Havelberg/Klietz l Vor drei Jahren hatten sich die Klietzer Schüler im Unterricht mit dem Projekt „einheimische Vögel“ befasst. Dazu hatte sie sich einen ausgewiesenen Fachmann eingeladen: Der Wulkauer Manfred Kuhnert ist Ornithologe. Er berichtete ihnen auch von einem Artenhilfsprojekt in der Region: Um die Trauerseeschwalbe im Bundesland vor dem drohenden Aussterben zu retten, wurden im Landkreis künstliche Brutinseln für die Vögel entwickelt. 1991 hatten Andreas Berbig und Armin Wernicke in der damaligen Naturschutzstation Ferchels mit diesem Artenhilfsprojekt begonnen. Damals wurden nur noch 48 Brutpaare im Bundesland gezählt.

Der Wulkauer berichtete den Kindern auch, warum die Bestände einbrachen: Trauerseeschwalben stellen hohe Ansprüche an ihren Brutplatz. Sie errichten ihre Nester auf den Blättern von Krebsschere, Teich- oder Seerose. Vor allem die Krebsschere mit ihren scharfkantigen Blättern bot den Jungvögeln guten Schutz. Mit dem Rückgang dieser Pflanzen durch Zerstörung von Biotopen nahmen auch die Bestände der Vogelart ab. Zwischen 1970 und 2000 brachen in ganz Europa die Bestände um die Hälfte ein.

Arbeitsgemeinschaft "Holz" hilft

Manfred Kuhnert hatte eine Nisthilfe mitgebracht, welche das Interesse der Kinder weckte. Sie wollten ebenfalls einen Beitrag zum Arterhalt leisten – dass es an der Schule eine Arbeitsgemeinschaft „Holz“ gab, kam da sehr passend. Denn die Nisthilfen aus Holz werden im Laufe der Zeit marode, da sie ja lange im Wasser schwimmen. Auch ist es schwierig – und zudem recht teuer – diese wenigen Stückzahlen in Firmen herstellen zu lassen.

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So machten sich die Grundschüler vor drei Jahren erstmals ans Werk und stellten 25 Unterlagen her. Die selbe Anzahl wurde im Vorjahr produziert und noch einmal in diesem Jahr. Mit diesen 75 Nisthilfen ist Manfred Kuhnert nun erst einmal gut ausgestattet. Im kommenden Jahr soll darum einer anderen bedrohten Vogelart nahe Klietz geholfen werden: dem Wiedehopf. Der Vogel brütet auf dem Übungsplatz unter anderem in einem ausgedienten Panzer.

Schwalben kommen jetzt zurück

In diesen Tagen kehren die Trauerseeschwalben aus den Winterquartieren zurück, weshalb die Nester ausgebracht werden mussten. Manfred Kuhnert befestigt die Nistinseln dazu nach und nach an einer langen Schnur. An beiden Enden der Schnur hängen Steine als Anker, welche ein Abtreiben verhindern sollen. Früher waren es Stangen gewesen, an denen die Schnur mit einem Ring befestigt war und so den schwankenden Wasserstand ausgleichen konnte. Doch wurden diese geklaut – warum auch immer – und die Nester drifteten ab.

Insgesamt wurden in der Aderlaake in Havelberg 50 Nisthilfen zu Wasser gelassen. Weitere etwa 120 Behelfsnester werden in abgeschiedenen Gewässern zwischen Jederitz und Kümmernitz ausgebracht, um die 40 im Stremel oder auf dem Trintsee. Am Ende werden es etwa 200 Nisthilfen sein.

Bäume werden gepflanzt

„Dieses Jahr waren elf Kinder der Klassen 2 bis 4 am Nisthilfen-Projekt beteiligt“, berichtete Schulsozialarbeiterin Jaqueline Stempin. Demnächst soll auch direkt an der Grundschule etwas für den Erhalt der Vogelwelt getan werden, ergänzte Schulleiterin Christine Kapl: Laubbäume werden gepflanzt und Hecken angelegt. Schließlich heißt die Schule ja auch „Am Wäldchen“.

In der Unteren Havelniederung wurden im Vorjahr um die 120 Brutpaare gezählt – in ganz Deutschland sind es lediglich 700. Damit weist die Region um Havelberg die größte Ansammlung auf.

Meist werden drei Eier gelegt, nach 20 bis 22 Tagen schlüpfen die Nachkommen. Dass die Brut ohne menschliches Zutun nicht mehr gelingt, bewiesen Versuche in den Jahren 2003 und 2004, als keine Nisthilfen ausgebracht wurden: 2003 kamen in der unteren Havel lediglich fünf Bruten zustande, im Gülper See wurde erfolgreich auf angeschwemmten Schilfpflanzen gebrütet. Im Jahr darauf gab es in der Havel zwar 29 Brutpaare, die meisten blieben allerdings erfolglos.