Sandau l Das Treppenhaus über der Sandauer Arztpraxis ist derzeit mit Schränken vollgestellt. Stadtarbeiter Axel Bock und sein Kollege, der Hausmeister der Verbandsgemeinde Fred Henschel, mussten an dem Tage mal als Möbelträger fungieren – zum Glück bei erträglichen Temperaturen.

Am Mittwoch wurde das Zimmer von Stadtsekretärin Anke Frost im Dachgeschoss des Nebengebäudes eingerichtet, mit der Wasserwaage richteten die beiden Arbeiter die Tische aus. Überall stapelten sich die Kartons. Wegen des Umzuges ist die Stadtverwaltung derzeit telefonisch und per E-Mail nicht zu erreichen, die Geräte sind noch nicht wieder angeschlossen.

Auch die Info zog mit um

Mit bei Anke Frost zieht auch die Touristinformation ein, Touristikerin Gabi Blechschmidt hält den Raum am Vormittag offen, am Nachmittag ist hier dann die Verwaltung zu erreichen. Bislang war dieser Raum dem Bauamt als Pausenraum vorbehalten. Dessen Mitarbeiter sind schon vor einer Weile ausgezogen, sie sind nun in der einstigen Förderschule in Klietz untergebracht. Dem Vernehmen nach für die nächsten vier Jahre. Eine Rufumleitung ist eingerichtet, man muss beim Telefonieren also etwas warten.

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Ausgelagert wurde auch der Bestand der Bibliothek, die Bücher befinden sich nun im städtischen Archiv in der Grundschule. Allerdings können sie hier nicht ausgeliehen werden, bis zur Übergabe des sanierten Rathauses ist die Bibliothek also geschlossen.

Als letzter wird der Bürgermeister das Rathaus verlassen. Dessen künftiges Domizil, was sich ebenfalls im Dachgeschoss des Nebengebäudes befindet, wird derzeit noch gemalert. Diese Arbeiten sollen diese Woche beendet sein, dann kann der Umzug erfolgen. Und dann steht das stadtprägende Gebäude leer.

Amt bereitet europaweite Ausschreibung vor

Warum bereits jetzt, wo doch die europaweite Ausschreibung der Planungsleistungen für die Komplettsanierung vom Bauamt erst vorbereitet wird? Es kam ein Schreiben vom kreislichen Bauordnungsamt, wonach das über 300 Jahre alte Fachwerkgebäude wegen Einsturzgefahr umgehend leergezogen werden muss. Schon seit Jahren vibriert das gesamte Gebäude, wenn Schwerlaster auf der nahen Straße entlangfahren. Überall durchs Gebäude ziehen sich Risse, eine Komplettsanierung muss also dringendst erfolgen. Denn die Sanierungen, welche im Laufe der Jahre erfolgt waren, hatten dem alten Baukörper teils mehr geschadet als genutzt.

Laut ersten Planungen sollte mit dem Umbau in diesem Jahr begonnen werden, doch daraus wird nichts. Die europaweite Ausschreibung der Planungsleistungen, welche 2018 erfolgen sollte, wird jetzt erst vorbereitet. Läuft alles gut, kann der Planer zu Beginn nächsten Jahres seine Arbeit aufnehmen. Erstellt werden die Entwurfs- und die Fachplanungen – letztere zum Beispiel für Elektro, Brandschutz, Heizung und Sanitär. Danach wird erst noch die Genehmigungsplanung erstellt, so dass wahrscheinlich erst übernächstes Jahr mit einem Baustart zu rechnen ist.

Kosten schießen durch die Decke

Wie bei allen größeren Bauvorhaben in Deutschland schießen auch beim Sandauer Rathausumbau die geschätzten Kosten inzwischen durch die Decke. Anfangs waren es noch 2,1 Millionen Euro, der letzte Stand waren etwas über 3,5 Millionen Euro – inklusive der Fördermittel, welche zu je einem Drittel von Bund und Land fließen. Dieser Rahmen ist inzwischen laut Schätzungen schon überschritten.

Weshalb auf der Ratssitzung am Mittwoch das Thema im nichtöffentlichen Teil auf der Tagesordnung stehen wird. Planer und Statiker Dietmar Fessel aus Stendal wird dem Stadtrat Bericht erstatten.

Die Zeit drängt: Jedes Jahr Verzug kostet dem Bauherren zusätzliche geschätzte 100 000 Euro.