Klötze l Viele Menschen scheuen sich regelrecht davor, beispielsweise einen Obstbaum in ihrem Garten ordentlich zu stutzen. Ein Schnitt mit der Astschere ist unumkehrbar und könnte falsch sein. Um solche Befürchtungen zu vermeiden, möchte Sabine Priezel von der Gartenakademie aufklären, was für einen richtigen Baumschnitt zu beachten ist.

Gut 30 Interessenten erläuterte sie in einem theoretischen Teil eines Kurses die Grundbegriffe. „Damit der Baum gut wächst, ist schon beim Pflanzen einiges zu beachten“, sagte sie im Quarnebecker Saal. „Der Wurzelballen sollte frei gemacht und ausgebreitet und die Erde fest angetreten werden.“ Dabei sollte die Größe der Wurzel im richtigen Verhältnis zur Kronengröße stehen. Wird der Wurzelballen nur aus dem Behälter genommen und ungelockert in den Boden gesetzt, wäre die Erde zu fest und Wasser wird nur schwer aufgenommen.

An den Erziehungsschnitt denken

Überhaupt sollte beim Kauf darauf geachtet werden, „einen ordentlichen Baum auszusuchen“. „Vier bis fünf Gerüstäste sollte ein junger Baum haben“, konstatierte Sabine Priezel, die noch viele weitere Tipps parat hatte. Zum Beispiel, dass nach dem Pflanzen ein sogenannter Pflanzschnitt erfolgen sollte, damit sich der Baum gleichmäßig entwickelt. „Das ist manchmal brutal, weil nicht mehr viel übrig bleibt, aber sonst wird es kein schöner Baum“, begründete sie. Später folge ein Erziehungsschnitt. „Wenn Sie jedes Jahr beschneiden, ist weniger zu tun, die Wunden heilen schneller und Sie haben länger einen guten Ertrag.“ Bei alten Bäumen könne ein Verjüngungsschnitt, bei dem über mehrere Jahre krankes und totes Holz ausgeschnitten wird, noch etwas bewirken.

Die Wittenbergerin Sabine Priezel weiß, worüber sie spricht. Sie hat Obstbau mit Abitur gelernt und später an der Humboldt-Universität in Berlin Gartenbau studiert. Seit vielen Jahren schon gibt sie Kurse, hält Vorträge über Kräuter und betreibt eine Kräuterschule.

Die Folgen abschätzen

In dem Kurs in Quarnebeck wollte sie nicht unbedingt zeigen, wie einzelne Bäume beschnitten werden sollten. „Vielmehr geht es um das Verständnis, was im Baum passiert, um ableiten zu können, welche Folgen es hat, wenn ich den Ast jetzt abschneide“, erläuterte sie. Es gehe darum, den Leuten die Angst zu nehmen. „Das ist spannend und kann Spaß machen“, sagte Priezel.

Der praktische Teil des Kurses folgte auf der Streuobstwiese am Zartau. Dort stehen mehr als 40 Obstbäume, die der Rotarier-Club Gardelegen in Pflege genommen hat. Die Kursteilnehmer konnten selbst die Astschere oder Säge ansetzen und den Bäumen einen Pflegeschnitt verpassen.