Bereits geplante Veranstaltungen

Sonnabend, 24. März, 14 Uhr: Osterbasteln mit Naturmaterialien

Im Mai zum Tag der biologischen Vielfalt: Vogelstimmenwanderung durch das Mühlenholz mit Stefan Fischer.

18. Juni bis 20. August: Die Glasarche legt am Haus der Flüsse an. Das Motto: Kunst trifft Naturschutz. Die fünf Meter große gläserne Arche, getragen von einer Hand aus Eichenholz, wird im Eingangsbereich aufgebaut und macht die Zerbrechlichkeit der Natur bewusst. Im Haus gibt es Tafeln mit Infos zu den Künstlern.

Im September: Fledermausnacht mit der Arbeitsgruppe Fledermausschutz.

Der Eintritt ins Haus der Flüsse ist kostenlos, mehr unter www.haus-der-fluesse.de

Havelberg l „Es können gern mehr Besucher im Haus der Flüsse sein. Wir werden versuchen, mit gezielten Veranstaltungen die Leute zu motivieren, öfter hereinzuschauen“, sagt Stefan Fischer. Als Fachbereichsleiter Nord des Biosphärenreservates Mittelelbe ist er seit gut einem Jahr auch für das Informationszentrum Natura 2000 in der Havelberger Elbstraße zuständig. Rund 15.000 Besucher wurden 2017 im Haus der Flüsse gezählt. Das sind um die 2000 weniger als im Jahr zuvor. „Damit sind wir nicht ganz zufrieden und haben uns Gedanken gemacht, wie wir diese Zahl erhöhen können. Allerdings spielt auch der Umstand eine Rolle, dass wir nicht ganz so leicht mit dem Öffentlichen Personennahverkehr zu erreichen sind und es ist auch eine Frage des Personals.“ Jeannette Solloch und Klaus Schlegelmilch sind die beiden festen Mitarbeiter im Haus, eine dritte Stelle ist schon seit längerem nicht besetzt. Klaus Schlegelmilch geht Ende März in den Ruhestand. Derzeit läuft eine Stellenausschreibung mit umweltpädagogischem Hintergrund.

Stefan Fischer hofft auf eine zeitnahe Besetzung der Stelle. Denn wenn am 1. April wieder die Saison beginnt und das Haus täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet ist, wird ausreichend Personal benötigt. Zwar übernehmen auch die vier Naturwachtmitarbeiter der Stationen in Ferchels und Arneburg Dienste, doch haben sie mit Führungen, Gebietskontrollen und Artenschutzerfassung auch andere wichtige Aufgaben zu erledigen. Hinzu kommt, dass Stefan Fischer wieder zurückgeht an die Vogelschutzwarte Steckby. Also muss auch seine Stelle neu besetzt werden. „Angesichts der knappen personellen Besetzung ist es natürlich schwierig, zusätzliche Angebote zu schaffen.“ Dennoch ist einiges in Arbeit. So sollen die Umweltbildungsangebote zur Sensibilisierung für Natura 2000 verbessert werden. Dafür läuft über Eler eine Förderung und es wird ein Konzept auch mit Blick auf die Kooperation mit anderen Umweltbildungsträgern erarbeitet. Das Ziel ist, bis Oktober eine Broschüre mit Umweltangeboten für Kinder und Jugendliche zu erarbeiten. „Ob Insektenbeobachtung auf der Wiese, Tümpeln, Bastel­angebote – es gibt vieles, was sich dafür anbietet. Aber das muss personell untersetzt sein, eine Zwei-Mann-Besetzung für das Haus der Flüsse wäre optimal.“ Bei Projekten denkt Stefan Fischer an Nachhaltigkeit und nennt Solar und Windkraft. Auch das Zubereiten von Gerichten mit Produkten aus der Region wäre vorstellbar. „Das Spektrum ist riesig und je mehr Angebote wir unterbreiten, desto interessanter werden wir.“

Zum Thema Natura 2000 sieht er einen „unheimlichen Bedarf an Aufklärungsarbeit. Denn Fakt ist, wenn wir die Naturschutzgebiete und Tierarten erhalten wollen, können wir nicht so wirtschaften wie bisher“. Aus Naturschutzsicht werde noch viel zu wenig getan und es würden große Kompromisse angeboten. „Wenn es darum geht, dass Eisbären, Löwen, Elefanten und Regenwald zu schützen sind, hat jeder Verständnis dafür. Anders sieht es aus, wenn wir hier vor unserer Haustür Kiebitz und Brachvogel effektiv schützen wollen. Wir haben derzeit weiträumig massiv gestörte Lebensräume, die Vögel haben es schwer mit ihrer Brut. Schutzzonen sollten deshalb mit viel Augenmaß eingerichtet werden. Für die Menschen gibt es trotzdem noch große Bereiche, in denen sie sich bewegen können“, nimmt der Biologe Bezug auf das aktuell diskutierte Thema.

Attraktive Vogelbeobachtungen

„Man erlebt es als Naturschützer immer wieder. Da sitzt ein Angler direkt an einem Vogelnest, zum Beispiel an einer Eisvogelhöhle. Dadurch wird der Vogel gestört. Auch die vielen Tierfotografen sollten mehr Rücksicht nehmen, um ihrem Hobby naturverträglich nachzugehen. Wir müssen noch viel offensiver werden und eine Sympathiewerbung für Arten und Gebiete vornehmen. Die touristischen Nutzer sollten Naturschutz als Chance sehen“, ist seine Meinung. Deshalb wäre auch eine Broschüre über die Bedeutung der Natura 2000 Gebiete und wie man sie erleben kann von Vorteil.

Geplant ist vom Biosphärenreservat aus für dieses Jahr die Erneuerung der drei Aussichtstürme nahe Wöplitz, Jederitz und Neuschollene. „Damit machen wir Gebiete zugänglich und wir machen die Vogelbeobachtungen auch noch attraktiver“, spricht Stefan Fischer das „Birding“ an. Ein Hobby, das sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Geplant ist zur Verbesserung der naturtouristischen Infrastruktur an Beobachtungstürmen und Infostellen QR-Codes anzubringen. Über „ornitho.de“ gibt es einerseits Auskünfte über die Vogelwelt der Region aufs Handy, andererseits können Interessierte selbst Beobachtungen eingeben. Bislang sind es bereits über 20.000 Personen, die sich daran beteiligen. Im Bereich der Mittelelbe als eine Modellregion sind 20 solcher Tafeln geplant, in der Elb-Havel-Region fünf. Das läuft unter dem Dach des DDA – der Zusammenschluss aller landesweiten und regionalen ornithologischen Verbände in Deutschland.

Für sehr wichtig hält Stefan Fischer die Arbeit der Juniorranger, von denen es im nördlichen Bereich des Biosphärenreservates 13 Gruppen in der Regel an Grundschulen und Kitas gibt. „Kinder sind gute Multiplikatoren für den Naturschutz. Eine Idee ist auch, hier am Haus der Flüsse eine Arbeitsgemeinschaft zu etablieren.“

Trotz Personalknappheit gibt es bereits einige fest geplante Termine für Veranstaltungen, die dazu beitragen sollen, mehr Besucher für das Haus der Flüsse, das anlässlich der Bundesgartenschau 2015 in Havelberg vom Biosphärenreservat Mittelelbe errichtet wurde, zu interessieren. So macht auch die GlasArche hier im Sommer Station.