Kunrau l Hopfen, Malz, Wasser und Hefe. Mehr Zutaten darf ein Bier laut Deutschem Reinheitsgebot nicht enthalten. Da erscheint es fast schon ein bisschen verwunderlich, dass es so viele unterschiedliche Sorten und natürlich auch Biertrinker gibt. Zu denen, die sich ganz gerne ein Bierchen gönnen, gehört Christoph Treichel aus Kunrau. Dass aus ihm aber mal ein Hersteller wird, hätte er vor einiger Zeit selbst noch nicht gedacht. Bis zu jenem Tag, als auf dem Hof seiner Familie ein Mann zeltete, der ihn sozusagen auf den Geschmack brachte. „Er braut selber Bier und hat mir erzählt, dass in den handelsüblichen Bieren zum Beispiel Glyphosat enthalten ist. Das hat mich nachdenklich gestimmt“, erinnert sich Treichel. Und so beschloss er, die Kunst des Brauens zu erlernen. Der 33-Jährige unterhielt sich mit Fachleuten, las Bücher, forschte im Internet, besichtigte Brauereien und startete auf einem kleinen Thermomixer seine ersten Experimente. Schon die ersten Versuche waren erfolgreich und schmeckten. „Darauf kommt es an.“

Bier wird nicht erhitzt

Also reifte in ihm der Gedanke, sein neu entdecktes Hobby professioneller aufzuziehen und in einem einstigen Stall eine Brauerei einzurichten. Dazu war nicht nur eine Baugenehmigung notwendig, sondern auch viel Zeit und Mühe. „Die Decke musste runter, der Fußboden raus, alles neu, Putz, Fliesen, dazu Leitungen für Wasser und Abwasser.“ Darüber hinaus stellte Treichel über die Lokale Aktionsgruppe Rund um den Drömling einen Antrag auf Fördermittel, der auch gewährt wurde. Von dem Geld konnte er sich eine Küchenzeile und einen richtigen Kessel kaufen. Im Juni gab es den Segen vom Lebensmittelüberwachungsamt. Somit darf das Bier, für das Treichel vor kurzem sogar ein Bio-Siegel erhielt, offiziell verkauft werden. Er achtet genau darauf, nur die besten Zutaten zu verwenden. Das Bier enthält keine Kohlensäure. Es wird nicht pasteurisiert und ist daher nur drei Monate haltbar.

Ständig arbeitet der Kunrauer an neuen Kreationen. Inzwischen gehört untergäriger Märzen genauso zu seinem Repertoire wie irisches Stout oder veredeltes Schwarzbier. „Mein Ziel ist, vier unterschiedliche Biere immer parat zu haben und nach einigen Monaten zu wechseln“, sagt Treichel, der selbst am liebsten „India Pale Ale“ trinkt, ein helles, eher bitteres Bier, dem vor dem Abfüllen kalter Hopfen beigefügt wird, wie Treichel erklärt. Hingegen haut ihn Pils nicht vom Hocker. „Das habe ich noch nicht gemacht, ist langweilig“, meint er.

Inzwischen ist dem Bankmitarbeiter das Brauen in Fleisch und Blut übergangen, die Abläufe beherrscht er im Schlaf. Maischen und Läutern sind für ihn längst keine Fremdwörter mehr. Damit ein Bier gelingt, ist Aufmerksamkeit gefragt, weiß Treichel. Der Prozess dauert Stunden. Vor allem auf die Temperatur im Gärkessel kommt es an. Wird es der Hefe zu warm, das ist bei 38 Grad oder mehr der Fall, „ist sie tot. Dann wird das nichts“, erklärt Treichel.

Kurse angeboten

Das Bier der Drömlinger Hofbrauerei ist in Fässern (20 oder 30 Liter) oder champagnerförmigen Flaschen erhältlich. Christoph Treichel ist es wichtig, sich von der Masse der Großbrauereien abzuheben und könnte sich vorstellen, dass Brautpaare bei ihm ihr eigenes Bier brauen, das dann bei der Hochzeitsfeier ausgeschenkt wird. Außerdem möchte er aufzeigen, dass es sich beim Brauen um ein uraltes Handwerk handelt, mit dem jede Menge Arbeit verbunden ist. Gerne gibt Treichel sein Wissen auch an andere weiter und bietet praxisbezogene Kurse an. Der nächste Termin ist am 26. Oktober geplant, Anmeldungen sind noch möglich, Telefon 039008/82 94 92.