Schulentwicklungspläne

Plakate fordern Erhalt der Selbständigkeit der Sandauer Grundschule

Schüler und Eltern wollen die Sandauer Grundschule entgegen der Planung der Verbandsgemeinde als eigenständige Einrichtung erhalten. Banner und Plakate in der Elbestadt künden davon.

Von Ingo Freihorst
Auch Eltern wie Nancy Stuhlmacher (4. von rechts), deren Kinder erst zukünftig die Grundschule besuchen werden,  kämpfen für deren Erhalt. Am Freitag wurden Banner an allen drei Ortseingängen angebracht – hier in der Havelberger Straße.
Auch Eltern wie Nancy Stuhlmacher (4. von rechts), deren Kinder erst zukünftig die Grundschule besuchen werden, kämpfen für deren Erhalt. Am Freitag wurden Banner an allen drei Ortseingängen angebracht – hier in der Havelberger Straße. Foto: Ingo Freihorst

Sandau/Kamern

Quelle

„Ihr heute für uns – wir morgen für Euch“ ist auf dem Banner zu lesen, was am Ortsausgang nach Havelberg hängt. Soll heißen, dass sich die Sandauer Eltern dafür stark machen, dass die Grundschule als eigenständige Einrichtung erhalten bleibt. Das verlangen auch die Grundschüler, sie fertigten – wie bereits berichtet – Plakate an.

„Es fehlen doch nur wenige Schüler, um die Eigenständigkeit unserer Schule zu erhalten“, argumentiert Nancy Stuhlmacher. Sie ist Mitglied im Elternkuratorium der Kindertagesstätte und möchte, dass auch ihre Kinder noch in Sandau beschult werden. Weshalb sie auch alle anderen Sandauer Eltern darum bittet, ihre Schulkinder hier anzumelden. „Wir müssen gerade in dieser Zeit Präsenz zeigen, für die Region ist unsere Schule sehr wichtig!“

Schüler fertigten sechs Plakate selber an

Die Idee zur Plakat-Aktion stammt vom Lehrerkollegium. Denn die Schüler hatten von den Diskussionen um die künftigen Schuleinzugsgebiete in der Zeitung gelesen und fragten ihre Lehrer, ob denn die Schule wirklich geschlossen werden soll – auch mit Blick auf jüngere Geschwister. „Von diesem Moment an verfolgten wir gemeinsam die Presse“, berichtete Schulleiterin Marion Kaluza. Die älteren Schüler wollten wissen, ob und wie man für die Schule kämpfen könne – es kam der Vorschlag zur Plakat-Aktion.

Letztendlich fertigten die Kinder in der Notbetreuung sechs Plakate, welche im Stadtgebiet nach und nach aufgehängt werden. Das erste prangt auf der Wiese an der Feuerwehr, der Bauhof half den Grundschülern beim Anbringen. Auch Wimpelketten wurden gespannt, um für Aufmerksamkeit zu sorgen.

Worte der Politiker sind nur eine Floskel

„Immer wieder ist zu hören, dass wir in die Zukunft unserer Kinder investieren müssen, was aber leider nur eine Floskel ist, wegweisende Ideen sind selten“, bedauerte Marion Kaluza. Zwar sei durch den geplanten Verbund mit Schönhausen der Standort Sandau erst mal gesichert – doch herrscht bei den Eltern dadurch große Ungewissheit.

Dabei soll doch in Kürze in der Elbestadt ein neues Wohngebiet für junge Familien erschlossen werden, womit auch mehr Schüler kommen würden. Ohne Schule ist Sandau als Wohnort für Jüngere zudem weit weniger attraktiv.

Nancy Stuhlmacher hat sich vor Jahren schon einmal für die Schule eingesetzt, weshalb sie von Marion Kaluza gefragt wurde, ob sie bei der Plakat-Aktion mitwirken möchte. Sie gründete eine Whatsapp-Gruppe und scharte Verbündete aus Sandau und den umliegenden Orten um sich. Textvorschläge wurden gesammelt, mit Daniela Köhne fand sich zudem eine Sponsorin für die vier Banner. Marco Tietze stellte mit Hilfe der Agrargenossenschaft Strohballen zur Verfügung, welche an den Ortsausgängen nach Sandauerholz und Wulkau mit den Bannern versehen worden, am Ausgang nach Havelberg stellte Gastwirt Detlef Ballendat seine Werbetafel zur Verfügung. Und auch in Schönfeld wird ein Banner angebracht.

Verbandsbürgermeisterin ist vom Land enttäuscht

Die Schule war auch Thema auf der Ratssitzung am Donnerstag in Kamern, wozu Verbandsbürgermeisterin Steffi Friedebold eigens angereist war. Sie informierte die Ratsmitglieder, dass ein Verbund mit Klietz besser gewesen wäre, doch muss ein Hauptstandort mindestens 80 Schüler haben – welche Klietz gerade so erreicht. Das ursprünglich favorisierte Havelberg zeigte kein Interesse an einem Verbund – so blieb nur Schönhausen. „Das ist nicht motivierend!“

Vorab hatte sie beim Land angefragt, ob ein Verbund Klietz-Sandau als Modellprojekt möglich wäre – das wurde abgelehnt, berichtete die Verbandsbürgermeisterin. Laut Landesregierung sollen die Schülerzahlen eigentlich flexibilisiert werden. Dass diese nun aber so starr an den Zahlen festhält, sei für sie unglaublich, meinte Steffi Friedebold. Denn Klietz hat um die 80 Schüler – und „die Entfernung nach Schönhausen ist nicht ohne“.

Nächstes Jahr würde der Verbund in Kraft treten. Neu ist, dass ein Teilstandort mindestens 40 Schüler benötigt. Ansonsten wird am Hauptstandort beschult. Damit die Kamernschen dann nicht an Klietz vorbei nach Schönhausen fahren müssten, würden in einem solchen Fall die Einzugsbereiche entsprechend geändert. Steffi Friedebold hofft, dass dies so rasch nicht eintritt. Die große Unbekannte bei Sandau ist allerdings, wie viele der künftigen Einschüler nach Havelberg oder an die Freie Schule nach Kamern gehen.

Die Grundschüler brachten auf der Wiese vorm Rathaus eine selbstgebastelte Wimpelkette an.
Die Grundschüler brachten auf der Wiese vorm Rathaus eine selbstgebastelte Wimpelkette an.
Foto: Ingo Freihorst