Radioaktive Abfälle

Atommüll? Nein, danke! Jahrstedts Vizedorfchef ruft zum Protest gegen mögliches Endlager auf

Theoretisch könnte Jahrstedt 2031 zum Standort für radioaktive Abfälle bestimmt werden. Es ist eines von 90 Teilgebieten in Deutschland, die dafür in Frage kommen. Der stellvertretende Ortsbürgermeister André Homeyer will das verhindern und ruft zum Protest auf.

Von Markus Schulze
Jahrstedt gehört zu den 90 möglichen Standorten für ein Atommüll-Endlager in Deutschland. In Betracht kommt ein Salzstock zwischen Jahrstedt und Kunrau, wie André Homeyer sagte. Er will ein Endlager verhindern und ruft zum Protest auf.
Jahrstedt gehört zu den 90 möglichen Standorten für ein Atommüll-Endlager in Deutschland. In Betracht kommt ein Salzstock zwischen Jahrstedt und Kunrau, wie André Homeyer sagte. Er will ein Endlager verhindern und ruft zum Protest auf. Foto: Markus Schulze

Jahrstedt - „Ein Thema, das mir auf der Seele brennt“, hat Jahrstedts stellvertretender Ortsbürgermeister André Homeyer im Ortschaftsrat angesprochen. Es ging ihm um die seit 2017 laufende Endlagersuche. Jahrstedt gehört zu den 90 Teilgebieten in Deutschland, die zur Endlagerung von radioaktiven Abfällen „günstige geologische Voraussetzungen“ bieten, wie es von der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) heißt.

„Auf dem Papier wäre es möglich, hier ein Endlager einzurichten“, sagte Homeyer. Er bedauerte, dass zu dem Thema wegen der Corona-Pandemie bisher keine öffentlichen Veranstaltungen hätten stattfinden können. „Deshalb kriegt man davon wenig mit.“ Dementsprechend bleibe einem nichts anderes übrig, als sich über das Internet und Online-Foren zu informieren. Einfach, so stellte Homeyer klar, sei das nicht. „Es ist ein schwieriges Thema. Und ich bin nicht vom Fach.“

Salzstock zwischen Jahrstedt und Kunrau im Visier

Von der BGE, so wusste er, sei Jahrstedt als „Teilgebiet 55“ bezeichnet worden. In Betracht gezogen werde ein Salzstock zwischen Jahrstedt und Kunrau. Homeyer machte deutlich, die Standortsuche nicht einfach nur zur Kenntnis nehmen zu wollen. „Was können wir tun, um das abzuwenden?“, stellte er als Frage in den Raum. Klar sei, „dass niemand ein Endlager vor der Haustür haben möchte“. Im Falle von Jahrstedt sollte aber berücksichtigt werden, dass sich der Ort im Biosphärenreservat Drömling befindet, in dem die Natur unter besonderem Schutz steht. Folglich stellte Homeyer fest: „Das Endlager gehört hier nicht her.“

Mit „hier“ meinte er aber nicht nur Jahrstedt, sondern auch andere potenzielle Standorte wie Ristedt, Poppau oder Benitz-Nettgau. Um auf dem Laufenden zu bleiben, bat er um Mithilfe, etwa bei der Teilnahme an Videokonferenzen. In diesem Zusammenhang wies er auf die „Fachkonferenz Teilgebiete“ vom 10. bis 12. Juni hin, dem zweiten Beratungstermin im gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligungsformat zur Standortauswahl.

Letztlich, so konstatierte der stellvertretende Jahrstedter Ortsbürgermeister, „haben wir nichts zu entscheiden“. Verantwortlich dafür ist der Bundestag. Zumindest sollte aber zum Ausdruck gebracht werden, dass ein Endlager in der Region nicht gewollt sei. Ähnlich hatte sich im Februar schon Steimkes Ortsbürgermeister Frank Kraskowski geäußert. Er forderte, dass der Klötzer Stadtrat ein klares Bekenntnis abgibt. Etwa in der Form, wie es der Jübarer Gemeinderat mit einer Resolution getan hat.