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Havelberger Schüler nutzten gestern zahlreich den "Zukunftstag für Mädchen und Jungen" Reparieren, Vorlesen und Streife fahren

Von Thomas Butzek und Dieter Haase 27.04.2012, 03:22

In den Berufsalltag hinein schnuppern. Am gestrigen Zukunftstag für Mädchen und Jungen konnten Havelberger Schüler erste praktische Erfahrungen sammeln.

Havelberg l Jedes Jahr findet am vierten Donnerstag im April der Zukunftstag für Mädchen und Jungen in Sachsen-Anhalt statt. Die Schüler haben an diesem Tag die Chance, sich über Berufe zu informieren, an die sie für ihre berufliche Zukunft oft nicht denken. Das sind zum Beispiel handwerkliche oder technische Berufe bei den Mädchen, soziale und pflegerische Berufe bei den Jungen.

In Havelberg haben sich die Schüler des Diesterweg-Gymnasiums und der Sekundarschule "Am Weinberg" mit den Klassenstufen 7 bis 9 am Zukunftstag beteiligt. Fast alle Mädchen und Jungen konnten diesen Tag in einem Betrieb, bei einem Dienstleister oder in öffentlichen Institutionen verbringen.

Doch mit dem Tausch der üblichen Rollenverteilung hat es nicht so ganz geklappt. Denn die meisten Jugendlichen sind in die typischen "Jungenberufe" oder "Mädchenberufe" gegangen. Viele Jungen suchten sich ganz klassische Berufe aus: Elektronik- und IT-Dienstleister, Försterei und Handwerk oder aber auch die Polizei. Felix Rauls nutzte die Gelegenheit und besuchte das Revierkommissariat der Wasserschutzpolizei, wo er gemeinsam mit den Beamten Fingerabdrücke nehmen und Spuren sichern konnte. Im Anschluss fuhr er mit Polizisten Streife auf der Elbe. Sein Berufswunsch, Polizist zu werden, hegt der Siebtklässler schon viele Jahre, deswegen hat er sich auch sehr auf diesen Tag gefreut und hofft, bald ein längeres Praktikum bei den Beamten machen zu können.

Florian Kroll aus Sandau schaute zum "einmal Reinschnuppern" bei Schornsteinfegermeister Thorsten Meier vorbei. "Bei einer Begegnung in Sandau hat er mir schon viel Interessantes über seinen Beruf erzählt", berichtete der 14-Jährige aus der 8. Klasse der Sekundarschule. "Das wollte ich nun auch selbst einmal sehen." Was Thorsten Meier ganz toll fand. "Ich könnte ganz gut noch jemanden in meinem Team gebrauchen", blickte er in die Zukunft. Denn erstens sei es schwer, heuzutage noch junge Leute für den Schornsteinfegerberuf zu finden, und zweitens verfügten sie dann meist nicht über die erforderlichen Voraussetzungen dafür. "Denn vor allem in Chemie und Physik muss man in der Schule ganz doll aufpassen, um dafür geeignet zu sein", erklärte der Meister. Florian Kroll zeigte sich gestern jedenfalls sehr interessiert und war ein guter Zuhörer. "Ich könnte mir schon vorstellen, Schornsteinfeger zu werden", kommentierte der Schüler. In einem späteren einwöchigen Praktikum möchte er erste praktische Erfahrungen dafür sammeln.

Lehrreiche Stunden wurden auch den beiden Gymnasiasten Stephan Anklam (14) und Niclas Hedler (13) beschert. Sie durften unter Anleitung von Matthias Köpernick in der Werkstatt der Firma Marschner unter anderem einen Virencheck an einem PC machen, eine Festplatte auseinandernehmen und erhielten weitere spannende Einblicke in das Innenleben des Computers. "Am PC lässt sich immer wieder etwas Neues entdecken", begründete Niclas seine gestrige Entscheidung für die Firma Marschner. Und fügte an: "Im nächsten Jahr werde ich mich wahrscheinlich wieder hier anmelden." Ob die Informatik aber auch ein Teil seines späteren Berufs werden könnte, darauf wollte sich der 13-Jährige noch nicht festlegen. "Ich hab ja noch einige Jahre Zeit", schmunzelte er.

Bei den Mädchen waren Kindergärten, Schulen und die Gastronomie besonders beliebt. Ganz oben in der Gunst standen die Kindertagesstätten. Allein in den "Regenbogen" kamen sieben Schülerinnen und halfen den Tag über bei der Kinderbetreuung. Auch Wiebke Gorges und Mareike Wulsch aus der 7. Klasse des Gymnasiums und Angelina Habel aus der 8. Klasse der Sekundarschule gehörten dazu. Die meisten Schülerinnen waren schon selbst in jungen Jahren in der Kita und wollten mal schauen, welche Anforderungen der Beruf an sie stellt. Für Angelina Habel steht bereits fest, dass sie Erzieherin werden möchte. Obwohl recht arbeitsreich, verstärkte der Tag diesen Wunsch. "Auch wenn es sehr anstrengend ist, weil man sich am liebsten um jedes Kind gleichzeitig kümmern möchte, entschädigen die süßen Kleinen für alles", meinte die Schülerin. Im Juli will sie ein längeres Praktikum in einer Kindertagesstätte beginnen.