tischler aus, aber 2020 gab es keinen Bewerber und auch für dieses Jahr noch nicht. „Das ist ja leider Trend im Handwerk. Viele wollen nach der Schule studieren und keine handwerkliche Ausbildung mehr machen. Jugendliche verkennen des Beruf des Tischlers. Heutzutage wird aber mit modernsten Maschinen gearbeitet, man braucht Computerkenntnisse, die Arbeitsbedingungen sind sehr gut.“ Und die Aussicht auf Übernahme in ein sicheres Angestelltenverhältnis gibt es auch.