Klötze l Das ist mal eine hohe Stromrechnung: Rund 147 000 Euro zahlt die Einheitsgemeinde Stadt Klötze pro Jahr für die Straßenbeleuchtung – allein für die Elektrizität. Der Verbrauch der insgesamt 1884 Laternen liegt bei knapp 677 000 Kilowattstunden. Diese hohen Ausgaben müssten nicht sein. Um die 100 000 Euro könnte die Stadt Klötze pro Jahr durch die Umstellung auf moderne LED-Technik einsparen, wie während der jüngsten Sitzung des Stadtrates zu hören war. Vorgestellt wurde dabei ein Konzept, in dem auch neue Wege aufgezeigt werden. Ein Vorschlag lautete, die Straßenbeleuchtung komplett in die Hände eines Unternehmens zu geben. „Contracting“ heißt das Zauberwort (das englische Wort contract bedeutet Vertrag, die Redaktion). Um die Modernisierung, Wartung und Reparatur der Straßenlampen müsste sich die Stadt dann während der Vertragslaufzeit nicht mehr kümmern. Nur die Stromkosten wären zu zahlen. Diese würden einen bestimmten vertraglich festgehaltenen Wert nicht übersteigen, wie erklärt wurde.

„So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich.“

Peter Steinfurth

Fachmann von der Landesenergieagentur

Präsentiert haben die Ergebnisse Peter Steinfurth von der Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt (Lena) sowie Matthias Schönhardt von der E-Con GmbH. Die Lena verstehe sich nicht als Konkurrenz zu Energieberatern im Land, so Peter Steinfurth. Man arbeite unter anderem mit Städten und Kreisen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen zusammen. Informiert werde über neue Technologien und Finanzierungsmöglichkeiten. Ein Schwerpunkt sei die Modernisierung der Straßenbeleuchtung. Auszeichnen würde sich eine gute Beleuchtung dadurch, dass sie den Stromverbrauch senke. Umweltbelastungen durch das künstliche Licht sollten auf ein Mindestmaß begrenzt werden, um Mensch und Natur nicht zu beeinträchtigen. „So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich“, fasste Steinfurth das Ziel zusammen. Es sollte vermieden werden, Flächen unnötig zu beleuchten.

Im Jahr 2019 habe die Lena vom Landesumweltministerium den Auftrag erhalten, das Projekt „Klimaschutz durch Contracting“ zu organisieren, sagte Steinfurth. Dabei solle die Straßenbeleuchtung in ausgewählten Kommunen in Sachsen-Anhalt mit Blick auf den Klimaschutz modernisiert werden, ohne dass die Städte und Gemeinden dafür eigenes Geld in die Hand nehmen müssen. Der „Contracting“-Partner, ein Unternehmen, würde sich darum kümmern. Für einige Jahre wäre der Vertragspartner auch für die Wartung und Reparatur verantwortlich. Dafür erhält er eine bestimmte Summe.

Im Fall der Stadt Klötze wären bei einer Vertragslaufzeit von zehn Jahren etwa 980 000 Euro fällig, wie Matthias Schönhardt von der E-Con GmbH vorrechnete. Das Unternehmen ist Kooperationspartner der Landesenergieagentur und hat die Daten für die Einheitsgemeinde Stadt Klötze gesammelt und bewertet. Billiger wäre es, wenn die Stadt die Umstellung der Laternen auf sparsame LED-Technik auf eigene Faust in Angriff nehmen würde. Bei einer Eigenfinanzierung wäre mit Kosten in Höhe von rund 829 000 Euro zu rechnen – also gut 150 000 Euro weniger als beim „Contracting“-Modell. Doch ob man dann wirklich spart? „Beim Contracting kauft man sich frei“, sagte Matthias Schönhardt. Ein Servicevertrag mit einem Unternehmen werde geschlossen, die Stadt müsste sich zehn Jahre lang nicht mehr um die Wartung der Laternen kümmern, weitere Aufwendungen gebe es nicht. Im Vergleich zu den heutigen Ausgaben würde Klötze beim „Contracting“ immer noch mehr als 50 000 Euro im Jahr einsparen, rechnete Schönhardt vor.

„Die Eigenbeschaffung erscheint wirtschaftlicher“, sagte Peter Steinfurth von der Lena. Beim „Contracting“ würde der Vertragspartner investieren und sein Risiko mit einrechnen, da er für Jahre Aufgaben übernehme und nicht nur für die Modernisierung der Laternen verantwortlich sei. „Das Risiko lässt er sich bezahlen“, erklärte Steinfurth den höheren Preis. Dafür gebe es eine Einspargarantie im Vertrag. Er blickte auch auf den Faktor Zeit. Je länger es dauere, bis die Laternen modernisiert sind, desto länger zahle die Stadt die jetzigen hohen Stromkosten. Würde sich Klötze für die „Contracting“-Variante entscheiden, müsste die Kommunalaufsicht des Altmarkkreises schließlich noch grünes Licht für das Vorhaben geben, blickte Steinfurth voraus. Die notwendigen Ausschreibungsunterlagen sind bereits vorbereitet.

„Das Risiko lässt er sich bezahlen.“

Peter Steinfurth

Nun müsse sich der Klötzer Stadtrat zu der Frage positionieren, welcher Weg – Eigenbeschaffung oder „Contracting“ – gegangen werden soll, sagte Bürgermeister Uwe Bartels im Gespräch mit der Volksstimme. Zunächst wolle die Verwaltung mit den Fraktionschefs sprechen. Demnächst werde das Thema dann wieder auf der Tagesordnung des Stadtrates landen, blickte Uwe Bartels voraus. Einige Lampen auf dem Gebiet der Einheitsgemeinde Stadt Klötze seien bereits auf LED-Technik umgestellt, wusste das Stadtoberhaupt. Als Beispiel nannte er Quarnebeck, wo schon mehr als 30 solcher Lampen an den Straßen leuchten. Die Masten der vorhandenen Laternen sollen bei einer Modernisierung übrigens stehen bleiben. Nur die Leuchtkörper würden ausgetauscht.

Die Umstellung könnte dann schnell über die Bühne gehen, nach gut sechs Monaten könnten die Arbeiten an den mehr als 1800 Laternen erledigt sein, schätzten die Experten während der Stadtratssitzung. Vorher muss die Ausschreibung erfolgen.