Steimke l Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten. Dieses Zitat stammt vom früheren Bundeskanzler Helmut Kohl. Es könnte aber auch der Leitspruch des Steimker Heimatvereins sein. Dieser will sich am Donnerstag, 28. Juni, öffentlich vorstellen. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr und findet im Steimker Saal statt. „Dabei möchten wir auch um weitere Mitglieder und Sponsoren werben“, kündigt Vorsitzender Hermann Buchmüller an. Und bestimmt kann dabei auch ein Blick in die Heimatstube geworfen werden. Die liegt gleich nebenan.

Stadt verlangt keine Miete

Die Renovierung dauerte mehrere Monate. Es wurde gemauert und gemalert. Eine Tür wurde geschlossen, eine Wand geöffnet. Vieles geschah in Eigenleistung, die Stadt Klötze beteiligte sich unter anderem an der Erneuerung des Fußbodens. Überhaupt ist der Heimatverein der Kommune und vor allem Bürgermeister Uwe Bartels sehr dankbar, wie Achim Willmann vom Beirat betont. Schließlich können die knapp 45 Quadratmeter kostenlos genutzt werden. Eine Miete wird nicht verlangt. So ist es vertraglich geregelt.

Hermann Buchmüller verbindet mit dem zentral gelegenen Standort, „es war unser Wunsch, genau hier einziehen zu dürfen“, viele Erinnerungen, weil er dort zwei Jahre lang die Schulbank drückte. In der eigentlichen Schule, dem heutigen Kindergarten, war es nämlich zu eng geworden. Daher wurden die siebte und achte Klasse ausgelagert. Eben in die jetzige Heimatstube. Darin befand sich zuvor die Schlafstatt des Gastwirts und bis zuletzt eine Wohnung.

Fortan soll darin die Steimker Historie bewahrt werden, anschaulich für Jedermann. Ein Museum soll es aber nicht sein, verdeutlicht Buchmüller. „Wir wollen hier keine Bügeleisen von anno dazumal ausstellen, sondern die Steimker Geschichte mit Bildern und Unterlagen dokumentieren.“ Eine Ausnahme wird nur für ausgewählte Gegenstände gemacht, wie zum Beispiel eine Landkarte von 1840 oder die Schützenkette von 1850. „Die beiden Sachen sind unser ganzer Stolz“, sagt Achim Willmann. Dem Heimatverein ist der Wert bewusst. Darum sollen die kostbarsten Stücke aus der Sammlung in einem Tresor verstaut werden.

Über Leader gab es 5000 Euro

Der konnte, wie auch die Vitrinen, über Fördermittel finanziert werden. Aus dem Leader-Programm gab es für die Erstausstattung der Heimatstube zirka 5000 Euro. Um die Gelder überhaupt beantragen zu können, das geschah über die Lokale Aktionsgruppe Rund um den Drömling, war wiederum die Gründung des Heimatvereins notwendig. Diese erfolgte am 30. Juni 2017 und war mit „unheimlich viel Bürokratie“ verbunden, wie Willmann kritisch anmerkt.

Die Geburtsstunde des Heimatvereins reicht aber noch weiter zurück. So waren in Vorbereitung von Steimkes 900-Jahr-Feier im Jahr 2012 etliche Fotos und Schriftstücke zusammengetragen worden. Diese sollten aber nicht (wieder) im privaten Kämmerlein verschwinden, sondern dauerhaft zugänglich gemacht werden. „Nach den Feierlichkeiten gab es eine Abschlussberatung. Da entstand der Gedanke an einen Heimatverein und eine Heimatstube“, blickt Buchmüller zurück.

Beides ist nun geschafft. Aktuell hat der Heimatverein 13 Mitglieder. Zum Vorstand gehören neben Hermann Buchmüller als Vorsitzendem auch seine Stellvertreterin Birgit Irmscher, Schriftführerin Birgit Gaedecke, Kassenwart Marvin Dankert sowie die Beiräte Achim Willmann, Stefan Beneke und Erhard Bratke. Jeder bekommt ein Spezialgebiet: Willmann den Sportverein, Bratke die Feuerwehr, Irmscher den Gesangverein und so weiter. Ihr Wille ist es, dass in der Heimatstube alle ehemaligen und aktuellen Vereine berücksichtigt und auch bestimmte Schwerpunkte gesetzt werden. Sei es die Kirche, das Denkmal, die Grenze, die Grenzöffnung, die Ohre, die Mühle, der Gesangverein, die Theatergruppe, der Schützenverein, der Posaunenchor, die Volkstanzgruppe, der Sportverein, die Feuerwehr, der Spielmannszug oder das Brauchtum mit Osterfeuer, Pfingstfest, Fischermeier, Vergodendeel und vielem anderen.

Heimatstube soll ein Ort der Begegnung werden

Noch dazu soll die Heimatstube ein Ort der Begegnung werden. Buchmüller kann sich einen Plattdeutschabend – „den Dialekt sprechen in Steimke nur noch sieben oder acht Leute“ – ebenso vorstellen wie Gesprächsrunden über die Steimker Bauern, das Handwerk, die Schule oder die Steimker Mädchen, die von Grenzern „weggeheiratet“ wurden und auf diese Weise aus dem Sperrgebiet herauskamen. Möglich sind auch Ortsrundgänge, etwa zum Denkmal. „Wer steht da eigentlich drauf?“

Die Heimatstube soll sonntags von 10 bis 12 Uhr geöffnet sein oder nach Vereinbarung. Der Heimatverein lädt herzlich zum Besuch ein. „Wir brauchen ja auch Hilfe, weil wir alle Menschen, die auf den Fotos zu sehen sind, namentlich zuordnen wollen“, erklärt Willmann. Er und Buchmüller gehen fest davon aus, dass der Bestand der Heimatstube weiter wächst. Zunächst aber freuen sie sich darauf, den Heimatverein am 28. Juni vorstellen zu dürfen.