Klietz l Dass sich der Klietzer Rat diesmal im Schullandheim versammelte, hatte seinen Grund: Auf der Tagesordnung stand im nichtöffentlichen Teil auch ein Beschluss, welcher die Einrichtung betraf. Darin wurde beantragt, die Wochenarbeitsstunden der beiden hier beschäftigten Frauen weiterhin bei jeweils 25 statt vormals 20 Stunden zu belassen. Bei der letzten Variante waren bei jeder Frau zum Jahresende 300 Überstunden aufgelaufen, bei 25 Wochenstunden waren es lediglich um die 100 Stunden.

Doch stieß der Antrag nicht bei allen Ratsmitgliedern auf Verständnis, wie sich bei der Führung durch das Haus herausstellte. So hatte es den Vorschlag gegeben, über den Winter, wo das Heim nicht belegt ist, nur zehn Wochenstunden zu arbeiten, wie Torsten Peters anmerkte. Dieser war aber abgelehnt worden.

Auch im Winter tägliche Arbeiten nötig

Auch in dieser Zeit seien täglich Arbeiten im Haus nötig, wie das Waschen der Gardinen oder die Reinigung, begründete der pädagogische Heimleiter Stefan Kertz. Zwischen April und September sei das Heim auch dieses Jahr wieder voll ausgelastet. Sind unter 30 Kinder zu Gast, reiche eine Frau, kommen mehr, seien zwei Frauen im Heim nötig. Sie verpflegen die Gäste und sind fürs Säubern von Speiseraum, Küche und Treppenhaus zuständig; die Zimmer und Sanitärräume säubert eine Firma. Und zwar ab dem 1. März die Sanitärbereiche fünf Mal die Woche und die Zimmer einmal – oder nach Abreise. Im Winter erfolgt dies natürlich weit seltener. Bezahlt wird die Firma aus den Einnahmen.

Das Haus besitzt seit der Erweiterung im Jahre 2006 insgesamt 50 Betten, weshalb zwei Klassen anreisen können. Vorher gab es nur 30 Betten. Das Gros der Klassen bleibt drei Tage. Besucher, welche eine weitere Anreise haben – unter anderem aus Halberstadt, Berlin, Potsdam oder Dessau-Roßlau – bleiben auch mal eine Woche. Ein treuer Gast ist der Berliner Verein „Wildfang“, welcher seit Jahren mehrere Wochen in den Sommerfe­rien nach Klietz kommt – und dieses Jahr zusätzlich erstmals über Ostern.

Bei jedem Besucher sei eine Übergabe und eine Abnahme nötig, erklärte Stefan Kertz. Frühstück und Abendbrot werden durch seine Angestellten zubereitet, das Mittagessen wird geliefert. Man achtet bei der Verpflegung zwar auf Sparsamkeit, die Gäste sollen aber auch satt werden – sonst bleiben sie weg. „Das A und O ist bei uns die Mundpropaganda“, erklärte Stefan Kertz dazu.

Flexibel einsetzen, um Überstunden abzubauen

„Dies ist hier aber ein Schullandheim und kein Hotel“, erklärte Helmut Lemme. Er plädiere ohnehin dafür, die Einrichtung an die Verbandsgemeinde abzutreten, was aber in Klietz nicht gewünscht sei. Die Frauen müssten flexibel eingesetzt werden, dann könnten sie die Überstunden abbummeln. Auch dürften sie nur solche Arbeiten erledigen, wozu sie befugt seien, die Pflege der Außenanlagen gehöre nicht dazu.

Das Schullandheim werde den Winter über offen gehalten, um auch kurzfristige Übernachtungen zu ermöglichen und damit Einnahmen für die Gemeinde zu generieren, erklärte Stefan Kertz. Zum Beispiel gab es dieser Tage im Heim eine dreitägige Schiedsrichter-Ausbildung.