Klötze l Was die beiden Feuerwehrleute hinter der nächsten Tür erwartet, wussten sie noch nicht. Nachdem sie vorsichtig die Klinke nach unten gedrückt und die Tür einen Spalt breit geöffnet hatten, schossen rötlich-gelbe Flammen an der Decke entlang. Nun mussten die Brandbekämpfer einen kühlen Kopf bewahren und die richtigen Entscheidungen treffen. Ihr Vorgehen wurde genau beobachtet und bewertet.

Die beiden Atemschutzgeräteträger knieten nicht bei einem echten Einsatz auf dem Boden eines brennenden Hauses. Sie trainierten in einem Brandübungscontainer – unter realen Bedingungen und mit echten Flammen. Aufgebaut war der Container – ein langer, fensterloser Lkw-Anhänger – auf dem Parkplatz des Klötzer Feuerwehrgerätehauses. In mehreren Durchgängen probten Atemschutzgeräteträger von Ortswehren aus der gesamten Einheitsgmeinde Stadt Klötze darin für den Ernstfall. Insgesamt 60 Anmeldungen lagen vor, berichtete Stadtwehrleiter Matthias Veit im Gespräch mit der Volksstimme, einige Teilnehmer hätten sich aber krankheitsbedingt abgemeldet.

Atemschutzgeräteträger sind ein Problem

Atemschutzgeräteträger, das sind die speziell ausgebildeten Kräfte der Feuerwehr, die mit Schutzkleidung, Maske und Sauerstoff-Flasche auf dem Rücken in brennende Gebäude gehen, um Menschen zu retten und Feuer zu löschen. Die Ausrüstung wiegt bis zu 25 Kilogramm. Sie sind die Ersten, die ins Gebäude müssen, sagte Matthias Veit. „Das ist eine körperliche und psychische Herausforderung.“ Rund 70 Kameraden aus den Ortswehren dürfen das aktuell. Doch gerade während der Tagesalarmbereitschaft in der Zeit von 6 bis 18 Uhr seien nicht immer genügend Kräfte aus der Einheitsgemeinde verfügbar, sagte Matthias Veit. „Nicht an allen Standorten gibt es Atemschutzgeräteträger“, berichtete er weiter. Falls nötig, müssten Kräfte aus umliegenden Städten und Gemeinden angefordert werden.

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Brandbekämpfer im Alter von 18 bis 67 Jahren könnten als Atemschutzgeräteträger eingesetzt werden. Doch es müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Eine ärztliche Untersuchung ist vorgeschrieben. Die körperlichen Eigenschaften müssen stimmen. Nicht zu vergessen ist die umfangreiche Ausbildung.

Um weitere Kameraden für die anspruchsvolle Aufgabe zu gewinnen, müssten wohl finanzielle Anreize geschaffen werden, schätzte Matthias Veit ein. Früher habe es in der Stadt Klötze mal eine jährliche Pauschale in Höhe von 50 Euro für Atemschutzgeräteträger gegeben. Doch die habe nicht gewirkt. Eine Lösung müsse die Verwaltung finden.

Was die Brandbekämpfer leisten müssen, zeigte sich bei der Übung in dem speziellen Container, der einmal im Jahr in Klötze aufgestellt wird. Die Organisation des Übungswochenendes übernahmen Mitglieder der Ortsfeuerwehr Klötze. Zugführer Stefan Lange schrieb das Konzept. Etwa 15 bis 18 Minuten dauerte ein Durchgang, ein Trupp, bestehend aus zwei Leuten, stieg vom Dach des Lkw-Anhängers aus über eine Treppe hinab in die Dunkelheit. Mit dabei war ein Trainer, der die Übenden sofort auf Fehler aufmerksam machte. „Es ist besser, bei Fehlern gleich drinnen alles richtig zu wiederholen“, sagte Matthias Veit. Das hätten auch die Teilnehmer bestätigt. Als Trainer dienten Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Klötze sowie Kameraden der Freiwilligen- und der Berufsfeuerwehr aus Wolfsburg.

Für die Kameraden, die bereits Erfahrungen in dem Container gesammelt haben, wurde in diesem Jahr eine Personenrettung als weitere Aufgabe in die Übung eingebaut. Ein Dummy aus alten Schläuchen musste dabei sicher ans Tageslicht gebracht werden.

Simuliert wurde im Container ein Kellerbrand. Bereits auf der Treppe nach unten loderten Flammen, dann brannte eine Gasflasche, hinter einer „heißen Tür“ warteten ein brennender Elektromotor sowie eine weitere Gasflasche. Per Knopfdruck konnte Matthias Gratzke, der die Anlage bediente, die Flammen vom Leitstand aus einschalten. Dort verfolgte auch ein weiterer Trainer das Geschehen. Gratzke ist Mitarbeiter der Firma Blaul und Seifert, die den Container bundesweit für Übungszwecke zur Verfügung stellt. Durch Fenster konnte er ins Innere des Übungsraums sehen. Dort herrschte Finsternis, Rauch erschwerte die Sicht für die Feuerwehrleute. Nur Flammen erhellten die Dunkelheit.

Hinzu kommt die Hitze: In einem Meter Höhe könne die Temperatur auf bis zu 200 Grad Celsius ansteigen, an der Decke betrage sie bis zu 600 Grad, erklärte Matthias Gratzke. Bei einem echten Brand wäre es mit rund 1200 Grad an der Decke aber doppelt so heiß, ergänzte er. Die Kameraden könnten im Container austesten, wo ihre Grenzen liegen.

Wichtig war es, den Blick nicht nur nach vorne zu richten. Denn gelegentlich flackerte ein Feuer, das der Trupp bereits gelöscht hatte, hinter ihm wieder auf. Der Weg muss für den Rückzug sicher sein. „Wir üben hier nicht das Löschen, sondern wie der Trupp auf bestimmte Situationen reagiert“, nannte Matthias Gratzke die Idee hinter der Simulation. Im Anschluss an die Übung wurde das Vorgehen ausgewertet.