Aktionsgruppen der Westaltmark

Drömling soll für Klötze, Oebisfelde und Gardelegen als Bindeglied dienen

Von Markus Schulze
Die Lokale Aktionsgruppe Rund um den Drömling hat sich nach dem Biosphärenreservat Drömling benannt. Für die dazugehörigen Kommunen soll der Drömling weiter das verbindende Element sein, Identität stiften. Ob die Stadt Klötze in der LAG bleibt, ist noch offen.
Die Lokale Aktionsgruppe Rund um den Drömling hat sich nach dem Biosphärenreservat Drömling benannt. Für die dazugehörigen Kommunen soll der Drömling weiter das verbindende Element sein, Identität stiften. Ob die Stadt Klötze in der LAG bleibt, ist noch offen. Foto: Markus Schulze

Klötze

Wenn es um Fördermittel aus dem sogenannten Leader-Programm der Europäischen Union geht (EU), dann sind die Lokalen Aktionsgruppen (LAG) das organisatorische Herzstück. Bundesweit gibt es 321 dieser LAGen, in Sachsen-Anhalt sind es 23. Die Stadt Klötze ist derzeit Mitglied in der LAG Rund um den Drömling, die am 8. November 2006 und damit vor fast genau 15 Jahren gegründet wurde, wie LAG-Vorsitzender Gerhard Reinecke im Stadtrat erinnerte. Er war gemeinsam mit den Leader-Managern Wolfram Westhus und Wolfgang Bock gekommen, um Bilanz zu ziehen – und, wie herauszuhören war, für eine Fortführung der LAG Rund um den Drömling in ihrer bisherigen oder zumindest einer ähnlichen Aufstellung zu werben.

Denn: Für die neue Förderperiode (2021 bis 2027) soll es Veränderungen geben. So sei es vom Land gewollt, wie Reinecke und Bock sagten. Erstens: Aus den LAGen werden „Juristische Personen“, etwa Vereine oder Genossenschaften. Zweitens: An die Gebietskulissen werden Bedingungen geknüpft. Stichpunkte hier sind Homogenität (zusammenhängendes Gebiet), Identität (Verbundenheit, zum Beispiel mit dem Drömling) und Einwohner (möglichst 30.000). „Das mit der Gebietskulisse ist die Krux“, sagte Reinecke. Während es Bestrebungen für eine Groß-LAG in den Grenzen des Altmarkkreises gebe, „ist unser Ziel, die bestehenden Strukturen zu erhalten“, betonte er. „Damit sind wir alle gut gefahren.“

Ausscheiden von Gardelegen wird bedauert

LAG-Vorsitzender Gerhard ReineckeZu denen, die mit der LAG Rund um den Drömling „gut gefahren“ sind, gehöre auch die Stadt Klötze, wie Wolfgang Bock herausstellte. So seien zwischen 2014 und 2020 insgesamt 14 Projekte aus der Stadt Klötze bewilligt und mit rund 500.000 Euro gefördert worden (siehe Infokasten). „Das ist ein herausragendes Ergebnis“, hob er hervor. Ob dieses in einer Groß-LAG zu erzielen wäre, wagte Bock zu bezweifeln. Wichtig sei in jedem Fall, einer Aktionsgruppe anzugehören. „Ohne LAG gibt es kein EU-Geld.“ Das wäre umso bitterer, weil für die Förderperiode von 2021 bis 2027 voraussichtlich mehr als 180 Millionen Euro zur Verfügung stehen würden. „So einen großen Topf gab es in Sachsen-Anhalt noch nie. Da muss man dabei sein“, machte Bock deutlich.

„Wir können in der Zusammenarbeit auf eine sehr harmonische Zeit zurückblicken“, fasste Gerhard Reinecke die vergangenen 15 Jahre in der LAG Rund um den Drömling zusammen. Der LAG zugehörig waren bislang neben der Stadt Klötze auch die Gemeinde Calvörde sowie Teile der Einheitsgemeinden Gardelegen und Oebisfelde-Weferlingen.

Gardelegen möchte sich jedoch der neuen Groß-LAG anschließen. „Das ist bedauerlich, weil damit gute Strukturen zerstört und gute Perspektiven infrage gestellt werden“, wie Reinecke einschätzte.

Für die künftige Gebietskulisse stellte Wolfgang Bock fünf Szenarien vor. Realistisch erschien ihm ein Fortbestand der LAG Rund um den Drömling, ohne Gardelegen, dafür aber weiter mit Klötze, Oebisfelde und Calvörde. „Die Bürgermeister von Oebisfelde und Calvörde haben sich schon entsprechend positioniert“, wusste der LAG-Vorsitzende. Nur das Votum aus Klötze stehe noch aus. Zusammen käme man auf 23.000 Einwohner. Das seien zwar nicht die geforderten 30.000 Einwohner, das Land würde aber sicher eine Ausnahme machen. „Das müsste mit dem Teufel zugehen“, meinte Reinecke.

Der Süden wird abgeschnitten

Hauptamtsleiter Matthias RepsWie in der Vergangenheit, so könnte auch in Zukunft der Drömling das verbindende Element sein. „Der ist ein Alleinstellungsmerkmal. Ein Rohdiamant, der noch den letzten Schliff bekommen muss“, wie der LAG-Vorsitzende feststellte.

„Die Entscheidung liegt bei ihnen“, rief Bock den Stadträten zu. Aus der Runde kam nur eine Nachfrage. So wollte UWG-Fraktionsvorsitzender Marco Wille wissen, in welche Richtung die Signale von den Wirtschafts- und Sozialpartnern gehen. Darauf antwortete Reinecke: „Die Signale, die ich habe, auch von den Bürgermeistern aus Oebisfelde und Calvörde, lauten ganz klar: Bitte erhaltet bloß die bestehenden Strukturen.“

Abschließend informierte Klötzes Hauptamtsleiter Matthias Reps darüber, dass Kalbe in der LAG Mittlere Altmark bleiben wolle; Arendsee, Salzwedel und Gardelegen träten der neuen Groß-LAG bei. Allerdings: „Sollte Klötze in der bisherigen Kulisse bleiben, dann wäre Gardelegen durch Klötze und Kalbe von Salzwedel abgeschnitten“, die Groß-LAG hätte kein zusammenhängendes Gebiet, wie Reps anmerkte.

Klötze kann also das Zünglein an der Waage spielen. Über die LAG-Frage soll wahrscheinlich schon im nächsten Stadtrat entschieden werden, wie der stellvertretende Stadtratsvorsitzende Matthias Licht (UWG) ankündigte.