Havelberg l Mit dem Projekt „Mein Name ist Helga T.“ wollen drei Mitglieder des Havelberger Kulturprojektes Stadtinsel die Geschichte des Hauses Lange Straße 10 aufarbeiten und die Erinnerungen der Menschen, die dort gelebt und gearbeitet haben, festhalten. Das Haus samt Hof ist das Domizil des Vereins, in dem sich auch die Buchstation befindet. Zum Auftakt des Projektes in der Öffentlichkeit stellte Heinz Sporkhorst bei seinem Lichtbildervortrag in der Galerie Lange Straße 36 die Frage: „Bitterfelder Weg in Theorie und Praxis – gab es ihn auch in Havelberg?“

Um es vorweg zu nehmen: Bisher hat er nichts gefunden, was darauf schließen lässt, dass die Kulturoffensive des sozialistischen Staates DDR Spuren in Havelberg hinterlassen hat. Zwei Konferenzen gab es dazu, 1959 und 1964 wurden die Ziele festgelegt. Es ging darum, Künstler und Autoren in die Betriebe zu schicken, damit die Arbeiter selbst künstlerisch und schriftstellerisch tätig werden.

Heinz Sporkhorst, der mit Anke Leonhardt und Britta Lehmann an dem Helga T.-Projekt arbeitet, hat sich als damaliger Westberliner sehr für die Kunst in der DDR inte­ressiert, wie er den gut 20 Zuhörern beim Vortrag berichtete. Er selbst hat Kunstgeschichte studiert und war öfter in Ostberlin, um sich ein Bild vom Kunstschaffen in der DDR zu machen. Daher stammen auch zahlreiche Dias aus den 70er Jahren, deren Qualität nach gut vier Jahrzehnten zwar nicht mehr so gut ist, die aber dennoch einen Eindruck geben von den Bildern, die damals gemalt worden sind. Er wollte seine Magisterarbeit zur Kunst in der DDR schreiben. „Doch das interessierte keinen“, sagte der gebürtige Westfale.

Bilder

Zeitzeugen steuern Erinnerungen bei

Zu Beginn ging Heinz Sporkhorst, der selbst malt und sich dem Druck verschrieben hat, auf die Nachkriegsjahre ein. „Die Teilung Berlins wirkte sich auf die Kunst aus.“ Er benannte die Unterschiede. Während im Westen die ab­strakte Kunst propagiert wurde, wandte sich der Osten dem Realismus zu. Themen waren die Auseinandersetzung mit den Kriegsgeschehnissen und der Wiederaufbau. Er sprach über das Schaffen etwa von Max Lingner, Hans Grundig, Horst Strempel, Heinrich Ehmsen und Carl Hofer. Bei den beiden Letzteren war der Havelberger Maler Kurt Henschel, der an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin studierte, Schüler.

In der DDR wurden mehr und mehr Menschen bei der Arbeit porträtiert. „Man wollte zeigen, dass ein neues Land aufgebaut wird, auch in der Kunst. Doch war die Arbeiterklasse noch nicht in der Kunst, das sollte sich mit dem Bitterfelder Weg ändern.“ Das Motto lautete „Greif zur Feder, Kumpel“, die Richtung vom lesenden zum schreibenden Kumpel war vorgegeben. Doch nicht nur in der Literatur sollten Künstler und Arbeiter zusammen Kunst schaffen, sondern auch in der Malerei. Viele Bilder entstanden, die das Leben und Arbeiten der Menschen widerspiegelten. Natürlich spielte auch das berühmteste Bild der DDR, Walter Womackas „Am Strand“ von 1962, eine Rolle beim Vortrag. Heinz Sporkhorst zeigte zahlreiche Bilder bis hinein in die Siebziger und zitierte auch aus Schriften zum Bitterfelder Weg. „Ich habe immer Anteil an der Kunst der DDR genommen“, sagte er und bezeichnet sie als sehr lebendig, vielfältig, anspruchsvoll. Und sie ließ trotz politischer Vorgaben Zeit zum Träumen. Befragt, wo er Kurt Henschel einordnet, sagte er: „Er war ein Künstler, der sein Ding gemacht hat, seine Werke zeigen, dass das möglich war.“

Zu „Helga T.“ – das Projekt wird vom Land gefördert – haben die drei Berliner Künstler bereits mit etlichen Zeitzeugen gesprochen und Material bekommen. Geplant sind weitere Veranstaltungen und eine Ausstellung.