Klötze l Was für viele Menschen in der Altmark längst Geschichte ist, bleibt für Thorsten Hensel vom Vorstand des Fahrgastrats Wendland und seine Mitstreiter ein Traum, den sie aber für realistisch halten. Sie wollen die Bahnverbindung von Wolfsburg über Oebisfelde, Klötze, Salzwedel, Lüchow bis nach Lüneburg reaktivieren. Das alles in Teilabschnitten in den nächsten Jahren. Am Freitagabend informierten Thorsten Hensel und Rolf Schulze im Braunschweiger Hof in Klötze über Details des anspruchsvollen Vorhabens.

Das länderübergreifende Bahnprojekt trägt den blumigen Namen „Ostheide – Wendland – Altmark“. Um das Vorhaben umsetzen zu können, soll Ende September/Anfang Oktober in Wustrow bei Salzwedel ein Förderverein „Jeetze(l)talbahn“ gegründet werden, erläuterte Thorsten Hensel. In Klammern steht das „l“ übrigens, weil die Jeetze in Niedersachsen Jeetzel heißt.

An einer Karte zeigt Hensel den möglichen Streckenverlauf. „Warum brauchen wir die Jeetze(l)bahn?“, fragte er und lieferte gleich die Antworten: 1. Stärkung des Tourismus durch die zentrale Bahnerschließung und direkte Anbindung an den ICE-Bahnhof Wolfsburg. 2. Alternative für die täglich rund 3000 Berufspendler aus der Altmark nach Wolfsburg. 3. Eine gute Anbindung an den öffentlichen Personenverkehr reduziert den Wegzug der Menschen. 4. Neue Betriebe siedeln sich entlang der Bahnlinie an. „Mit der Reaktivierung wird eine zentrale Nord-Süd-Achse geschaffen. Das wäre ein Motor für die Region“, ist Hensel überzeugt.

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Schritt für Schritt zur Bahn

Wer derzeit von Salzwedel nach Wolfsburg möchte, muss den Bus bis Oebisfelde nutzen, in die Regionalbahn umsteigen. Fahrzeit: zirka zwei Stunden. Rolf Schulze vom Fahrgastrat Wendland berichtete, dass Züge zwischen Lüneburg und Dannenberg seit kurzem auf 80 Stundenkilometer beschleunigen können und damit nur 50 statt 68 Minuten für die Strecke benötigen würden. „Der nächste Schritt wäre die Reaktivierung des Abschnitts Dannenberg – Lüchow sowie weiter nach Salzwedel“, erläuterte er. In Salzwedel gebe es Umsteigemöglichkeiten nach Stendal und Berlin, Magdeburg, Uelzen und Hamburg. Vorstellen könne er sich auch einen Halt Salzwedel-Mitte (Nähe Innenstadt, Krankenhaus, Landratsamt) und Salzwedel-Altstadt (Schulstandort, südliches Tor zur Innenstadt).

Auf der Fahrt nach Klötze, bis dahin liegen noch die Gleise, wäre Beetzendorf nach Dambeck, Kuhfelde und Siedenlangenbeck ein größerer Haltepunkt mit Busanbindung. Es folgen Bandau (Öko-Dorf) und Klötze mit Stadtbahnhof und Busbahnhof.

„Auch der Busverkehr profitiert als Zubringer und für den Anschluss vom Bahnverkehr“, betonte Thorsten Hensel.

Problematisch wäre es mit der Weiterfahrt von Klötze nach Oebisfelde, weil die Strecke zwar noch gewidmet ist, aber keine Gleise mehr liegen. „In Oebisfelde könnte der Umstieg nach Magdeburg und Stendal erfolgen, in Wolfsburg in die Fernzüge“, stellte Hensel in Aussicht. Profitieren würden auch die Pendler.

Angeboten werden sollen zwei Produkte: der Elbe-Jeetze(l)-Express und die Jeetze(l)talbahn. Der Express würde zwischen Hitzacker und Klötze nur an größeren Bahnhöfen halten. Er könnte im Zwei-Stunden-Takt zwischen 5 und 23 Uhr fahren. „Die Reisezeiten würden von Lüneburg bis Wolfsburg zweieinhalb Stunden dauern, von Lüchow nach Wolfsburg eine Stunde und 15 Minten“, kündigte Hensel an. „Die Regionalbahn von Hitzacker nach Klötze würde auf jedem Bahnhof halten und von 6 bis 20 Uhr stündlich fahren.“ Klötze-Salzwedel dauere 30 Minuten, Salzwedel – Dannenberg 35 Minuten, von Salzwedel nach Wolfsburg rund eine Stunde.

Auch das Fahrgastpotenzial haben die Bahnfreunde beleuchtet. Sie vermuten, dass die 2017 gezählten 800 Schüler im Busverkehr wegen der abnehmenden Bevölkerungszahl erst einmal für einige Jahre auf 600 sinken werden. Erst nach 2021 sehen sie steigende Fahrgastzahlen für einen dann vielleicht fahrenden Zug zwischen Wolfsburg und Salzwedel mit Berufspendlern, Schülern und Touristen. Hensel geht davon aus, dass eine Bahnreaktivierung allein nicht ausreicht. Um die Regionen Wendland und Altmark zu beleben, müsste es ein Gesamtpaket aus vielen Maßnahmen geben. Dazu zählen Gaststätten an der Strecke, Sehenswürdigkeiten wie der Märchenpark oder das Naturerfahrungszentrum Kunrau mit dem Naturpark Drömling.

Hensel: „Das soll eine gemeinsame Initiative sein gegen die Entleerung des ländlichen Raums. Wir müssen was machen, damit unsere Regionen nicht abgehängt werden.“