Havelberg l Gekonnt klettern die Männer an den Gerüstteilen herum. Ebene für Ebene tragen sie die Stahlteile ab. Immer mehr wird die Figurengruppe des Triumphkreuzes im Havelberger Dom sichtbar. Endlich. Denn die Restaurierung ist schon seit einigen Wochen beendet. Restauratorin Christine Machate hatte teilweise mit Studierenden und Fachkolleginnen die Säuberung, Restaurierung und Fassungsuntersuchung im Juli und August vorgenommen. Doch nach Ende ihrer Arbeit musste das Gerüst noch stehen bleiben und sogar aufgestockt werden. Denn die Aufhängung im Gewölbe des Kirchenschiffes musste ausgebessert werden.

Nun sind alle Arbeiten beendet und das Triumphkreuz im Dom, das in das 13. Jahrhundert datiert wird, erstrahlt in frischen Farben. Die sind zwar nicht neu aufgebracht worden, doch der Schmutz der vergangenen 130 Jahre hatte sie verblassen lassen. Der grobe Schmutz wurde abgesaugt und dicke Krusten mit dem Spatel beseitigt beziehungsweise abradiert. Kleine Korrekturen wurden vorgenommen. „Es ist enorm, was sich dort für eine Staub- und Schmutzschicht angesammelt hat“, sagte Christine Machate während ihrer Arbeit im Sommer. Und: „Wenn man sich die Postkarten vom Triumphkreuz anschaut, ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht.“

Das findet auch der Baudirektor der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt Ralf Lindemann. „Das ist ein sehr schönes Ergebnis und sehr beeindruckend. Wir sind mit der Arbeit der Restauratorinnen sehr zufrieden“, sagt er am Freitag auf Volksstimme-Nachfrage. Die Kulturstiftung hatte die Restaurierung beauftragt. Im nächsten Jahr steht ein großes Jubiläum ins Haus: die Domweihe ist 850 Jahre her und wird am 16. August 2020 groß gefeiert.

Dann ist auch das Dach des Hauptschiffes erneuert. Im November kommen die neuen Ziegel und möglichst bis zum Jahresende soll das Dach neu eingedeckt sein, berichtet Ralf Lindemann.

Bei der Restaurierung des Triumphkreuzes, das Christus am Kreuz sowie die trauernden Maria und Johannes darstellt, wurden Proben von Farbschichten genommen, die Studierende der Fachhochschule Potsdam mit ihrer Dozentin Christine Fuchs untersuchen. Ziemlich sicher ist, dass die aus Eichenholz gefertigten Figuren im Ursprung viel Farbe trugen. Denn im Mittelalter war alles bunt, wohl auch der Lettner. Dass der Mantel der Maria eher grün als blau aussieht, liegt daran, dass beim „Preußischen“ oder „Berliner Blau“ viel Öl verwendet wurde.

Froh über die Restaurierung ist Pfarrer Frank Städler. „Schön, dass die Stiftung Geld dafür in die Hand genommen hat.“ Auch Museumsleiterin Antje Reichel freut sich über das strahlende Aussehen der Figurengruppe und dass sie nun, nach dem Abbau des Gerüstes, wieder gut sichtbar ist.