Havelberg l  Zwar gab es keine konkrete Aussage, wie die stationäre medizinische Versorgung in der Hansestadt fortgesetzt werden. Aber es wird an einer Zukunft gearbeitet. Die Sozialministerin haben sie auf ihrer Seite. Das haben die Mitarbeiter des Havelberger Krankenhauses und die Bürger, die den Kampf um den Erhalt seit acht Wochen unterstützen, gespürt. Nicht nur, weil sie am Montag im Eingangsbereich des Sozialministeriums in Magdeburg mit Kaffee und kalten Getränken herzlich empfangen wurden. Sondern weil ihnen Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) versicherte, dass an einer Lösung gearbeitet wird.

Mit einem von Verdi gesponserten Bus hatten sich 50 Havelberger am Vormittag auf den Weg in die Landeshauptstadt gemacht, um ihrem Protest gegen die beabsichtigte Schließung des Krankenhauses durch die KMG Kliniken Nachdruck zu verleihen und die 12.064 Unterschriften zu übergeben. Der Termin stand schon längere Zeit fest. Mitarbeiter und Einwohner des Elb-Havel-Winkels setzten ihre Hoffnung in dieses Treffen, endlich zu erfahren, wie es mit dem im Landesplan festgeschriebenen Kranken­hausstandort Havelberg weitergeht. Ganz so weit ist es allerdings noch nicht.

Es gibt zahlreiche Gespräche, auch mit dem Landrat. Alle sind darauf ausgerichtet, eine Lösung zu finden, versicherte die Ministerin und machte nochmals deutlich, dass „die medizinische Versorgung auch im ländlichen Raum aufrecht erhalten bleiben soll“. Heute gibt es ein weiteres Gespräch. Weitere seien erforderlich. Bis zum Kreistag in Stendal – die nächste Sitzung ist für 19. März geplant – werden sich wohl noch alle gedulden müssen, bis eine Lösung präsentiert werden kann. „Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung und machen alles, was wir können. Wir werden etwas Vernünftiges präsentieren“, so Petra Grimm-Benne vor den Havelbergern.

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Bei Sonnenschein hatten diese sich auf der Rückseite des Gebäudes zu einem großen Chor aufgestellt und das Krankenhauslied gesungen. Nach mehrfachen Proben auf der Busfahrt hörte sich das nun richtig gut an und sorgte für echtes Gänsehautgefühl. Sandra Braun, Vorsitzende des Betriebsrates des KMG Klinikums Havelberg, berichtete von den verschiedenen Aktivitäten für den Erhalt des Havelberger Krankenhauses in den vergangenen acht Wochen, seit sich am 10. Januar die Schreckensnachricht von der beabsichtigten Schließung verbreitet hatte.

Vernünftige Lösung ist das Ziel

Dieser Kampf sei so nur möglich, weil die Mitarbeiter fest zusammenhalten, weil es einen Betriebsrat gibt und weil ein Großteil der Mitarbeiter gewerkschaftlich organisiert ist. Ein Dankeschön schickte sie an alle Bürger, die den Kampf unterstützen. Sie berichtete von dem Protest am 20. Januar, bei dem sich über 600 Einwohner aus der Region für den Erhalt des Krankenhauses stark gemacht haben, von den über 12.000 Unterschriften, von den Aktiven Mittagspausen jeden Donnerstag und den Info-Tischen jeden Freitag. Die beiden Letzteren wird es übrigens so lange geben, bis klar ist, wie es mit dem Krankenhaus weitergeht.

„Wir wollen unser Krankenhaus mit allen Mitteln erhalten – mit einem neuen Träger, den wir hoffentlich in den nächsten Tagen präsentiert bekommen“, sagte Sandra Braun.

Das Wort ergriff auch Verdi-Gewerkschaftssekretär Jens Berek, der die Busfahrt organisiert hatte. Er gratulierte den Mitarbeitern des Krankenhauses zu ihrem Zusammenhalt, zu dem sie nun gefunden haben und kritisierte KMG als Träger, die die medizinische Versorgung in den vergangenen Jahren runtergefahren habe. Er erinnerte an die neue ITS, die nie eröffnet wurde und inzwischen abgerissen ist. Schuld daran, dass immer weniger Patienten ins Krankenhaus gingen, hätten nicht die Einwohner, sondern die KMG wegen der Verfahrensweise mit dem Krankenhaus.

