Brandserie

Wehren im Elb-Havel-Land müssen sieben Brände in einer Woche bekämpfen

Ein Feuerteufel ließ am Wochenende die Feuerwehrleute im Elb-Havel-Land nicht zur Ruhe kommen: Fünf Brände wurden bei Klietz, Sandau, Schönfeld, Mahlitz und Wulkau gelegt.

Von Ingo Freihorst
Der dritte Einsatz für Klietz innerhalb von 24 Stunden führte am Sonntagnachmittag in Richtung Mahlitz: In einer Kiefernschonung brannte der Waldboden.
Der dritte Einsatz für Klietz innerhalb von 24 Stunden führte am Sonntagnachmittag in Richtung Mahlitz: In einer Kiefernschonung brannte der Waldboden. Fotos: Ingo Freihorst

Elbe-Havel-Land - Fünf Brände innerhalb von 24 Stunden! An solch eine üble Brandserie können sich selbst altgediente Feuerwehrleute wie der für den Altkreis Havelberg zuständige Abschnittsleiter André Köppe aus Fischbeck nicht erinnern: „Zur Wendezeit gab es bei uns auch schon mal eine Brandserie, aber das war immer nur etwa einer im Monat – so intensiv wie jetzt habe ich so etwas noch nicht erlebt.“ Er ist seit 1985 in der Feuerwehr.

An Zufall glaubt auch er nicht. Die Trockenheit ist noch nicht übermäßig, zudem gab es kein Gewitter und auch Glasscherben verursachen im Wald kein Feuer. Ein oder gar mehrere Brandstifter treiben ihr gefährliches Unwesen, die Polizei ermittelt.

Bereits sieben Brände in nur einer Woche

Angefangen hatte die Serie bereits am letzten Wochenende, als es in einem Waldstück bei Schönfeld loderte. Seltsamerweise mitten in der Nacht. Wenige Tage später brannte es an der Fährstraße bei Fischbeck – gegen 23.30 Uhr. Am letzten Wochenende ging es dann Schlag auf Schlag: Der erste Einsatz führte am Samstag zu einem Waldbrand zwischen Klietz und Scharlibbe – erneut nach 23 Uhr. Um 1.23 Uhr brannten am Sonntag Strohballen am Ortsausgang neben dem Bahnhof in Sandau.

Der größte Einsatz folgte gegen 11 Uhr: Ein großer Stapel Kronenholz brannte auf einer Waldlichtung zwischen Schönfeld und Wulkau bei Eintreffen der Wehren in voller Ausdehnung. Die Hitze war so gewaltig, dass umstehende Bäume bereits meterhoch brannten. Ein Wipfelbrand drohte, der nur noch schwer unter Kontrolle zu halten wäre. Acht Wehren wurden alarmiert, 84 Aktive mit 14 Fahrzeugen waren über vier Stunden mit der Brandbekämpfung beschäftigt. Um ein Wiederaufflammen zu unterbinden, wurde der Stapel zuletzt noch von Hand und mit Hilfe eines Radladers auseinandergerissen und mit Schaummittel benetzt.

Holzstapel brannte in voller Ausdehnung

Gut gestaltete sich auch hier die Zusammenarbeit mit den Landwirten: Vier große Wassertanks, welche bis zu 20000 Liter Wasser fassten, sicherten die Wasserversorgung mit ab, Lothar Mahnitz aus Schönfeld zog mit seinem Forstpflug Furchen um den Brandherd. Allerdings fehlten beim großen Wasserträger die nötigen Adapter, um das Wasser in die Feuerwehrfahrzeuge einspeisen zu können.

Dass bei einem solchen Feuer die – ohnehin recht schmalen – Schutzschneisen wenig nützen, sah man hier deutlich: An mehreren Stellen hatte der Waldboden auf der anderen Seite Feuer gefangen. Zudem lagen große Äste quer über der Schneise – hier haben die Flammen leichtes Spiel.

Augen offen halten, Nummern notieren

Revierförster Roland Eckert war neben seinem Amtsvorgänger Heinz Carben mit vor Ort, letzterer ist bereits außer Dienst und berät hier den Waldbesitzer. „Jäger und Waldbesitzer sollten ihre Augen offen halten und zur Sicherheit auch mal Autokennzeichen notieren“, warnte Roland Eckert vor weiteren Bränden. Man sollte aber nicht den Helden spielen. Besser wäre es zudem, wenn solche großen Holzstapel alsbald aus dem Wald geschafft würden. In Schönfeld hatte zum Glück auch das Wetter mitgespielt, es wehte kaum Wind.

Beim nächsten Brandeinsatz war eine Kiefernschonung betroffen – zum Glück wurde das Feuer in dem großen Waldgebiet von einer Radlerin aus Klietz beizeiten entdeckt. Nicht auszudenken, wenn die Flammen sich ausgebreitet hätten. Kurz nach 17 Uhr wurden die Wehren alarmiert. Noch bei deren Anfahrt traf eine weitere Brandmeldung in der Stendaler Leitstelle ein: Auch im Wald am Elbdeich bei Wulkau brannte es. Die Wehren aus Sandau, Schollene, Fischbeck und Neuermark-Lübars, welche nach Mahlitz beordert waren, drehten ab und eilten nach Wulkau.

Radlerin entdeckte Brand bei Mahlitz rechtzeitig

Nahe Mahlitz verblieb die Klietzer Wehr mit 20 Aktiven und zwei Fahrzeugen. Unterstützung kam von der Feuerwache der Klietzer Bundeswehr, welche mit zwei Waldbrandtankern vorfuhr und den Entstehungsbrand mit ablöschte. Dieser Einsatz war um 18.30 Uhr beendet, es war der elfte für die Klietzer.

Auch der Brand bei Wulkau wurde zum Glück rechtzeitig entdeckt, laut Polizeibericht waren 100 Quadratmeter betroffen. Abgelöscht wurde das Feuer von den Sandauern, die anderen brauchten nicht mehr eingreifen. Ganz in der Nähe der Brandstelle lagerte übrigens ein weiterer großer Holzstapel...

Zur selben Zeit gab es auch Alarm im Havelberger Bereich. Doch war dies ein Fehlalarm.

„Es wird Zeit, einen Einsatzleitwagen anzuschaffen“, meinte Gemeindewehrleiter Uwe Engel aus Schollene angesichts der Brandserie. Die Ausschreibung sollte nun endlich vorbereitet werden. Das Vorhaben war mehrfach verschoben worden, um Fahrzeuge für die Wehren zu kaufen.