Einbrüche

Diebe verbreiten zunehmend Angst

Einbrüche in Wohnungen und Firmengebäude nehmen drastisch zu. Pfarrer Bernd Schulz möchte Betroffenen Beistand leisten.

Von Siegmar Riedel

Kusey l Urlaubszeit ist alljährlich Hochsaison für Diebe und Einbrecher. Sie nutzen die Abwesenheit von Hausbewohnern aus, um gezielt Elektronik, Schmuck und Bargeld zu stehlen. Davon kann auch Pfarrer Bernd Schulz ein Lied singen. Er musste bereits vier Einbrüche in sein Pfarrbüro oder gar seine Wohnung über sich ergehen lassen. Der jüngste Einbruch war am 23. Juli.

„Dabei entstand ein Schaden von rund 8000 Euro“, berichtete Pfarrer Schulz am Dienstag im Volksstimme-Gespräch. Im Pfarrbüro ist ein Computer gestohlen worden, aus der Wohnung ein Fernseher, ein elektronisches Sportgerät und anderes. Den größten Schaden richteten der oder die Diebe aber in der Werkstatt des Pfarrers an. „Selbst das Kehrblech nahmen sie dort mit“, sagte Bernd Schulz. Und: Die Täter haben nicht nur gestohlen, sie zerstörten viele Dinge wie Dekorationen ganz sinnlos. „Das war ziemlich heftig“, empfand der Pfarrer.

Das alles hinterlässt Folgen bei den Betroffenen. Oft sind die materiellen Schäden von Versicherungen schnell beglichen. Was bleibt, sind die psychischen Probleme durch den Einbruch, massive Ängste, die entstehen. „Wir haben im Gemeindekirchenrat darüber gesprochen und wollen die Sache jetzt intensiv verfolgen und öffentlich machen“, erläuterte Bernd Schulz im Evangelischen Landjugendzentrum (ELZ) in Kusey. Am Dienstag, 25. August, wird es deshalb ab 19 Uhr eine Informationsveranstaltung im Steimker Pfarrhaus zu der Einbruchserie geben. „Wir laden dazu alle ein, die sich für dieses Thema interessieren“, sagte Schulz. Mit dabei wird ein Berater des Polizeireviers Salzwedel sein. Er soll Tipps geben, wie ein Haus sicherer gemacht werden kann.

„Die Leute sind verängstigt“, hat Pfarrer Schulz bemerkt. „Zum Teil zeigen sie einen Einbruch aus Angst nicht mal mehr an. Das ist ein seelsorgerisches Problem. Wir wollen uns deshalb solidarisieren.“ Bernd Schulz stellte aber gleich klar, dass es dabei nicht um die Gründung einer Art Bürgerwehr geht. „Wir wollen uns zusammensetzten und austauschen“, stellte er in Aussicht. „Wir suchen eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei, die an der Sache dran ist, wie ich aus Gesprächen weiß.“

Von dem Treffen erwarten sich die Initiatoren mehr Aufmerksamkeit. „Dass die Leute mehr aufeinander und auf die Grundstücke achten“, erklärte Bernd Schulz, der aus einer statistischen Erhebung kennt, was Täter hauptsächlich abschreckt: „aufmerksame Nachbarn.“ Dabei solle allerdings das Verantwortungsbewusstsein nicht allzu stark entwickelt werden, denn niemand könne 24 Stunden am Tag auf andere Grundstücke aufpassen, schränkt der Pfarrer ein. Wichtig sei, dass die Menschen sich solidarisieren, „damit Betroffene mit dem furchtbaren Gefühl der Angst nicht allein sind. Wir wollen diese Angstspirale durchbrechen.“ Dafür soll das Treffen am kommenden Dienstag ein Anfang sein.

Weitere Gespräche laufen mit einer Beratungsstelle in Salzwedel. Ein Termin steht jedoch noch nicht fest. Zudem soll das Beratungsmobil des Landeskriminalamtes in die Region geholt werden. Indes verfolgt die Polizei konkrete Spuren, die zu dem oder den Dieben in der Region führen sollen. Für Steimke und Jahrstedt vermuten viele Betroffene sogar einen Einheimischen als Täter.

Pfarrer Bernd Schulz hat bereits Lehren aus den vorherigen Einbrüchen in seine Wohnung und das Büro gezogen. „Sämtliche Computerdaten waren in einer Cloud im Internet gesichert. Alle Daten auf dem Rechner selbst sind bereits mit einem Passwort geschützt“, erläuterte er. „Dazu kann ich jedem Computernutzer nur raten.“