Und noch ein Gewerkschafter sprach zu den Havelbergern. Markus Schulze ist Personalratsvorsitzender am Uni-Klinikum in Magdeburg und Mitglied des Fachbereichsvorstandes 3 bei Verdi, der sich unter anderem um das Thema Gesundheit kümmert und am Montag tagte. „Wir brauchen neue Wege in der Daseinsfürsorge, auch in der Fläche“, sagte er und mahnte an, dass Krankenhäuser nicht nur als Wirtschaftsfaktor zu sehen seien.

Zum Kreis der Havelberger gehörten Elftklässler des Gymnasiums, die zum Protest am 20. Januar ein Lied geschrieben hatten. „Ich finde es wichtig, dass wir gerade als junge Menschen Interesse zeigen. Wie oft heißt es, dass sich die Jugend nicht interessiert. Das Krankenhaus geht uns sehr wohl etwas an und es darf nicht geschlossen werden“, sagte Noah-Leon Neumann im Gespräch mit der Volksstimme. Deshalb waren die Gymnasiasten im Vorfeld der Protestaktion auch gleich bereit, im Kunstunterricht Plakate zu entwerfen und im Musikunterricht Text und Melodie für das Protestlied zu kreieren.

Der Betriebsrat und vier weitere Mitarbeiter beziehungsweise engagierte Havelberger hatten im Anschluss noch Gelegenheit für ein kurzes Rundtischgespräch mit der Ministerin. „Ich habe ein sehr gutes Gefühl, nachdem wir in der vergangenen Woche ja gar nichts mehr gehört hatten“, sagte die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Anke Görtz im Nachhinein.

Kreistag muss entscheiden

Es ist am Landkreis Stendal beziehungsweise an den Mitgliedern des Kreistages, entsprechende Beschlüsse zu fassen und Verträge vorzubereiten, wenn es denn in anderer Trägerschaft mit dem Krankenhaus in Havelberg weitergehen soll. Schwester Karola Schulze berichtete in dem Gespräch mit der Ministerin, dass sich bereits Ärzte und Pfleger gemeldet hätten, die im Falle des Fortbestehens des Krankenhauses unter einem neuen Träger nach Havelberg (zurück-)kommen würden. Klar ist allen, dass die Arbeit dann erst richtig anfangen würde – um bei Patienten und Hausärzten wieder Vertrauen aufzubauen, konkurrenzfähig zu sein und schwarze Zahlen zu schreiben.

Rosemarie Busse, die der Initiativgruppe für den Erhalt des Krankenhauses angehört, machte deutlich: „Es wird Zeit, dass eine Entscheidung getroffen wird. Auch die Bevölkerung will wissen, was passiert.“

Vor der Fahrt nach Magdeburg hatte sich der Betriebsrat mit dem Landtagsabgeordneten Chris Schulenburg und den Stadträten Wolfgang Schürmann und Ursula Rensmann (alle CDU) getroffen. Chris Schulenburg berichtete von den bisherigen Initiativen, die von der CDU-Landtagsfraktion veranlasst wurden, um politisch Druck auszuüben. „Ein Krankenhaus lässt sich leider nicht so einfach verkaufen, da sind viele Beratungsrunden erforderlich. Es muss ein Träger gefunden werden, der grundsätzlich Interesse an einer Übernahme hat, und zusätzlich müssen die finanziellen Eckpunkte klar formuliert werden, damit die Verantwortlichen im Kreis und im Land eine Entscheidungsgrundlage haben. Emotionale politische Schnellschüsse können nach hinten losgehen. Ich habe dem Betriebsrat nahegelegt, nicht locker zu lassen und sich nicht unter Druck setzen zu lassen, denn ein neuer Träger braucht qualifiziertes und motiviertes Personal“, so Chris Schulenburg.