Stillgelegte Bahnlinie

Einwohner von Kusey fordern Rückbau der Bahnübergänge auf Strecke nach Oebisfelde

Nach Ansicht der Kuseyer könne nur ein dauerhafter Rückbau des Bahnüberganges am Köckter Weg den Lärm verhindern. Allerdings ist die Strecke zwischen Klötze und Oebisfelde noch gewidmet und der Förderverein Jeetze(l)talbahn glaubt fest an eine Reaktivierung.

Von Markus Schulze 07.08.2021, 05:00
Kusey: Aktuell enden die Gleise, wie hier am Köckter Weg, im Dickicht. Der Förderverein Jeetze(l)talbahn hält aber an seinem Ziel fest, die Bahnstrecke von Lüneburg über Salzwedel, Klötze und Oebisfelde nach Wolfsburg zu reaktivieren und kann sich einen Rückbau der Bahnübergänge nicht vorstellen.
Kusey: Aktuell enden die Gleise, wie hier am Köckter Weg, im Dickicht. Der Förderverein Jeetze(l)talbahn hält aber an seinem Ziel fest, die Bahnstrecke von Lüneburg über Salzwedel, Klötze und Oebisfelde nach Wolfsburg zu reaktivieren und kann sich einen Rückbau der Bahnübergänge nicht vorstellen. Foto: Markus Schulze

Kusey - Züge fahren auf der Strecke zwischen Klötze und Oebisfelde schon lange nicht mehr. Doch Bahnübergänge gibt es immer noch. Das ruft vor allem die Kuseyer auf den Plan. Sie fühlen sich durch die lauten Geräusche und Erschütterungen gestört. Die entstehen vor allem, wenn Lastwagen, Trecker oder andere schwere Fahrzeuge über die Bahnübergänge fahren. Besonders drastisch, darauf wurde zuletzt wieder im Kuseyer Ortschaftsrat hingewiesen, ist die Lage im Gewerbegebiet am Köckter Weg. Dort wird versucht, einen Kompromiss zwischen Anwohnern und Gewerbetreibenden zu finden, um allen Interessen gerecht zu werden. Zunächst gab es eine Tonnagebegrenzung, jetzt eine Geschwindigkeitsbeschränkung. Am Bahnübergang im Köckter Weg ist nur Tempo 10 erlaubt, doch daran scheinen sich nicht viele zu halten, wie im Ortschaftsrat moniert wurde. Eine dauerhafte Lösung, so hieß es, könne ohnehin nur ein Rückbau des Bahnüberganges sein (Volksstimme berichtete).

„Ich kann die Anwohner gut verstehen“, schreibt Thorsten Hensel, Vorsitzender des Fördervereins Jeetze(l)talbahn, auf Anfrage. „Da ist aber auch der Straßenbaulastträger in der Pflicht, an einer Lösung aktiv mitzuwirken.“ Im Falle des innerörtlichen Köckter Weges wäre das die Stadt Klötze. „Komischerweise“, so meint Hensel, „wird sich oft über die Bahnübergänge beschwert, vom allgemeinen Straßenzustand hört man nicht viel.“ Daher dürfe nicht nur mit dem Finger auf die Bahn gezeigt werden.

Bahn ist aus der Sache raus

Die Deutsche Bahn ist aus der Nummer übrigens raus, wie Pressesprecher Jörg Bönisch erklärte. Denn die Strecke Salzwedel-Klötze-Oebisfelde sei an die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) verpachtet, wie auch Hensel weiß. Die habe aber das Problem, keine Einnahmen erzielen zu können, wie durch die Bestellung von Sonderfahrten. „Sobald das Land, der Landkreis und die Kommunen aktiv an einer Reaktivierung der Bahnstrecken mitarbeiten, würden dadurch auch die Möglichkeiten zur Sanierung von Bahnübergängen wesentlich erleichtert“, glaubt Hensel, dessen Verein sich zum Ziel gesetzt hat, die Bahnstrecke von Lüneburg über Dannenberg, Lüchow, Salzwedel, Klötze und Oebisfelde nach Wolfsburg zu reaktivieren. „Die Bahnstrecke bis Oebisfelde ist komplett gewidmet“, erinnert Hensel, mindestens bis 2025. Daher sei ein Rückbau der Bahnübergänge aus seiner Sicht „nicht vorstellbar“. Er bleibt optimistisch und sagt: „Was heute teilweise nur noch Gleisreste darstellen, könnte 2030 Teil einer reaktivierten Bahnstrecke zwischen Salzwedel und Wolfsburg sein.“

Um auf den Köckter Weg in Kusey zurückzukommen, empfiehlt Hensel, mit geringen baulichen Maßnahmen eine Geschwindigkeitsreduzierung zu erzielen, mobile Blitzer aufzustellen oder Tempo-Kontrollen durchzuführen, „zur Prävention und Abschreckung“. Denn: „Alles, was kurzfristig hilft, macht mehr Sinn, als auf ’die Bahn’ mehrere Jahre zu warten.“

Auch die DRE wurde um eine Stellungnahme zu den Bahnübergängen in Kusey gebeten. Geschäftsführer Gerhard Curth bat aber um Geduld, da er vor einer Antwort erst noch die Inspektionsergebnisse in der kommenden Woche abwarten wolle.

Wenn schwere Fahrzeuge über den Bahnübergang am Köckter Weg in Kusey fahren, wird es laut. Die Anwohner sind genervt, zumal das Tempo-Limit nichts bringe. Gefordert wird ein Rückbau des Überganges.
Wenn schwere Fahrzeuge über den Bahnübergang am Köckter Weg in Kusey fahren, wird es laut. Die Anwohner sind genervt, zumal das Tempo-Limit nichts bringe. Gefordert wird ein Rückbau des Überganges.
Foto: Markus Schulze