Jahrstedt l Von der Ohre-Schleuse in Jahrstedt ist nur noch Schutt übrig. Das Bauwerk war am Sonntag infolge höherer Gewalt zusammengekracht. Am Montag räumten Mitarbeiter des Unterhaltungsverbandes (UHV) Obere Ohre die Überreste ein. Dazu war schweres Gerät notwendig.

„Am Donnerstag haben wir an der Schleuse sauber gemacht. Da war noch alles in Ordnung“, berichtet UHV-Geschäftsführer Hagen Müller im Gespräch mit der Volksstimme. Rätselhaft bleibt, warum genau es zur Havarie gekommen ist. Eventuell könnten es angeschwemmte Bäume oder Äste gewesen sein, die durch den Wind in die Ohre gefallen sind. „Es sieht aber eher so aus, dass Eis eine Rolle gespielt hat“, sagt Müller. So fand ein UHV-Mitarbeiter am Montag nahe der Schwarzen Brücke einen großen Eisblock, der sich in der Nacht zu Sonntag aus Richtung Steimke in Bewegung gesetzt haben und dann auf die Schleuse getroffen sein könnte. Kurios: „Am Sonnabend war die Ohre definitiv eisfrei“, weiß Müller.

Wasserstand stieg stark an

Interessant ist, dass die Ohre in Jahrstedt in den Tagen vor dem Einsturz einen recht gleichbleibenden Pegelstand von etwa 65 Zentimetern hatte, der in der Folge leicht sank. Das geht aus einer Aufzeichnung des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft hervor. Am Sonntagmorgen um 6 Uhr gab es einen Pegelstand von 61 Zentimetern. Doch plötzlich schnellte der Pegelstand nach oben und erreichte um 9.30 Uhr einen Wert von 105 Zentimetern. Kurz danach muss es zum Einsturz der Schleuse gekommen sein. Gegen 10.30 Uhr, so erinnert sich Müller, bekam er einen Anruf von Jahrstedts Ortsbürgermeister Randy Schmidt. Wie dieser mitteilte, waren auch Feuerwehr und Stadtwirtschaft im Einsatz und sperrten den Ohreweg.

Dass eine Schleuse einstürzt, hat Müller in seinen vielen Jahren als UHV-Geschäftsführer noch nie erlebt. „Das ist höhere Gewalt. Da sieht man mal, was Natur für eine Kraft hat.“

Klären, wie es weitergeht

Dem Druck hielt die Schleuse, die Müllers Unterlagen zufolge im Jahr 1956 gebaut wurde, nicht (mehr) stand. „Damals hatte man wenig Material und die Widerlager wurden klein bemessen. Heutzutage würde man die Widerlager viel mehr in die Böschung reinbauen“, erklärt der UHV-Geschäftsführer, der sich gut vorstellen kann, wie sich die Wassermassen ihren Weg bahnten.

Eigentümer der Schleuse ist übrigens die Stadt Klötze. Das Staurecht liegt bei der Naturparkverwaltung Drömling. Und der Zweckverband Natur- und Kulturlandschaft Drömling/ Sachsen-Anhalt will dort für rund 200.000 Euro eine etwa 55 Meter lange Fischtreppe errichten. Um zu klären, wie es mit der Schleuse weitergeht, müssen sich alle Beteiligten in Kürze an einen Tisch setzen, schlägt Müller vor. Dass ein Provisorium entsteht, schließt er aus. „Dazu sind die Stauhöhen zu hoch.“ Seiner Meinung nach geht es aber auch ohne Schleuse. Betroffen von dem Einsturz sind der Angelteich und die Gräben in Richtung Kaiserwinkel sowie in Richtung des Steimker Heuweges, in die nun kein Wasser mehr eingespeist wird, wie Müller erklärt.