Havelberg | Dieses schon seit den 1960er Jahren existierende Monitoringprogramm zur Bestandsüberwachung von Vogelarten der Feuchtgebiete erbrachte bereits viele interessante und für den Naturschutz bedeutende Ergebnisse. So konnten die Zunahme verschiedener Arten, wie von Kormoran oder einigen Gänsearten, oder die Veränderung des Zugverhaltens in Zusammenhang mit Wetter- und Klimaänderungen gezeigt werden. Viele dieser Zähldaten stellten die Grundlage für die Ausweisung von Europäischen Vogelschutzgebieten oder Feuchtgebieten internationaler Bedeutung dar.

Auch in Sachsen-Anhalt werden Wasservögel regelmäßig an fast 200 Gewässern und Gewässerabschnitten gezählt. Davon befinden sich drei Zählgebiete in der Unteren Havelniederung zwischen Havelberg und Neu-Schollene, innerhalb des Biosphärenreservates Mittelelbe. Seit Jahren werden dort die Wasservögel durch Mitarbeiter der Naturwacht des Biosphärenreservates gezählt. Und auch hier haben die enormen Vogelzahlen dazu geführt, dass das Gebiet bereits im Jahr 1978 als Feuchtgebiet internationaler Bedeutung und im Jahr 1992 als Europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen wurde.

Die Zählungen um den 20. März dieses Jahres ergaben nun erneut ganz enorme Zahlen rastender Wasservögel. Die Naturwachtmitarbeiter Gabriela Ecke und Peter Müller und FÖJlerin Marlene Bukowski zählten gemeinsam mit Fachbereichsleiter Stefan Fischer gut 25.500 Wasservögel in 34 Arten. Darunter waren allein mindestens 13.000 Saat- und Blässgänse, die in den nächsten Tagen und Wochen wieder in ihre arktischen Brutgebiete aufbrechen werden. Auch von der Weißwangengans wurden über 3000 Vögel gezählt. Diese Art überwinterte früher meist an der Nordseeküste und tritt erst seit einigen Jahren in größeren Trupps in der Havelniederung auf.

Bilder

Neun Entenarten gezählt

Auch fast 1500 Graugänse konnten gezählt werden. Sie ist die einzige im Gebiet brütende Art. In vielen Jahren sitzen Graugänse im März bereits auf den Eiern. Bei dieser Zählung war offensichtlich, dass sie meist paarweise auf das Auftauen ihrer Brutplätze warteten.
Unter den neun gefundenen Entenarten war die Stockente mit 2700 gezählten Vögeln die häufigste, gefolgt von der Pfeifente mit 1150 und der Spießente mit 845 Individuen. Dagegen konnten nur zwei Knäkenten entdeckt werden, die wohl gerade erst aus dem afrikanischen Winterquartier zurückgekehrt waren. Auffallend waren auch über 1000 Kiebitze, die auf intensiv besonnten Wiesen nach Nahrung suchten. Auch die Kiebitze sind in der Havelniederung zumeist Durchzügler. Der Brutbestand ist hier inzwischen stark zurückgegangen.

Die Wasservogelzählungen zeigten erneut, welche enorme Bedeutung die Untere Havel für den internationalen Vogelschutz hat. Für Naturtouristen und insbesondere Vogelbeobachter ist das Gebiet der Unteren Havel daher ein ganz besonderes Highlight und immer wieder einen Besuch wert. Mit den fünf Stationen mit QR-Codes zur Vogelbeobachtung von ornitho.de gibt es ein neues Angebot für Naturfreunde.