Havelberg l  Mit ihm ist ein Mensch gegangen, der viel für seine Heimatstadt geleistet hat und dessen Tod eine große Lücke im gesellschaftlichen und politischen Leben der Stadt hinterlässt.

Ein wichtiges Stück Geschichte hat Fred Lähns im Sportverein SV 90 mitgeschrieben. Dieser größte Sportverein der Stadt, der mit seinen elf Abteilungen eine breite Palette sportlicher Interessen bedient, steht nach dem Tod seines Vereinsvorsitzenden vor einer der größten Herausforderungen in der über 60-jährigen Geschichte, sagt Vorstandsmitglied Lothar Riemann. Die entstandene Lücke gilt es personell und inhaltlich zu schließen. Jedes für sich allein genommen ist schon schwer genug. Die Vorstandswahl am 28. Januar wird zeigen, ob eine personelle Neuaufstellung gelingt und die Zeit wird Aufschluss geben, ob der Verein sich weiterhin in ruhiger See bewegen wird. Die Vereinsmitglieder gehen davon aus, dass es dem neuen Vorstand gelingen wird, auch weiterhin für einen soliden Fortbestand des Vereins zu sorgen. Ein Blick zurück und sich immer mal wieder die Handlungsweise und den Einsatz unseres verstorbenen Vorsitzenden als Orientierung zu nehmen, kann gewiss nicht schaden.“

Fred Lähns hat sich unzählige und unübersehbare Verdienste in seiner Arbeit als Vereinsvorsitzender erworben, heißt es von Seiten des Vorstands weiter. Er hat die Entwicklung des Vereins in verschiedensten Funktionen und Ämtern maßgeblich mitbestimmt. Seit 1966 Mitglied, fungierte Fred Lähns als Übungsleiter beim Kanurennsport und Basketball. Beide Sportarten gehören aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr zur Vereinsstruktur. 1996, als sich der Verein in einer schweren Krise befand, übernahm er den stellvertretenden Vorsitz und trug so erheblich zum Fortbestand des Vereins bei. Von 1998 bis zu seinem Tode war er Vorsitzender des SV 90 Havelberg.

Ausgeprägter Solidargedanke

In seine Amtszeit als Stellvertreter und Vorsitzender des Vereins fielen die Herauslösung der Sportstätten auf der Spül­insel (Kanu und Rudern) aus dem Verein, die Aufnahme der Sportvereinigung Dynamo Havelberg in den SV 90 und die Übertragung der Kegelbahn durch die Stadt. „Das waren enorme Belastungen und Herausforderungen, die zu bewältigen waren, denn jeder kann sich vorstellen, dass Veränderungen in der Vereinsstruktur sich nicht ohne emotionale Spannungen vollziehen, und auch jeder wird wissen, dass die Übernahme eines Vereins­objektes mit schweren finanziellen Unwegsamkeiten verbunden ist. Doch dank vieler fleißiger und selbstloser Frauen und Männer im Vorstand und einer Vereinsleitung unter Fred Lähns, der mit Ruhe, Sachverstand, einem ausgeprägten Vereins – und Solidargedanken sowie einer soliden Haushaltspolitik führte, steht der Verein heute mit seinem Vereinsheim Kegelhalle auf gesunden Füßen“, schätzt Lothar Riemann ein.

„Nach 17 Jahren Vereinsvorsitz hat Fred Lähns seinen Verein verlassen, nicht freiwillig, denn er hatte noch einiges vor. Dabei entspricht es ganz und gar nicht seiner Philosophie, die Dinge unerledigt zu hinterlassen. Das müssen nun andere erledigen und eine Vereinskultur in seinem Sinne und nach seinen hohen Ansprüchen fortschreiben. Sein langjähriges Wirken und sein Engagement für den Verein wurde auch weit über die Vereinsgrenzen hinaus anerkannt und wertschätzend honoriert. So erhielt Fred neben vielen anderen Auszeichnungen auch die Ehrennadel des Landessportbundes in Gold. Diese wurde ihm zu seinem 60. Geburtstag verliehen.

Wir, die Sportlerinnen und Sportler des SV 90, haben durch Freds Tod nicht nur den Mann in der ersten Reihe, den Sportfunktionär, verloren, uns fehlt auch ein guter Sportkamerad. Neben aller Verantwortung, die er für Bilanzen, Zahlen und eine stabile Vereinsentwicklung zeigte, war er auch Sportler, trainierte in der Abteilung Badminton, schaute gern in die anderen Sektionen des Vereins und sorgte für ein geselliges Vereinsleben. Diese Dinge, Vorstandsarbeit und Wirken an der Basis, waren ihm wichtig und füllten sein Amt aus.

Das Vereinskegeln am 8. Januar findet ohne Fred statt. Eine unumstößliche Tatsache, mit der jeder umgehen muss. Er wird jedoch in Gedanken oder in Gesprächen am Rande des Turniers in unserer Mitte sein. Zu diesem Anlass und auch weit darüber hinaus wird er fehlen, werden wir ihn vermissen. Was bleibt, das ist unser großer Dank für sein Wirken, die ehrende Achtung seiner Leistungen und unsere Verpflichtung, in seinem Sinne zu handeln.“

Er hat sich nie verbiegen lassen

Tief sitzt der Schmerz auch bei der Fraktion der Linken im Havelberger Stadtrat. „Fred fehlt in der Fraktion. Seine Fachkompetenz ist nicht zu ersetzen“, sagt Fraktionsvorsitzender Herbert Luksch. Durch seine Arbeit als Makler hatte er einen großen Einblick und brachte viel Sachverstand mit. „Das muss erstmal kompensiert werden. Man konnte sich stets auf ihn verlassen. Sein Wissen war auch fraktionsübergreifend gefragt, viele holten sich fachlichen Rat bei ihm. Sein Tod ist ein großer Verlust für Havelberg“, würdigt Herbert Luksch.

Er selbst vermisst auch die sonntäglichen Gespräche mit Fred Lähns am Lokschuppen bei einer Flasche Bier. Da ging es um dies und das und beide unterhielten sich über manche Probleme, die das Stadtgeschehen betreffen. „Genauso wie ich war auch er parteilos. Er hat sich nie verbiegen lassen, hat immer gesagt, was er denkt. Etwa beim Thema Bundeswehr, wogegen sich die Linke wehrt. Wir waren immer der Ansicht, dass wir sie brauchen“, nennt der Fraktionsvositzende nur ein Beispiel.

Seit 2004 gehörte Fred Lähns dem neugewählten Stadtrat an und übernahm den Vorsitz des Bauausschusses. 2009 wurde er zudem Vorsitzender der Linksfraktion, bis 2011 Herbert Luksch diese Funktion übernahm. Im 2014 neu gewählten Stadtrat hatte die Linksfraktion den Zugriff auf den Bauausschuss verloren, der gebürtige Kuhlhausener leitete den Ausschuss für Umwelt, Ordnung und Tourismus. „Fred Lähns war eine gestandene Persönlichkeit. Ob es um Haushalt, Grundstücke oder Gesellschaften ging, sein Fachwissen war immer gefragt. Dabei stand für ihn das Interesse der Stadt im Vordergrund“, sagt Herbert Luksch.

Kurz vor seinem Tod hatte die Fraktion der Linken ein Fotobuch angefertigt, in dem viele Aufnahmen auch aus dem Volksstimme-Archiv Fred Lähns bei verschiedenen Aktivitäten etwa in Sportverein und Stadtrat zeigen. Alle Stadträte hatten unterschrieben und Anke Dorsch überbrachte es dem Schwerkranken als Dankeschön für seine geleistete Arbeit.