Neuermark-Lübars l In einer bewegten Zeit hatten sich die aus Neuermark-Lübars stammende Anita Kieselbach und der Stendaler Niels Rother kennengelernt – und in einer noch bewegteren Zeit – nämlich jetzt – geheiratet. Im Mai 2013 lernten sie sich kennen und waren seit dem 22. Mai ein Paar. Kurz danach brach der Fischbecker Deich, Anita Kieselbach half ihren Eltern auf der „Insel“ Neuermark-Lübars. Nach der gemeinsam bewältigten Katastrophe war klar, dass beide zusammengehören. Alsbald zog man danach zusammen, jetzt leben beide in Stendal – aber Neuermark bleibt die zweite Heimat.

2015 beim 30. Geburtstag der Braut folgte der Heiratsantrag, seit zwei Jahren stand der Hochzeitstermin: Es sollte der erste Tag des achten gemeinsamen Jahres sein, der 22. Mai 2020. Seit einem Jahr liefen die Planungen für Polterabend und Hochzeit. Beide sind in diversen Vereinen aktiv und rechneten darum mit 150 bis 200 Gästen beim Polterabend. „Es sollte eigentlich eine große Sause werden, letztendlich saßen wir mit den erlaubten fünf Personen im Garten“, blickte die Braut traurig zurück. Dass das „verflixte siebente Jahr“ so endet, hätte niemand gedacht. Dennoch haben sich manche Freunde etwas einfallen lassen. So kam aus aus Hannover ein Poltervideo – dort wurde halt mal rasch im eigenen Garten gepoltert.

Feier musste verschoben werden

Seit September lief die Planung auf Hochtouren, im Januar war sie abgeschlossen: Bekleidungen und Dekorationen waren ausgewählt, Musiker, Fotograf, Caterer, Hochzeitstorte und Zimmer für die Gäste gebucht. Im April sollte es letzte Absprachen geben – da kam der Ausnahmezustand. „Die Trauung zu verschieben, stand für uns aber nie zur Debatte“, berichtete die Braut.

Bis zuletzt hegte das Paar die Hoffung, dass es aufgrund der ersten Lockerungen und geringer Infektionszahlen doch noch eine Feier geben könnte. Am 12. Mai wurde schweren Herzens alles abgesagt. Mit der Schiffsgaststätte in Kamern und dem Reiterhof Kuhn klappte die Terminverschiebung auf September ganz unkompliziert, doch konnte Musiker Heiko Kurze den neuen Termin leider nicht wahrnehmen – da steht ein Konzert mit der Band im Kalender.

Das Pandemie-Prozedere bei der standesamtlichen Trauung in der Stendaler Katharinenkirche war gewöhnungsbedürftig: Betreten wurde die Kirche auch vom Brautpaar mit Mundschutz (natürlich ebenfalls aus weißem Tüll wie das Brautkleid), drinnen war den Gästen ein Mindestabstand vorgeschrieben. Statt der 80 geladenen Gäste durften darum nur Eltern, Trauzeugen und Geschwister anwesend sein. Froh war das Paar, dass wenigstens der Fotograf noch mit reinkommen durfte.