Beetzendorf l Nahezu jeder Beetzendorfer kennt wohl den alten Gutsfriedhof auf dem Eiskuhlenberg, der in den letzten Jahren stark verwilderte und erst unlängst von einigen freiwilligen Helfern wieder freigelegt wurde. Rings um das imposante Gelände wächst auf 16 Hektar Fläche dichter Eichen- und Buchenwald – und genau hier soll in Zukunft vielleicht die Bestattung von Urnen unter den mächtigen Baumriesen möglich sein. Das Konzept eines Bestattungswaldes, es wäre der erste in der Altmark, hat die Familie Graf von der Schulenburg entwickelt, der das Waldstück gehört. „Es geht auf die Initiative und Anfrage mehrerer Beetzendorfer Bürger zurück“, erläuterte Johann-Matthias von der Schulenburg im Hauptausschuss des Gemeinderates.

Ideale Lage für Gräber

Der Eiskuhlenberg biete nicht nur wegen seines Baumbestandes, sondern auch wegen seiner Lage ideale Bedingungen für eine solche besondere Begräbnisstätte. „Von hier hat man einen schönen Blick auf Beetzendorf“, so von der Schulenburg. Auf dem Gelände des Gutsfriedhofes, das wieder hergerichtet werden soll, könne man zusätzlich einen Platz mit Bänken und Rednerpult schaffen, an dem sich die Trauernden versammeln können. „Das Kreuz könnte auch Mittelpunkt eines Gedenkplatzes werden“, ergänzte der Graf.

Fest steht: Beim Bestattungswald handelt es sich nicht um einen Friedhof, denn diese sind auf Dauer angelegt. Vielmehr würden die Waldflächen für eine Dauer von 99 Jahren der forstwirtschaftlichen Nutzung entzogen und für die Bestattung von Urnen zur Verfügung gestellt. Eine Ruhestätte an einem Baum wird für die gesamte verbleibende Laufzeit vergeben, wobei die Mindestruhezeit 25 Jahre beträgt. Ab dem 75. Jahr nach Einrichtung finden keine Bestattungen mehr statt und nach Ablauf der 99 Jahre wird die Fläche wieder automatisch zum Wirtschaftswald.

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Jeder Urnenplatz muss vorher vermessen werden

Die einzelnen Bäume im Bestattungswald werden – zunächst auf einer ersten Teilfläche – im Vorfeld aufwändig vermessen und kartiert. „Typischerweise werden um jeden Baum zwölf Ruheplätze angelegt“, erläuterte Johann-Matthias von der Schulenburg. Diese können frei ausgesucht, aber auch im Vorfeld reserviert und für Bestattungen gepachtet werden. Es ist also möglich, sich bei den angebotenen Rundgängen einen freien Baum auszuwählen und dort beispielsweise den Urnenplatz „auf drei Uhr“ für sich oder seine Angehörigen zu sichern. Auch die Reservierung von Ehepaarplätzen oder Familien-/Gemeinschaftsbäumen kommt in Frage.

Die 80 Zentimeter tief im Waldboden versenkten Urnen sind biologisch abbaubar. Und für die Angehörigen des Verstorbenen, die meist weiter weg wohnen, entfällt die aufwändige Grabpflege. „Es gibt keinen Grabstein und keinerlei Dekoration, allenfalls über eine schlichte Messingplatte mit dem Namen könnte man nachdenken“, meinte von der Schulenburg.

Und wie sehen die Kosten aus? Der Normalpreis für eine solche Urnengrabstätte im Begräbniswald liege bei zirka 700 Euro. Damit müsse der Betreiber schließlich auch seine enormen Anfangsinvestitionen für die Einmessung und Kartierung der Plätze, die schätzungsweise zwischen 20.000 und 40.000 Euro liegen, kompensieren. Klar ist: Groß Geld verdienen lässt sich mit solch einem Begräbniswald in Beetzendorf nicht. Nicht umsonst haben mehrere überörtliche Betreiber, darunter die Branchenriesen FriedWald und RuheForst (siehe Infokasten), bei denen die Schulenburgs wegen einer Übernahme angefragt haben, abgewunken. Zu geringe Bevölkerungsdichte und damit verbunden ein zu geringes Potenzial, um die nötigen Investitionen und laufenden Kosten zu rechtfertigen, lauteten die Argumente.

Keine Kosten für Gemeinde

Die Eigentümerfamilie würde deshalb notfalls auch eine eigene Betreibergesellschaft gründen, die dann für die ordnungsgemäße Führung des Friedhofes nach dem Bestattungsgesetz verantwortlich ist und die aus dem Betrieb resultierenden Haftungsrisiken übernimmt. Für die Gemeinde wichtig: Auf sie kommen keinerlei Kosten zu und sie ist auch aus der Haftung raus. Sie fungiert lediglich als Träger des Bestattungswaldes und muss formal die Genehmigung beim Altmarkkreis beantragen. Die Friedhofs- beziehungsweise Nutzungsordnung wird gemeinsam mit dem Betreiber erarbeitet.

Im Hauptausschuss stieß die Bestattungswald-Idee auf große Zustimmung. „Das Konzept, hinter dem viel Arbeit steckt, hat mich komplett überzeugt. Wichtig war für mich, dass für die Gemeinde keine zusätzlichen Kosten entstehen und das ist hier der Fall“, meinte etwa CDU-Fraktionschef Dietmar Sommer. Auch der Bandauer Uwe Meyer konnte den Plänen einiges abgewinnen. „Wenn das Interesse dafür da ist, warum sollte man es nicht machen?“, meinte er. Bürgermeister Lothar Köppe sieht ebenfalls keinerlei Stolpersteine, die das Vorhaben noch gefährden könnten. Am 28. Mai soll der Vorschlag jetzt dem Beetzendorfer Gemeinderat zur endgültigen Beschlussfassung vorgelegt werden.