Havelberg l Mit Pfiffen, Trommeln und Rufen „Kein Aus fürs Krankenhaus“ machten Mitarbeiter des Havelberger KMG Klinikums und engagierte Bürger vor Beginn der Kreistagssitzung in Stendal deutlich, dass sie eine vernünftige medizinische Versorgung in und um Havelberg auch nach der Schließung des Krankenhauses fordern. Jedes Kreistagsmitglied wurde mit einer Sonnenblume begrüßt  und bekam zudem ein Schriftstück überreicht, in dem die Mitarbeiter ihre Forderungen und den Kampf des vergangenen halben Jahres zusammengefasst haben.

Wer keine Zeit hatte, das gleich zu lesen, bekam einen Extrakt daraus zu Beginn der öffentlichen Debatte zu hören. Denn die Vorsitzende des Betriebsrates Sandra Braun erhielt ebenso wie Bürgermeister Bernd Poloski (parteilos) Rederecht. Zuvor jedoch war die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Vertreter der beiden möglichen Betreiber eines medizinischen Zentrums in der Hansestadt - Johanniter und die landeseigene Krankenhausgesellschaft Salus – stellten den Kreistagsabgeordneten ihre Konzepte vor.

„Es bröckelt“, machte Sandra Braun deutlich, dass es nach einem halben Jahr des unermüdlichen Kampfes nicht leicht ist, weiter für eine Zukunft am Krankenhausstandort Havelberg einzustehen. „Wir jetzt noch zirka 30 Beschäftigte im KMG Klinikum machen jedoch immer weiter und weiter, die Energie scheint unerschöpflich. Organisiert und einig versuchten wir, unsere Arbeitsplätze zu retten. Als dieses Ziel vor wenigen Wochen weggebrochen ist, sagten wir uns, dass wir wenigstens für unsere Region das Optimum herausholen wollen, dass wir uns nicht kleinkriegen und in die Knie zwingen lassen. Zu viel haben wir schon geleistet für dieses Ziel. Wir haben Federn gelassen. Aber die KMG kommt aus dieser Schlacht auch nicht ohne Schaden heraus.“

Bilder

Land will unterstützen

Sie stellte die unterschiedlichen Ziele beider Parteien dar: „Wir Arbeitnehmer stehen für unsere Arbeitsplätze und eine medizinische Grundversorgung für die Bevölkerung. Die KMG will Profit, die Standortwahrung durchs geplante Seniorenheim, eine Verhinderung der Rückzahlungen in Millionenhöhe an das Land Sachsen-Anhalt und die Sicherung der Patienten für das Klinikum in Kyritz.“ An die Adresse der Politik richtete Sandra Braun die Botschaft: „Wir brauchen ein klares Signal der Hoffnung, sonst ist bald keiner mehr da, der die Gesundheitsversorgung aufrecht erhalten kann.“ Die Rücknahme des Krankenhauses durch den Landkreis sei ein solches.

In der Kreistagsdebatte zeigte sich, dass alle Fraktionen den Standort Havelberg für eine medizinische Grundversorgung erhalten wollen. Doch die Forderung von SPD/Linke zur sofortigen Übernahme des Krankenhauses fand keine Mehrheit. Enttäuschte Gesichter auf den Zuschauerbänken der Bürgerparkhalle, wo einige Havelberger bis zum Schluss ausgeharrt hatten, waren das Ergebnis. „Damit sind wir da, wo wir schon vorher waren. Das Krankenhaus hat sich erledigt“, war eine erste Reaktion. Doch wich die große Enttäuschung der Hoffnung. Nach der Sitzung sprachen die Betriebsrätinnen Sandra Braun, Anke Görtz und Kerstin Nicke mit Landrat Patrick Puhlmann (SPD). „Er erklärte uns, dass das Ergebnis ein gutes sei, weil alle Parteien sich für das Krankenhaus ausgesprochen haben und er bis zum 24. September einen unterschriftsreifen Vertrag vorlegen müsse. Positiv ist auch, dass das Land seine jährliche finanzielle Unterstützung zugesagt hat“, so Anke Görtz.

Havelbergs Bürgermeister hatte mehr erwartet von der Sondersitzung:  „Mit diesem Ergebnis kann ich nicht zufrieden sein. Der Landrat hat den Auftrag bekommen, Verhandlungen mit der KMG, den Johannitern und der Salus gGmbH zu führen. Das ist die gleiche Situation, die wir schon im März hatten", ist Bernd Poloski (parteilos) enttäuscht vom Abstimmungsergebnis. Aus seiner Sicht hätte der Kreistag den Rückkauf des Krankenhauses von der KMG beschließen müssen. Dann hätte der Landrat eine bessere Position für Verhandlungen. So könne er nur Moderator sein. Der Bürgermeister spricht sich auch klar für die landeseigene Krankenhausgesellschaft Salus als neuen Betreiber aus, „um das Land nicht aus der Verantwortung für den Standort Havelberg zu nehmen".

 

Auch er hatte Rederecht im öffentlichen Teil der Sitzung bekommen. „Mittlerweile ist mehr als ein halbes Jahr vergangen, ohne dass es einen ganz konkreten Lösungsansatz, geschweige denn eine Lösung für eine adäquate Aufrechterhaltung der medizinischen Akut- und Grundversorgung in Havelberg und Umgebung gibt", mahnte er an. Würde das Krankenhaus morgen die Türen schließen, blieben für die Not- und Akutversorgung ein Rettungswagen und ein Notarzt. Er forderte eine klare Entscheidung ein, ansonsten befürchtet er „das endgültige Aus für eine bedarfsgerechte und sinnvolle Symbiose von stationärer und ambulanter Versorgung an diesem Standort."