Havelberg l „Das ist immer ein bisschen aufregend. Man baut ein dreiviertel Jahr daran und hofft, dass alles klappt“, sagt Schiffbaumeister Ulrich Ahrens, als er gerade eine der Traversen an dem Schiff anbringt. Mit diesen hieven die beiden Autokräne kurz danach am Donnerstag auf der Kiebitzberg Schiffswerft das zweite Elek-troschiff ins Wasser. Viele Mitarbeiter des Unternehmens, zu dem außerdem die Möbelwerkstätten und das Arthotel gehören, verfolgen das Spektakel. Auch wenn schon viele Schiffe auf diese Weise in die Havel gesetzt wurden – gespannt sind alle.

„Das ist ein toller Tag und ein schönes Gefühl, wenn ein Schiff soweit fertig ist, dass es ins Wasser gelassen werden kann. Da sind wir schon stolz drauf“, sagt Geschäftsführer Andreas Lewerken. Er ist froh, dass die Arbeit auf der Werft und in den Möbelwerkstätten im Gegensatz zum Hotel in der Corona-Zeit weitergehen konnte und auch neue Aufträge eingegangen sind. Er berichtet von einem 24 Meter langen Saunaschiff, das ein Investor aus Stuttgart für den Raum Brandenburg in Aluminium-Leichtbauweise bestellt hat. Und von der Projektentwicklung für Caravan-Boote, die auf der Straße und auf dem Wasser fahren. „Hier wollen wir eine Serienproduktion entwickeln und 30 Boote pro Jahr herstellen“, blickt der Geschäftsführer voraus, während er von einem Plateau aus Fotos vom Stapellauf schießt.

Er kann sich noch gut daran erinnern, als vor Jahren das erste Schiff per Kranhub ins Wasser kam. „Ich war so aufgeregt, dass ich im Büro geblieben bin, um das nicht sehen zu müssen.“ Auch wenn alle Beteiligten Hand in Hand arbeiten und das Risiko gering ist, dass etwas passiert – so ist es eben doch ein nicht alltägliches Manöver, das da auf der Werft über die Bühne geht.

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Maßarbeit der Kranführer

„Das ist schon eine Herausforderung, und wir machen so was auch nicht jeden Tag“, sagt Peter Tralles, einer der beiden Kranführer. Über Funk ist er mit seinem Kollegen auf dem anderen Kran verbunden. Er gibt die Anweisungen. „Mehr ausrichten“ oder „höher halten“ sind oft gesagte Hinweise. „Wir müssen genau im Takt arbeiten, damit das Schiff nicht in Schieflage gerät und aus den Traversen rutscht. Das wäre eine Katastrophe.“

Doch es läuft alles wie geschmiert. Zentimeter für Zentimeter lassen die beiden Kranarme das Schiff zu Wasser, nachdem es in luftiger Höhe parallel zum Kai gedreht wurde. Als es im Wasser liegt, gehen Werftmitarbeiter an Bord, krabbeln in die Luken, schauen, ob alles dicht ist. Erst dann werden die Traversen demontiert. Das Schiff schwimmt.

Bis es sich auf den Weg von Havelberg nach Berlin macht, gibt es noch drei, vier Wochen vor allem für die Techniker einiges zu tun. Dann ist das zweite abgasfreie Elektroschiff aus Sachsen-Anhalt – der Name der Stadt war kürzlich eine Frage in der MDR-Quizsendung Quicki – fertig. Andreas Lewerken hofft, dass dann auch das kleine Fest möglich ist, das normalerweise zum Stapellauf stattfindet

Das baugleiche Schwesterschiff war im Oktober 2019 zu Wasser gelassen worden. Die Reedereien Stern und Kreis sowie SlarCicleLine aus Berlin haben den Bau beauftragt. Sie setzen auf elektrobetriebene Schiffe und erhielten dafür Fördergelder. Auf den Schiffen haben jeweils 180 Fahrgäste Platz. Sie sind 36 Meter lang, sieben Meter breit, haben einen Tiefgang von 86 Zentimetern und wiegen nach Fertigstellung 78 Tonnen. Jetzt hingen gut 60 Tonnen in den Traversen.