Sandau l Insgesamt 442 Quadratmeter Kirchendach werden in Sandau mit den schweren Biberschwanz-Ziegeln eingedeckt. Ein solcher Ziegel wiegt etwas über zwei Kilogramm, bei insgesamt 17.400 Ziegeln ist das eine Last fast 36 Tonnen, welche auf dem Dachgebälk aufliegt. Jeder Ziegel wird mit einer Klammer an der Lattung befestigt. Die Ausschreibung gewann ein Dachdecker aus Roßdorf im Jerichower Land.

Die Arbeiten im Innern der Kirche sind schon länger im Gange. Zimmerleute aus dem brandenburgischen Herzberg sanierten seit Oktober das komplette Dachgebälk. Dabei mussten sie mehr weit Balken auswechseln, als befürchtet worden war. Denn die großen Balken waren früher ins Fassadenmauerwerk verlegt worden – so hatte der Hausschwamm leichtes Spiel.

Sechs Sparren ausgetauscht

Sechs der großen Sparren mussten komplett ausgewechselt werden. Ebenso wurden Teile des Mauerwerkes abgetragen und neu gemauert. Was bei Frost nicht ging, weshalb im Winter eine Zwangspause eingelegt werden musste.

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Jetzt liegen die Querbalken (der Fachmann sagt Mauerpfetten) auf einer schmalen Mauer auf, ringsum ist viel Luft, erklärt Peter Busse, der als Vertreter des Bauherren, dem Sandauer Kirchspiel, fungiert. Ein weiteres Übel früherer Sanierungen: Der Bauschutt blieb neben den Balken liegen, die Nässe konnte sich in diesem prima halten. Jetzt ist hier alles sauber und hinterlüftet.

Der Dachboden der Kirche ist riesig, die riesigen Balken müssen oben das Dach tragen und unten dran hängt die Decke des Kirchenschiffs. Dabei werden die Deckenbalken nur mit Zug, nicht mit Druck belastet. Von einem Balken in der Mitte führen zwei andere schräg weg – dies nennt man Sprengwerk. An diesen schrägen Balken hängt die gesamte Decke des Schiffes.

Ein Extra-Dach über der Orgelempore

Die Zimmerer haben ihre Arbeiten inzwischen fast beendet. Zuletzt errichteten sie noch ein Extra-Dach auf dem Dachboden über der Orgelempore. Denn es könnte womöglich bei Schneetreiben doch etwas Nässe eindringen, wird vom Bauherrn befürchtet.

Die brandenburgischen Zimmerleute werden auch später wieder in der Kirche arbeiten, sie bekamen auch den Zuschlag für den nächsten Abschnitt. Das wären der Chor und die Süd-Sakristei. Peter Busse lobte die gute Zusammenarbeit, die Zimmerer zeigten viele Lösungen auf.

Das Dachgebälk stammt aus dem 18. Jahrhundert, es ist aus Kiefernholz, lediglich die Mauerpfetten sind aus Eiche. Jetzt müssen noch die Deckenbalken verkleidet werden. Das Holz dafür wird in einigen Tagen geliefert. Es hatte etwas länger gedauert, bis der Denkmalschutz einer Variante zugestimmt hatte. Diese ist der alten ähnlich, also Blaugrau.

Dabei sitzt den Bauherren die Zeit im Nacken, denn jeder Tag, an dem das riesige Baugerüst im Innern der Kirche steht, kostet allerhand Geld. Nunmehr ist Land in Sicht: Im September ist wieder das Jugendmusikfest in dem Gotteshaus eingeplant, bis dahin muss alles ausgeräumt sein.

Ein Refugium für die Schleiereule

Dann wird vielleicht auch wieder die Schleiereule in ihrem Refugium auf dem stillen Dachboden eingezogen sein. Ein Kasten für sie steht schon bereit, lächelt Peter Busse. Sie gelangt durch das Mauerkreuz im Hohen Chor ins Gebäude.

Wenn das Dach eingedeckt ist, werden die Zimmerleute noch einmal die Statik kontrollieren. Dann werden auch die Keile, welche jetzt noch in etlichen Holzverbindungen stecken, wieder entfernt. Denn die Konstruktion war ohne Last und dehnte sich aus.

Entfernt hatten die Zimmerleute auch diverse Granatsplitter aus den mächtigen Hölzern der Dachkonstruktion. Manche der Balken mussten sogar komplett ausgewechselt werden, sie waren zum Kriegsende im April 1945 beim Beschuss des Turmes glatt durchschossen worden.