Sandau l Zumeist hängt die Elbfähre Sandau an einem Gierseil, wird also allein durch die Kraft des strömenden Wassers über den Fluss getrieben. Macht jedoch Hochwasser einen normalen Fährbetrieb nicht mehr möglich, muss also weiter landeinwärts angelegt werden, ist Motorbetrieb angesagt. Zwei Schottelantriebe sorgen dann für die Fortbewegung des Wasserfahrzeuges, denn dafür ist das stählerne Gierseil nicht ausgelegt.

Schon früher hatte es immer wieder Probleme mit einem der beiden Antriebe gegeben, im Zuge der Landrevision auf der Havelberger Werft wurde jetzt mit Erschrecken festgestellt, dass die Maschine einen kapitalen Schaden hat. Die Dieselmaschine lief unruhig und verursachte unnormale Geräusche. Im Ölfilter fanden sich Metallspäne – ein übles Zeichen. Nicht nur der Zylinderkopf war beschädigt, sondern der Motorblock.

Motor muss repariert werden

Wie der amtierende Bürgermeister Wolfgang Hellwig auf der Stadtratssitzung in Sandau berichtete, wurde der Motor ausgebaut und zu einer Werkstatt nach Seehausen gebracht, wo man aber nicht weiterhelfen konnte. Die umfangreiche Reparatur kann nur beim Hersteller nahe der holländischen Grenze erfolgen.

Das würde etwa zwei bis drei Wochen dauern, danach wäre noch etwa eine Woche für den Einbau und die Überprüfung im laufenden Betrieb notwendig. Vor dem Jahreswechsel, so schätzte Wolfgang Hellwig, werde die Fähre wohl nicht mehr übersetzen.

Hoffen auf Unterstützung

Womit sich das nächste Problem ergibt: Eigentlich sollte die Sandauer Fähre über Weihnachten und den Jahreswechsel übersetzen, die Werbener Fähre sollte pausieren, damit deren Besatzung die angehäuften Überstunden abbummeln kann. Aus dem Grunde wurde auch der auf der Werbener Fähre ausgebildete neue Sandauer Fährmann bereits ab dieser Woche dorthin umgesetzt, er darf neben der Sandauer auch diese Fähre führen. Ein großes Problem war, zwecks Absprache die Verwaltung der zuständigen Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck zu erreichen, denn Teile von dieser sind wegen Corona in Quarantäne, berichtete Wolfgang Hellwig.

Er hofft, dass das Land nun auch noch die nicht unerheblichen Mehrkosten für die Motorreparatur übernehmen wird. Erstmals nämlich trägt das Land 90 Prozent der bei der Landrevision anfallenden Kosten. Erfolgt von dort die Zustimmung, kann vom Bauamt der Reparatur-Auftrag ausgelöst werden.

Die beiden Motoren konnten vorher nicht überprüft werden, da die elektrische Anlage komplett ausgebaut und erneuert worden war. Dieses war die Voraussetzung für die Konservierung des 1991 in Havelberg gebauten Wasserfahrzeuges – erstmals war es komplett abgestrahlt worden.

Prüfung erfolgt mit Traktor

Jetzt steht die Prüfung des 500 Meter langen Gierseils sowie dessen Ankers an – was nun ohne Fähre stattfinden muss. Die örtliche Agrargenossenschaft stellt deshalb einen Traktor zur Verfügung, welcher das Seil aus dem Wasser ziehen wird, die Kiebitzberg-Werft ist mit einem Boot vor Ort. Dieser Prüftermin ist Voraussetzung für die Wiederinbetriebnahme des Wasserfahrzeuges.

Wenn die Fähre dann eines Tages wieder übersetzen wird, trifft der Hinweis auf den Dankesplakaten, welche von der Bürgerbewegung an den beiden B 107-Ortseinfahrten angebracht worden sind, voll zu: „Danke für die fast neue Fähre.“