Schönhausen l Die Drei-Zimmer-Wohnung platzt aus allen Nähten, das kleine Kinderzimmer ist Werkstatt. Denn Thomas Mißfeld malt nicht nur, sondern er ist auch leidenschaftlicher Modellbauer. Alles, was er für die Bearbeitung von Holz braucht, ist hier aufgebaut. Dazwischen noch die neueste Errungenschaft: ein 3-D-Drucker. Hier entstehen zumeist die Figuren, die zu den hölzernen Modellen passen. So wie Maria und Josef und die Hirten in der Krippe, die der Schönhauser gerade gebaut hat, „für Muttern zu Weihnachten“. Die Krippe steht im Wohnzimmer, in Gesellschaft mit zwei großen Schiffsmodellen. Wieviele Stunden Arbeit da drin stecken? „Ach, das kann man nicht sagen. Ist ja auch nicht wichtig. Es braucht eben seine Zeit, soll ja gut aussehen und vor allem originalgetreu sein.“

Alle Wände sind mit Bildern „tapeziert"

Die Wände im Flur hängen voll mit seinen Bildern. Gleich am Eingang ein Porträt von Leonardo da Vinci, „mein großes Vorbild. Das ist auch unverkäuflich!“ Auch in der Küche wird jeder freie Platz an der Wand genutzt für Bilder in kleinem Rahmen. Groß sind dagegen die Leinwände, mit denen die Wände im Schlafzimmer „tapeziert“ sind. Es sind zumeist neue Werke, entstanden in den zurückliegenden Monaten. „Die finanzielle Unterstützung eines sehr guten Bekannten hat es mir möglich gemacht, Leinwände, eine gute Staffelei und Farben zu kaufen und mich endlich auf meinen Traum, auszustellen, vorzubereiten. Dafür brauche ich natürlich auch eine gewisse Anzahl Bilder.“ Der 54-Jährige gerät ins Träumen: „Ich bräuchte ein Atelier, wo ich alles stehen und liegen und nicht wie jetzt alles immer wieder wegräumen muss.“ Und zum Modellbau: „Gib mir eine Werkstatt und ich baue alles“, zeigt er auf dem Handy Fotos von originellen Vogelhäusern, die er gebaut und bemalt hat. „Ich hab‘ ja hier gar keinen Platz“, schaut er sich um und hadert mit den begrenzten Möglichkeiten.

Aber er macht das Beste draus und lässt sich in seinem Tatendrang nicht bremsen. Immer wieder schaut er bei Zimmerermeister Klaus Ritzmann in der Werkstatt vorbei. „Ein Traum! Hier kriege ich Holzreste und kann mir größere Stücke auch mal zurechtsägen. Das ist eine große Hilfe.“

Bilder

Viele Spuren hinterlassen

Auch wenn er bisher nicht ausgestellt hat, so hat Thomas Mißfeld doch so manche Spur hinterlassen: an Hauswänden, im Restaurants oder auch im Schönhauser Kindergarten, wo die Wanddekorationen im Dschungel und auf dem Bauernhof viele Jahre die Kinderaugen erfreuten. Und auch sonst ist Thomas Mißfeld für ungewöhnliche Aktionen bekannt: Zusammen mit zwei Bekannten baute er 2004 ein Floß, das an der Elbbrücke unter dem Beifall vieler Schaulustiger zu Wasser gelassen wurde und Richtung Hamburg trieb. Aus der geplanten Versteigerung zugunsten des Schönhauser Kindergartens wurde am Ende zwar nichts, aber immerhin war das mediale Interesse geweckt. Auch bei einem öffentlichen Boxkampf und einen Fußballspiel gegen Bauarbeiter der ICE-Strecke hatte Thomas Mißfeld mitgewirkt.

In Sport und Zeichnen gut

Malen war schon als Kind die Leidenschaft des Schönhausers. „Im Unterricht mit Herrn Brüggemann musste ich oft nach vorn an die Tafel und etwas vormalen.“ Erinnern kann er sich an einen laufenden Menschen, bei dem alle Proportionen und Bewegungen stimmen mussten. Und ihn begeisterte sein Lehrer. „Ich war ganz fasziniert von seinem „Schokoladenmädchen“, das im Original von Jean-Étienne Liotard zwischen 1743 und 1745 entstanden war.“ Auch Thomas Mißfeld hat sich als Jugendlicher daran versucht – das Ergebnis hängt noch heute als Erinnerung an die Schulzeit im Wohnzimmer. Und sonst in der Schule? „Ich war schlecht, nur im Malen und Basteln und im Sport war ich gut. Aber ich hab es trotzdem geschafft, Maler zu werden!“

Mit abstrakter Kunst nichts am Hut

Aber erst nach Umwegen. Er war einige Zeit auf Montage unterwegs. „Aber Heimat ist Heimat“, weshalb er wieder zurück nach Schönhausen gekommen und bei Thermoplast Arbeit gefunden hat. Und seit ein paar Jahren ist er Maler. Da kann Thomas Mißfeld zwar selten seiner eigenen Phantasien freien Lauf lassen, sondern muss das umsetzen, was der Kunde wünscht, „aber es macht Spaß.“ Dennoch: das Malen soll künftig noch mehr in den Mittelpunkt rücken. „Wenn ich ausstelle und auch ein paar meiner Bilder verkaufe, kann ich ja vielleicht davon leben. Ich habe schon ein paar Angebote, wo ich ausstellen könnte. Aber ich will hier in meinem Schönhausen damit anfangen.“ Deshalb will er demnächst das Gespräch mit dem Bürgermeister suchen und gemeinsam Ideen entwickeln, wo man die Bilder präsentieren könnte. Eines seiner Werke – der vor dem Schönhauser Schloss sitzende Fürst Otto von Bismarck – hängt seit geraumer Zeit im Ratszimmer. „Wenn jemand ein Foto mit einer schönen alten Schönhauser Ansicht hat, würde ich das gern haben, um es auf Leinwand zu bringen.“ Generell malt Thomas Mißfeld zumeist originalgetreu, auch Portraits gelingen ihm. Ab- strakter Kunst dagegen kann er nichts abgewinnen. „Jeder, wie es ihm gefällt. Aber mein Ding ist es nicht. Manchmal frage ich mich, ob das wirklich Kunst ist, wenn da ein paar Striche und Kleckse auf der Leinwand zu sehen sind. Ich hab das mal versucht, aber das macht mir keinen Spaß.“