Wust l Die Corona-Vorschriften zwingen den Sommerschulverein zur Absage.  Anke Schleusner-Reinfeldt hat mit dem Leiter Jörg Hellmuth über die Entscheidung gesprochen.

Hat der Sommerschulverein die Entscheidung selbst getroffen oder hat Ihnen jemand die Entscheidung abgenommen?

Der Vorstand hat sie schweren Herzens getroffen. Einstimmig sind wir der Meinung, dass es besser ist. Ich hatte in den letzten Tagen auch mehrfach Kontakt zum Gesundheitsamt – das hat auch die Empfehlung gegeben, die Sommerschule abzusagen. So viele Dinge sind ungeklärt – das hätte uns als kleinen Verein ins finanzielle und organisatorische Chaos gestürzt. Wir bedauern die Absage außerordentlich. Aber viele befürworten unsere Entscheidung.

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Bis zu 200 Teilnehmer pro Durchgang – da hätte es wohl viel zu viele Berührungspunkte gegeben...

Richtig – zu viele Berührungspunkte, zu viele Risiken und zu viele Unwegbarkeiten. Allein auf dem Campingplatz. Und es ist nicht zu erwarten, dass bis zum Sommer alles wieder ganz normal sein wird. Die Vorschriften wären für uns gar nicht umzusetzen.

Und die Dozenten aus England und Amerika hätten, selbst wenn es bis zum Sommer Lockerungen gibt, wohl auch gar nicht so einfach einreisen können...

Zum einen das und zum anderen müssen sie ja auch wieder aus Deutschland ausreisen und dann zurück in ihr Land einreisen – das kann man zum jetzigen Zeitpunkt alles noch gar nicht absehen. Aktuell müssten sie ja erst einmal hier in zweiwöchige Quarantäne – also zwei Wochen eher anreisen.

Waren die Flugtickets schon gebucht?

Noch nicht. Das hätte spätestens jetzt erfolgen müssen. Wir machen das immer relativ zeitig, weil es günstiger ist.

Das kulturelle Abendprogramm war durchorganisiert, die kreativen Kurse nachmittags ebenso – lässt sich alles problemlos absagen?

Noch hatten wir, zum Glück, keine Verträge geschlossen. Alle Partner werden jetzt darüber informiert.

Was ist mit dem Theaterstück von Arthur Shettle?

Aufgehoben ist nicht aufgeschoben. Wir gehen davon aus, dass es 2021 stattfindet.

Welche Ausstellung im Speicher war geplant?

Gerhard Faller-Walzer wollte die Plakate aller Theatervorstellungen zeigen. Auch das verschieben wir.

Wer informiert die Dozenten über die Situation?

Unser Vorstandsmitglied Ina Leutloff steht in Kontakt mit dem Sprachleiter Nigel Caplan in Delaware, der die Dozenten verständigen wird.

160 Anmeldungen lagen bereits vor. Was wird daraus?

Auf unserer Homepage werden wir über die Absage informieren und alle Angemeldeten erhalten per Mail die Info. Es wurden ja noch keine Anzahlungen getätigt, so dass es da keine Schwierigkeiten gibt.

Macht der Verein durch die Absage finanzielle Verluste?

Das kann man zum heutigen Zeitpunkt nicht sagen. Auch deshalb haben wir uns zu dieser zeitigen Absage entschieden, ehe wir Dinge stornieren müssen. Wir müssen für das komplette Jahr die Betriebskosten und Versicherungen bezahlen, obwohl wir keine Einnahmen haben. Aber diese Verluste sind überschaubar.

Bedauerlich ist die Absage auch für die Schulküche, die ja während der Sommerschule stets gut ausgelastet ist.

Das stimmt. Sie macht Frühstück und Mittagessen für die Teilnehmer. Auf jeden Fall sind wir dankbar, dass sich die Küche seit Jahren für die Sommerschule engagiert.

Wird dann also 2021 der 30. Geburtstag gefeiert?

Davon gehen wir im Moment aus. Im nächsten Jahr haben wir dann ja wohl hoffentlich wieder normale Bedingungen. Details sind noch nicht besprochen – das machen wir, wenn wieder Versammlungen möglich sind und wir die Mitglieder auch zur Jahreshauptversammlung einberufen können – ich gehe momentan davon aus, dass das im Herbst sein wird.

Der Sommer 2020 in Wust wird also ein ganz anderer als in den zurückliegenden 29 Jahren...

Das ist wohl wahr! Die Sommerschule gehört seit so langer Zeit zu Wust wie die Luft zum Atmen. Es wird schon ungewöhnlich ruhig sein. Wir Wuster werden unsere Gäste und Freunde aus ganz Deutschland, Amerika und Großbritannien vermissen, auch die kulturellen Angebote. Schade.