Havelberg l Rund 3000 Jahre lag sie auf dem Grund der Havel bei Jederitz. Als dort Anfang des 20. Jahrhunderts Ausbaggerungen für Regulierungsarbeiten am Fluss stattfanden, wurde die bronzene Gürteldose entdeckt. Seit 1912 gehört sie zum Fundus des wenige Jahre zuvor gegründeten Prignitz-Museums am Dom zu Havelberg. Dort ist das Exponat eines der wertvollsten in der Dauerausstellung zur Siedlungsgeschichte, die in den nächsten Wochen umgestaltet wird.

Metallrestaurator Joachim Jendersie hatte vor wenigen Tagen das über 200 Jahre alte Newtonsche Spiegelteleskop ins Museum zurückgebracht. Der Verein der Freunde und Förderer des Prignitz-Museums hatte die Restaurierung des besonderen Exponates aus der Weihnachtsspendenaktion 2018 beauftragt (die Volksstimme berichtete). Der Thüringer blieb eine ganze Woche, um den Zustand von Ausstellungsstücken aus der Siedlungsgeschichte zu bewerten und auch, wo es möglich war, Arbeiten vorzunehmen, damit die Stücke weitere Jahrzehnte präsentiert werden können.

„Das hat sich richtig gelohnt. Wir haben 18 Objekte begutachtet und ich habe Tipps und Hinweise bekommen, wie wir mit archäologischen Funden umgehen, wenn gerade kein Restaurator zur Seite steht. Ich konnte Herrn Jendersie über die Schultern schauen und habe viel Neues dazu gelernt“, berichtet die Leiterin des Prignitz-Museums Antje Reichel. Auch das Depot wurde aufgesucht um zu sehen, was an akuten Fällen vorhanden ist. Der Fachmann habe bei Objekten offene Korrosionen festgestellt und somit Schmerzpunkte herausgefiltert. Das betrifft zum Beispiel die bronzene Gürteldose von Jederitz. Deren fachmännische Restaurierung ist ein größeres Projekt.

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„Dafür müssen wir ein Konzept erarbeiten“, macht die Museologin deutlich, dass dies nicht so einfach möglich ist. Vielleicht wird die Gürteldose ein nächstes Exponat, für das der Förderverein in Havelberg und Umgebung um Spenden bittet. Für dieses Jahr wurde bereits ein Papiertheater ausgewählt.

Schlimmer Zustand

Teilweise befinden sich die Objekte im Fundzustand und weisen Roststellen auf. Hinzu kommen konservatorische Missstände aus längst vergangenen Zeiten, schätzt Joachim Jendersie ein. „Funde aus der Havel sind im Süßwasser gut konserviert worden. Anders sieht es das bei Bodenfunden aus, die durch die Agrarwirtschaft mit Nitraten belastet sind. Mit der Durchfeuchtung dringen Salze in das Material, die man nicht wieder herausbekommt“, erklärt der Fachmann.

Den Zustand der 3000 Jahre alten Gürteldose bezeichnet er als „ganz schlimm. Ich kann Altrestaurationen erkennen, die sehr schlecht ­gemacht worden sind. Die Dose muss nach dem Auffinden mal zerbrochen sein und wurde schlecht zusammengesetzt. Da sind viele Einzelmaßnahmen erforderlich, bei denen ich zwei Kollegen zu Rate ziehen würde“, so Joachim Jendersie. Die Dose hat eine schwarz-grüne Patina und es befindet sich eine weiche weiße Masse auf ihr, mit der vermutlich versucht wurde, die Risse zuzumachen. „Man müsste klären, was der Fundzustand ist. Wir wollen solche Funde nicht totrestaurieren, die Leute wollen die Zeit ja auch sehen. Hier wäre auf jeden Fall eine gründliche Voruntersuchung erforderlich. Ich habe jetzt erstmal die Voruntersuchung zur Voruntersuchung vorgenommen. Das Ziel der Restaurierung müsste es sein, die Dose wieder ordentlich zusammenzusetzen.“

Dass dieser Fund aus der Bronzezeit ein bedeutender ist, unterstrich Friedrich Egberink vom Förderverein des Museums. „In der Fachliteratur zu Gräberfunden in der Prignitz wird die Gürteldose beschrieben“, berichtet der Havelberger.

Die Dose wird, wie manch anderes bei Baggerarbeiten auf dem Flussgrund gefundene Exponat, eine Opfergabe gewesen sein. „Das war damals an Flussmündungen üblich“, berichtet Antje Reichel. In der Ausstellung ist zum Beispiel auch eine verzierte Bronzedose zu sehen, die aus der Zeit um 1500 vor Christus stammt und an einer heiligen Stätte bei Pröttlin in der Prignitz vergraben war. Ein weiteres interessantes Objekt ist eine Gürtelkette aus Bronze, die aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus stammt. Sie wurde in der Havel bei Nitzow entdeckt und dürfte ebenfalls eine Opfergabe an eine Gottheit gewesen sein. Sie ist 2,10 Meter lang und wiegt drei Kilogramm. „Das besondere daran ist, dass die Kette massiv ist“, sagt Joachim Jendersie. Die Kette, die laut Museum als Meisterstück des germanischen Bronzehandwerks gilt, hat er bei seinem Aufenthalt konserviert.