Havelberg l „Laufen ist wie ein kleiner Urlaub“, nennt Edgar Schmidtke seine Motivation fürs lange Laufen. Drei- bis viermal pro Woche nimmt der Havelberger sich diese Auszeit, genießt die Natur und Landschaft bei der Bewegung an frischer Luft. Mindestens einmal 20 Kilometer lang, die anderen Läufe dann etwas kürzer. Er hat dieses Hobby für sich vor einigen Jahren wiederentdeckt und macht vieles anders als früher.

Zuerst war das Tempo wichtig

Als junger Mann war ihm das Tempo wichtig. „Das fing bei der Armee an. Wer gute Zeiten erreicht hat, bekam einen Tag Sonderurlaub oder auch extra Ausgang aus der Kaserne fürs Training“, erinnert er sich an diese Zeit. Einen Kilometer ist er in einer Zeit von unter drei Minuten gelaufen, drei Kilometer unter zehn Minuten. Er entdeckte damals die langen Läufe für sich, nahm auch an Meisterschaften der Armeestreitkräfte teil. In Havelberg fand sich eine kleine Laufgruppe zusammen, zu der um die zehn Läufer gehörten. Später ruhte die Laufleidenschaft etwas, bis Eddi Schmidtke Anfang der 2000er Jahre mit den Havelbergern Dieter Scheel, Jürgen Schramm und Dieter Kunze zu Laufveranstaltungen fuhr. Am liebsten zum Dresden-Marathon, der immer im Oktober stattfindet. Seine Bestzeit beim Marathon liegt bei 3:54 Stunden, beim Halbmarathon bei 1:37 Stunden. „Über diese Zeiten habe ich mich gefreut und darauf trainiert. Heute ist meine Motivation eine ganz andere“, erzählt er und berichtet, dass er bei einem Training früher einmal einen großen Hirsch vor sich gesehen hat. Er klatschte in die Hände, um ihn zu verscheuchen und keine Sekunde zu verlieren. „Heute würde ich diesen Anblick genießen und mich daran erfreuen.“

Jetzt neu orientiert

Es ist sein neues Laufen, wie er es nennt. Eine Krankheit brachte ihn dazu innezuhalten, sich zu besinnen und schöne Dinge im Leben zu entdecken und sich daran zu erfreuen. Großen Anteil daran hat Gerd Engel von der Stendaler Laufgruppe Haeder. Mit ihm hatte er einen der Buga-Läufe zwischen Havelberg und Brandenburg mit organisiert. „Er animierte mich, am Laufen dran zu bleiben.“

„Ich bin ein Genussläufer“

Laufen ist für ihn heute Ausgleich zum Alltagsstress. „Andere machen Musik, Yoga oder irgend was anderes, ich habe den Spaß am Laufen gefunden und finde dabei Ruhe und Entspannung“, erklärt der Havelberger, der derzeit beim Berufsförderungswerk in Staßfurt eine Maßnahme zur beruflichen Neuorientierung absolviert. Sein Ziel ist es, in einer betreuten Werkstatt mit Menschen mit Behinderung zu arbeiten. „Beim Laufen setze ich mich nicht unter Druck, sondern genieße es, ich bin ein Genussläufer.“ Gleichgesinnte hat er neben seinen alten Lauffreunden zu Hause, mit denen er sich sonntags zum Waldlauf trifft, beim Berliner SCC. Bei Langstreckenläufen lernte er sie kennen. In diesem Jahr absolvierte er zum Beispiel 51 Kilometer von Wernigerode nach Nordhausen bei der Harzquerung. Auch am Mauerweg-Nachtlauf in Berlin nahm er teil. Mit den Lauffreunden vom SCC lief er 64 Kilometer in neuneinhalb Stunden. „Ich laufe heute nach Gefühl und wir erzählen dabei viel. Der Spaß ist hierbei viel größer, als Zeiten hinterherzujachtern.“

Lust auf mehr geweckt

Durch Detlef Leppin ist Eddie Schmidtke auf den Berlin-Marathon aufmerksam geworden. Der Chef der Havelberger Wohnungsbaugesellschaft ist den Halbmarathon dort mehr als zehnmal gelaufen und hat damit ein immer währendes Startrecht. Eddie Schmidtke kam auf den Geschmack und lief dort einen Halbmarathon. „In einer Gruppe von fünf Leuten in 1:55 Stunden.“ Das weckte die Lust auf mehr und er meldete sich im Herbst 2017 für den Marathon an. Um dort an den Start gehen zu können, benötigen Läufer nicht nur gutes Training, sondern zunächst Losglück. Denn aufgrund der großen Nachfrage werden die Startplätze ausgelost. Er hatte Glück und bekam mit der 66093 „eine coole Startnummer“.

Beim Berlin-Marathon dabei

Am 21. September fällt um 9.15 Uhr der Startschuss. In vier Wellen werden die gut 40 000 Läufer auf die 42,195 Kilometer lange Strecke, die mitten durch Berlin an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei führt, geschickt. Jeden Kilometer davon will der 55-Jährige genießen, gemeinsam mit seinen Lauffreunden vom SCC. Inzwischen gehört er dem Sportclub Charlottenburg an. Damit ist er nicht nur bei seinen Läufen versichert, sondern bekommt auch bei nächsten Halbmarathons und Marathons durch die Hauptstadt einen Startplatz. Und damit wieder ein kleines bisschen mehr Urlaub.