Lockstedt

Erster Storch nach knapp 30 Jahren

Der Storch kehrte im Vorjahr nach 29 Jahren Pause wieder nach Lockstedt zurück. Im Garten der Familie Wernecke hat er sich niedergelassen.

Von Henning Lehmann

Lockstedt l Die Freude über das erneute Eintreffen des Weißstorches in Lockstedt ist nicht nur bei Familie Wernecke ungebrochen. Auch bei anderen Einwohnern. Denn es hat fast 30 Jahre gedauert, ehe Adebar wieder den Weg in den Klötzer Vorort fand. 1980, so Reinhard Wernecke, wurde auf dem Scheunendach ein Horst errichtet. Doch der gewünschte Erfolg blieb aus, denn Adebar suchte das Nest nur sporadisch auf. Später wurde es auch zerstört und im Anschluss wieder von der Familie Wernecke entfernt.

2013 starteten die Wernecke-Brüder Martin, Reinhard, Joachim und Ralf einen neuen Versuch. Gemeinsam mit Volker Barth konnten sie bei einer Klötzer Elektrofirma einen verzinkten Mast erwerben. Mit vereinten Kräften brachten die fünf Männer den wuchtigen Gegenstand im Garten in den Boden. „Wir haben so etwas noch nicht gemacht. Aber dennoch lief es glatt“, schaute Martin Wernecke zurück. Damit der fast zehn Meter hohe Zinkmast stabil steht, wurde er in ein 1,50 Meter tiefes Fundament gesetzt.

Das ist jetzt sieben Jahre her. Doch erst im Vorjahr stellte sich der Erfolg ein und ein Adebar-Paar suchte den Horst am Ortsausgang in Richtung Hohenhenningen auf. Die Werneckes stellen richtig, dass der Horst nicht von Neuendorf nach Lockstedt versetzt wurde. Es ist ein neuer Turm. Denn die Neuendorfer Adebare waren beringt und die Lockstedter nicht, erklärte Reinhard Wernecke den Unterschied.

Martin Wernecke ist der Mann für die Storchenstatistik in den vier Familien. Im Vorjahr brachte das Adebar-Paar zur Premiere gleich sechsmal Nachwuchs auf die Welt. Allerdings konnten aus verschiedenen Gründen nur drei junge Weißstörche großgezogen werden. Drei Vögel überlebten nicht. Ein Grund, so die vier Brüder, war das Platzangebot im Horst, aber auch die Nahrungsknappheit an Regenwürmern und Insekten. Denn der trockene Sommer wirkte sich auch bei der Nahrungsbeschaffung des Storchenpaares negativ aus.

In diesem Jahr konnten die Familienmitglieder bereits vier Eier im Horst entdecken. Mit Hilfe einer Drohne, die sie am vergangenen Wochenende charterten, entdeckten sie die vier Storcheneier.

Denn die Neugier, wie erfolgreich der Aufenthalt des weiblichen und des männlichen Storches bisher war, sollte gestillt werden.

Nicht nur die Familienmitglieder aus dem Hause Wernecke fragten danach, auch die Lockstedter Einwohner wollten das wissen. Auch von einem Dachfenster aus beobachteten die Werneckes mit einem Fernglas das Geschehen im Horst auf der grünen Gartenwiese. Einer der vier Brüder kontrolliert fast täglich das Leben der Adebare. Denn gelegentlich müssen auch mal ein Ast oder andere Dinge, die aus dem Nest gefallen sind, entsorgt und muss nach dem Horst auf dem Wagenrad geschaut werden.

Die Ankunft des männlichen weißen Vogels war in diesem Jahr mit dem 17. Februar auch außergewöhnlich früh. Martin und Reinhard Wernecke entdeckten die Ladung des Adebars zuerst.

Gut einen Monat später, zwischen dem 16. und 18. März, konnten die Werneckes in diesem Jahr den weiblichen Storch auf dem Horst erstmals sehen.

Dass sich die Familie weiter um die Störche in ihrem Garten auch zur Freude der Einwohner kümmert, ist für sie selbstverständlich. Die Werneckes wünschen sich aber von der Verwaltung des Biosphärenreservats in Oebisfelde oder vom Kreis-Naturschutzbund ein Schild für die Geburtenstatistik der Störche, das sie an dem Mast oder in der Nähe des Turmes anbauen können. Darauf sollen dann alle Aktivitäten der weißen Vögel für die Nachwelt festgehalten werden. Denn es hat immerhin 29 Jahre gedauert, bis der Storch wieder den Weg nach Lockstedt gefunden hat. Und das soll auch in den nächsten Jahren so sein.