Elb-Havel-Region l So mancher Gast fühlte sich am Himmelfahrtstag, als die ersten Gaststätten und Hotels mit einer Sondergenehmigung erstmals wieder öffnen durften, ein wenig an alte DDR-Zeiten erinnert. Denn es wurde wieder platziert. Das ist nötig, damit Tisch und Stühle vorab desinfiziert werden können. In der Schiffsgaststätte Kamern weist am Eingang eine große Tafel auf die neuen Regeln hin, welche die Pandemie derzeit erforderlich macht. Insgesamt 24 Punkte sind aufgelistet – welche wohl kaum ein Gast durchgelesen haben dürfte.

Dazu gehört auch die Maskenpflicht – zumindestens wenn man zum Platz oder zur Toilette geht. Auf jedem Tisch liegt ein Zettel, auf welchem die persönlichen Daten zu notieren sind. Dies ist nötig, damit die Gesundheitsämter im Fall der Fälle – wie aktuell in Friesland – die Infektionsketten nachverfolgen können. Jeder Wirt muss die Listen vier Wochen aufbewahren und dann vernichten.

Weniger Sitzplätze

Gastwirt Michael König, der die Gäste wie sein Team mit einem Visier bediente, war über den Zuspruch am Himmelfahrtstag zufrieden. Obwohl dieser geringer als in den Vorjahren ausgefallen war. „Die Leute waren froh, dass sie wieder rauskonnten“, ist er überzeugt. Gut dran waren all jene, die vorbestellt hatten. Denn das Angebot an Plätzen ist vor allem drinnen im Schiff reduziert. Gab es hier einst 36 Sitzplätze, sind es aktuell wegen der Abstandsregeln nur noch 22. Dafür durfte der Biergarten erweitert werden, hier auf der Wiese ist ja genug Platz. Am Freitag war schon eine Hochzeitsgesellschaft zu Gast, Pfingsten ist eine goldene Hochzeit angemeldet. Dann wird der Biergarten noch etwas ausgeweitet.

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„Wir sind wieder da! Hurra!“ steht auf einem Tischtuch in Warnau am Abzweig zur „Fischerstube“. Wirtin Sabine Schulze tut damit allen ihre große Freude über das Ende der zweimonatigen Zwangspause kund. „Am 20. März hatten wir den letzten Tag geöffnet“, berichtet sie.

Bis abends zu tun

Am Freitag hatte sie die gesamte Zeit bis zum späten Abend gut zu tun, die Terrasse war gut gefüllt. „Ich konnte viele Stammgäste begrüßen“, freut sie sich. Traurig ist die Wirtin, dass die Tische jetzt nicht mehr dekoriert werden dürfen, auch die Decken fehlen, „das tut mir ein bisschen weh“. Eine hübsche Deko mache doch einiges her, sogar Salz- und Pfefferstreuer fehlen.

Die fünf Angestellten waren die Zeit über in Kurzarbeit, je nachdem wie der Zuspruch sich entwickelt, könnten sie nach und nach zurückkehren. Gestartet wurde erst mal nur mit der Köchin: „Ich weiß ja vorab nicht, wie der Zuspruch ist, wir fangen erst mal klein an.“ Auch die Karte wurde abgespeckt. Vorerst dürfen leider nur Gäste aus Sachsen-Anhalt empfangen werden, was in einer Grenzregion wie dem Quappenwinkel schmerzt.

Stimme und Finger sind nun rau

„Wegen des Desinfektionsmittels haben meine Finger schon ganz schön gelitten, auch muss man unter der Maske lauter sprechen, so dass ich auch etwas heiser bin“, berichtet die Warnauerin von den Folgen der ungewohnten Umstände.

Im Havelberger Gasthaus „Mühlenholz“ gönnt sich Daniela Lindholz, die Tochter der Chefin, gerade eine kurze Pause. „Gestern hatten wir hier ordentlich Betrieb“, berichtet sie vom Eröffnungstag. Mittags wurde geöffnet, bis zum Abend hatte das Team alle Hände voll zu tun. Viele Touristen waren unterwegs, auch hier wurden natürlich alle platziert – eine Vorschrift vom Dehoga-Verband. Die Sitzplätze im Biergarten unter den alten Eichen und inmitten der blühenden Rhododendren mussten wegen der Mindestabstände reduziert werden – von 140 auf 60 Stühle. Der relativ kleine Gastraum kann darum gar nicht genutzt werden, statt dessen wird drinnen im Saal bedient.

Speisekarte ist abgespeckt

Die auch hier etwas abgespeckten Speisekarten sind wie auch in Kamern laminiert, sie werden nach jedem Wechsel desinfiziert. „Auch füllten fast alle Gäste anstandslos die Kontaktformulare aus“, informiert Daniela Lindholz. Nur ein Radlerpärchen hatte am Eingang kehrt gemacht, als es von den Vorgaben las.

Kellner Ahmet Polat bedient gerade Christina Blume, sie ist mit einer Freundin zu Gast. „Es ist super, dass die Gaststätten endlich wieder geöffnet haben“, freut sich die Havelbergerin. Sie habe lange auf diesen Zeitpunkt gewartet. Vorab ist sie viel geradelt und hat sogar neue Ecken entdeckt.

„Das sind nicht wir, so kann man nicht der Gastgeber sein, der man sein möchte“, muss sich Kerstin Maslow vom Bilderbuch-Café in Havelberg erst an die lästige Maskenpflicht gewöhnen. Ihre sieben Mitarbeiter sind alle noch in Kurzarbeit, in der kleinen Küche ist die Abstandsregelung schlecht einzuhalten. Ärgerlich sei, dass sich manche Gäste schon hinsetzen, obwohl der Tisch noch gar nicht vorbereitet sei.

Auf Touristen muss Bianca Ballendat vom Sandauer „Schützenhaus“ vorerst verzichten, denn die Stadt ist wegen des Straßenbaus abgeriegelt. Zu Pfingsten wollen sie noch Hinweisschilder an der Umfahrung aufstellen, denn im Fehnweg kann man nah am Gasthaus parken. Ja, man könnte sogar vorsichtig über den breiten Fußweg bis zum Parkplatz fahren.

"Eine blöde Situation"

Verhalten ist der Zuspruch bei Maik Rohrschneider im Schollener Gasthaus „Zur Linde“. Was vielleicht auch daran liegt, dass hier sonst vor allem Durchreisende halten. Doch darf er noch keine Gäste aus Brandenburg und Berlin willkommen heißen, erst ab dem 28. Mai. „Eine blöde Situation,“ findet er. Seine vier Angestellten sind noch in Kurzarbeit.

Die vom Staat angebotene Soforthilfe hatte auch er in Anspruch nehmen müssen, 30 Tage hatte es mit der Auszahlung gedauert. Dabei musste er erfahren, wie unterschiedlich die Banken in der Krise reagieren: Während ihn die eine als Hausbank mahnte, doch endlich sein Konto auszugleichen und mit Dispozinsen drohte, bot ihm die andere hingegen Unterstützung an.