Jeeben l Vor gut vier Monaten stellte der Netzbetreiber Avacon erstmals seine Pläne für eine neue Hochspannungsleitung vor, die vom Umspannwerk in Kunrau nach Tylsen gebaut werden soll. Gut 34 Kilometer soll die Trasse lang sein und dabei auch an einigen Ortschaften vorbeiführen. Früh regte sich bei einigen betroffenen Anwohnern Widerstand gegen die 110-Kilovolt-Freileitung. Im März schlossen sich 24 Bürger aus zwölf Ortschaften zur Bürgerinitiative (BI) „Pro Erdkabel“ zusammen. Ihr Ziel ist, dass der Energieversorger Avacon die Leitung auf der gesamten Trasse in die Erde verlegt. Am Mittwochabend hatte die BI zu einer öffentlichen Infoveranstaltung in das Jeebener Dorfgemeinschaftshaus eingeladen. Gesprochen wurde über den weiteren Weg der BI. Als Gäste hatten die Aktivisten zwei Expertinnen eingeladen.

Zahlen als Grundlage

So stellte sich zunächst Anja Gödicke vom „Bürgerdialog Stromnetz“ den gut 15 Zuhörern vor. „Wir sind eine Initiative, die über den Netzausbau informiert“, erklärte sie. Betrieben würden Bürgerbüros in ganz Deutschland, darunter auch in Magdeburg. Ziel sei es, Netzbetreiber und Bürger zusammenzubringen. Gefördert wird die Initiative durch das Bundeswirtschaftsministerium. Vorwiegend befasse man sich aber mit dem Neubau von 380-Kilovolt-Leitungen. „Hier handelt es sich um ein Verteilernetz, das ist eine andere Baustelle“, sagte sie.

Auf Kunden angewiesen

Doch Anja Gödicke kam nicht allein nach Jeeben. Mitgebracht hatte sie Anne Stamm, die BIs berät. Sie habe selbst schon eine geleitet und ein erfolgreiches Mediationsverfahren durchgeführt, stellte sie sich vor. „Ich weiß, dass eine 110-kV-Leitung genauso belastend sein kann wie eine 380-kV-Leitung“, sagte sie. Schwierig sei es immer dann, wenn die Betreiber keine Unterlagen herausgeben, berichtete Stamm aus Erfahrung. Es gebe aber Kalkulationen, etwa zu den Neubaukosten. „Die Betreiber geben sie nicht gern raus, weil sie ihre Rechtssicherheit gefährdet sehen.“ Deshalb würden Zirka-Angaben genannt, damit seien die Betreiber „aus dem Schneider“.

Es gebe aber Hoffnung. Immerhin seien die Verteilernetzbetreiber als Unternehmen aus der Region auf die Kunden angewiesen, sagte Anne Stamm. Die Chance für Verhandlungen sei deshalb groß. „Man will die Bürger und Kunden nicht auf die Palme bringen“, wusste sie.

Druck aufrecht erhalten

Geplant war kürzlich schon ein Dialog zwischen BI und Avacon bei einem Rund-Tisch-Gespräch. Doch der Betreiber sagte die Teilnahme ab. Die Einladung sei zeitlich zu knapp eingegangen, hieß es zur Begründung. Anne Stamm riet den Aktivisten, am Ball zu bleiben und den Betreiber noch einmal anzuschreiben. „Sie müssen den Druck aufrecht erhalten, aber auf Augenhöhe“, sagte sie. Streitereien seien nicht gefragt. Man müsse als BI immer wieder die Eigeninitiative ergreifen und etwa fordern, dass die Berechnungen offengelegt werden. Ist es soweit, könne es manchmal helfen, ein Ingenieurbüro einzuschalten, um die Daten überprüfen zu lassen. „Wenn sie nichts zu verbergen haben, können sie die Zahlen herausgeben“, schlussfolgerte sie.

Verschwiegenheit wichtig

Beim Runden Tisch werde oft Verschwiegenheit vorausgesetzt. Oft ist es so, dass nur drei oder vier Leute einer BI Zugang zu den Daten der Unternehmen haben. Wichtig sei es, solche Bedingungen schon vorher festzulegen. Ihre Frage, ob die BI denn ein eingetragener Verein sei, musste die Runde verneinen. „Das müssen Sie machen. Dann gibt es immer eine Spitze und Ansprechpartner für die Unternehmen“, lautete ihr Tipp. In anderen BIs werde das auch so gehandhabt. Zu denen könne man Kontakt aufnehmen. Als Verein werde die Gruppe ernster genommen.

Resolution im Stadtrat

Die Gründung eines Vereins sei momentan aber kein Thema, sagte Enrico Lehnemann, Mit-Initiator der BI Pro Erdkabel, am Donnerstag auf Nachfrage der Volksstimme. Ganz vom Tisch sei das Thema aber nicht. Es stehe weiter zur Diskussion, man wolle die Vor- und Nachteile abwägen. „Wir wollen sehen, wie es weitergeht“, so Lehnemann.

In Zukunft wird die BI auch zu weiteren Terminen einladen, bestätigte Lehnemann. Der nächste stehe aber noch nicht fest. Am kommenden Mittwoch wolle man der Sitzung des Klötzer Stadtrates beiwohnen. Dann wird sich das Gremium mit einer Resolution befassen, in der die Verlegung der Leitung in die Erde gefordert wird. „Wir hoffen, dass sich der Stadtrat für die Resolution entscheidet. Das wäre ein wichtiges Zeichen“, sagte Enrico Lehnemann.