Schönhausen l Verbandsbürgermeisterin Steffi Friedebold wollte die brisante Information eigentlich im nichtöffentlichen Teil der Verbandsratssitzung am Mittwochabend behandeln, doch wies Ratsmitglied Helga Paschke darauf hin, dass sich kurz zuvor schon der Kreistag damit öffentlich befasst hatte. Es ging einmal mehr um die Außenstelle Wust der Schönhauser Grundschule.

Erst zum Jahresende hatte es vom Landesschulamt dazu eine Information gegeben, wonach die Außenstelle bestehen bleiben soll, bis die Sanierungsarbeiten in Schönhausen abgeschlossen sind – was sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte.

Anderer Mitarbeiter, andere Meinung

Im neuen Schreiben vom Landesschulamt sieht ein anderer Mitarbeiter dies nun ganz anders: In der Grundschule Schönhausen bestehen nach einer aktuellen Überprüfung des Fachreferats die baulichen Voraussetzungen zur Beschulung auch der Schüler aus der Wuster Außenstelle. Die insgesamt 114 Grundschüler könnten in Schönhausen in fünf Klassen unterrichtet werden, was Klassenstärken von um die 23 Kinder bedeuten würde.

Eine Fortführung der Außenstelle Wust werde ab dem kommenden Schuljahr nicht mehr erfolgen, die Verbandsgemeinde als Träger solle ihre Planungen entsprechend ändern, hieß es in dem Schreiben, was Steffi Friedebold verlas.

„Damit hatte keiner gerechnet“, gestand die Verbandsbürgermeisterin. Sie selbst hatte diese Information erst wenige Tage zuvor vom Landrat Carsten Wulfänger erhalten. Am 11. April findet dazu im Landesschulamt eine Beratung statt, an welcher sie selbstverständlich teilnehmen wird.

Helga Paschke findet es skandalös, dass das Landesschulamt zwar den Landkreis als Träger der Schulentwicklungsplanung von den geänderten Plänen in Kenntnis setzte, nicht aber die Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land als Schulträger.

Gesamtzahl ist schon länger bekannt

Zudem sei dem Landesamt die Gesamtzahl der Schüler schon länger bekannt gewesen – jetzt sollten auf einmal doch alle Wuster in der Schönhauser Schule Platz finden? Seltsam nur, dass man dies im Schulamt noch im Dezember ganz anders sah – geändert habe sich ja zwischenzeitlich nichts.

„Der Zustand ist so nicht haltbar“, fand denn auch Ratsvorsitzender Wolfgang Gehrke. Er möchte dazu von der Verwaltung auch auf der kommenden Sitzung Anfang Mai informiert werden.

Im Landesschulamt wisse anscheinend die rechte Hand nicht, was die linke mache, kommentierte ein Ratsmitglied ironisch.

Seit letztem Schreiben keine Änderungen

Auch Wust-Fischbecks Bürgermeister Bodo Ladwig hatte als Kreistagsmitglied erst zusammen mit Helga Paschke von dem brisanten Schreiben Kenntnis erlangt. Auf Nachfrage erklärte er, dass dies wohl nicht der Weisheit letzter Schluss sei, es muss noch einiges abgeklärt werden: Welche Kommission hatte die Grundschule in Schönhausen besichtigt, welches Verfahren wurde angewandt? Erst vor einiger Zeit sei eine andere Kommission zu der Erkenntnis gelangt, dass in Schönhausen eine Beschulung der Wuster Kinder unter den aktuellen Bedingungen nicht möglich sei. Änderungen gab es seitdem nicht.

Helga Paschke informierte auf Nachfrage, dass damals bei insgesamt 120 Schülern die Auflage kam, einen Container als zusätzlichen Klassenraum aufzustellen. Aktuell sind es nur sechs Schüler weniger, da gehe es auf einmal ohne Container?

Die Schüler in Wust werden klassenübergreifend von zwei Pädagogen unterrichtet. Erst vor kurzem kam es wegen Krankheit zu personellen Engpässen, die Schüler sollten sogar zu Hause bleiben. Nach Ansicht einiger Eltern leide darunter auch die Unterrichtsqualität, sie nahmen ihre Kinder von der Schule und meldeten sie in der Privatschule in Stendal an. Mit der Schließung der Wuster Schule, welche spätestens mit dem Abschluss der Grundschulsanierung in Schönhausen erfolgen wird, steht noch ein anderes Problem im Raum: Wo kommt dann die Sommerschule unter?

Über Zukunft nachdenken

Sich über zukünftige Investitionen und Pläne in der Verbandsgemeinde Gedanken zu machen, regte auf der Verbandsratsversammlung auch Arno Brandt an. Angesichts der Tatsache, dass Bauvorhaben wie das Wuster Gerätehaus immer teurer würden, müsse man bedenken, wo dies einmal hinführen solle, mahnte er. Gleiches könne mit dem Kita-Neubau in Schönhausen passieren.

Man müsse auch nicht jedes Jahr ein neues Einsatzfahrzeug für die Feuerwehren kaufen, das könne sich die Verbandsgemeinde auf Dauer nicht leisten. Nicht jede kleine Ortsfeuerwehr müsse mit teurer Technik ausgestattet werden, meinte der Kamernsche Bürgermeister – selbst aktiver Kamerad.

Drei Standorte nötig?

Gleiches gelte für die drei Schulstandorte, auch dazu müsse intensiv diskutiert werden. Irgendwann komme der Zeitpunkt, wo die Verbandsgemeinde nicht mehr investieren könne. Nötig wäre ein Investitionskonzept, worin festgelegt wird, ob man einen oder drei Schulstandorte wolle.

Ratsmitglied Henry Wagner, Bürgermeister von Sandau, fand es traurig, dass wieder Dinge zur Disposition gestellt werden, welche der Bevölkerung sehr wichtig seien. Einst habe der Rat dazu eine einhellige Meinung gehabt, man könne nicht immerzu sparen.