Havelberg/Sandau l Wie geht es den Gastronomen in der Region und ihren Mitarbeitern in der jetzigen arbeitslosen Zeit? Welche Gedanken bewegen sie? Vor allem, was die Zukunft betrifft. Die Volksstimme hat mit einigen gesprochen.

„Ich komme mir gegenwärtig ein bisschen wie eingesperrt vor“, beschreibt Marianne Lindholz, Pächterin des Gasthauses Mühlenholz in Havelberg, ihre derzeitige Lage. „Ich muss zu Hause sitzen und mir sind die Hände gebunden. Ich muss aufpassen, dass mir die Decke nicht auf den Kopf fällt.“

Bis März abgesichert

In letzter Zeit hatten Gerüchte die Runde gemacht, dass sie ihr Gasthaus aufgrund der sehr hohen laufenden Kosten wohl schließen muss. Dem widerspricht die Gastwirtin jedoch. „Ich bin zwar schon im Rentenalter, aber noch denke ich nicht daran, meine Hände in den Schoß zu legen und das Gasthaus, das ich seit mittlerweile 15 Jahren betreibe und das mir so sehr am Herzen liegt, wegen der Corona-Pandemie nun aufzugeben.“ Sie möchte die Gastronomie an diesem schönen Ort „nicht so einfach sterben lassen“.

Unter anderem wegen der staatlichen Hilfen – der erste Teil des Geldes für den November ist eingegangen – „kann ich vorerst bis zum März durchhalten. Aber ich hoffe, dass wir unser Haus dann nicht noch länger geschlossen halten müssen.“ Erst einmal ist sie gespannt darauf, was es am 25. Januar staatlicherseits für Entscheidungen geben wird.

Die Zeit ab November hat Marianne Lindholz unter anderem dazu genutzt, ihre Lagerräume im Gasthaus gründlich aufzuräumen. Eine ganze Reihe von Geschirr und verschiedenen Deko-Artikeln ist dann auf Trödelmärkten im Haus angeboten worden. „Einen werden wir bestimmt noch machen“, kündigt sie an. Fünf Mitarbeiter/innen sind bei ihr angestellt. „Sie erhalten jetzt Kurzarbeitergeld. Auch das ist vorerst bis zum März abgesichert.“

Fit halten

„Aufgeben, das gibt es bei mir nicht“, macht Erika Herms deutlich. „Und Jammern hilft schon gar nicht. Ich muss da nun zum zweiten Mal durch – nach dem Lockdown im Frühjahr 2020.“ Sie betreibt in Havelberg das Gasthaus „Zur Domtreppe“. „Mein Glück ist, dass sich das Haus in Familien­besitz befindet und somit für mich jetzt nicht übermäßig hohe Kosten anfallen“, berichtet sie. Natürlich seien die staatlichen Hilfen für die Umsatz-Ausfälle „äußerst wichtig. Ohne die könnten sehr viele Gastronomiebetriebe sonst wohl nicht überleben.“ Auch sie nicht. „Jedoch müsste das Geld einfach viel schneller gezahlt werden. Nicht erst Ende Dezember der erste Teil für November.“

Die für sie jetzt arbeitslose Zeit nutzt Erika Herms unter anderem dafür, „öfter mal joggen zu gehen“. Das halte sie am besten fit für „die hoffentlich wieder bessere Zukunft“.

Nicht aufgeben

„Beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 waren es acht Wochen Ausfall, die ich verkraften musste“, sagt Sabine Schulze, Inhaberin der „Fischerstube“ im Haveldorf Warnau. „Nun wird es mindestens ein Vierteljahr. Aber sei es wie es sei. Der Kopf wird auf keinen Fall in den Sand gesteckt.“

Obwohl das alles andere als leicht für sie ist. „Denn ich habe noch einen Kredit abzubezahlen.“ Und vier Angestellte warten darauf, dass es weitergeht in der „Fischerstube“. Sie befinden sich derzeit in Kurzarbeit.

Mit der staatlichen finanziellen Hilfe „komme ich erst einmal über die Runden“, zeigt sich Sabine Schulze dankbar für die Unterstützung. „Aber trotzdem ist es natürlich unser aller Wunsch, dass die Sperrung bald wieder aufgehoben wird und wir das Restaurant fachlich schön weiterführen können.“ Und optisch ebenfalls. Denn daran wurde in den letzten Wochen fleißig gearbeitet. Und zwar im hinteren Raum der Gaststätte. Fußboden und Anstrich zeigen sich erneuert. „Es kann hier wieder losgehen“, blickt Sabine Schulze hoffnungsvoll in die Zukunft. Und auch auf einige Kunden-Versprechen. „Wenn dann alle kommen, die gesagt haben, dass sie ihre ausgefallenen Weihnachtsfeiern bei mir noch nachholen wollen, dann ist mir nicht bange. Das würde so einige Verluste wieder wett machen.“

Renovieren

Aufgeräumt und renoviert wird derzeit auch von Inhaber Detlef Ballendat im Sandauer „Schützenhaus“. „Das lenkt ab und schützt uns davor, dass uns die Decke auf den Kopf fällt“, begründet er. Gar keine Frage – auch er will sein Gasthaus weiter betreiben. Die finanzielle Unterstützung, die er ebenfalls beantragt hatte, hilft dabei weiter. „Mit dem ersten November-Abschlag, der nun eingegangen ist, können so manche laufenden Kosten bezahlt werden. Zum Beispiel für die Versicherung oder für Strom und Gas.“ Über die Weihnachtstage hatte Detlef Ballendat zudem einen Außer-Haus-Verkauf von Gerichten auf Bestellung angeboten. „Aber nur zu diesem Fest. An anderen Tagen lohnt das sich nicht.“

„Man muss immer positiv denken und ein sonniges Gemüt haben“, findet der Sandauer Gastwirt. „Ich lege allen Gastronomen ans Herz, dass sie durchhalten sollen. Wir werden das überstehen!“